Künstliche Befruchtung Eizellen in der Kühltruhe? Was hinter «Social Freezing» steckt

Nicht jetzt! Manche Frauen lassen ihre Eizellen einfrieren, um sie zu einem anderen, «passenderen» Zeitpunkt einzusetzen. Damit wird das eigentliche Problem aber nicht gelöst.

Tiefgekühlten Eizellen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Junge Eizellen einfrieren, um sie später wieder aufzutauen – das ist auch in der Schweiz möglich. Keystone

14 Jahre lang sind die Eizellen einer Argentinierin in flüssigem Stickstoff geblieben. Bis sie sich entschieden hat, ein Baby zu wollen. Und das bekam sie neun Monate später auch, inklusiv Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Heute werden Eizellen aber grundsätzlich nicht wegen des Rekordruhms eingefroren. Viel mehr ist die Methode zu einem gesellschaftlichen Trend geworden, mit eigenem Namen: Social Freezing. Auch in der Schweiz.

Warten auf den «perfekten» Zeitpunkt

Ein Baby bis spätestens 30 Jahren? Das mag wohl medizinisch der richtige Zeitpunkt sein, um Kinder zu kriegen. In der Realität aber beeinflussen viele andere Faktoren eine solche Entscheidung. Manchmal fängt das Leben in diesem Alter mit Reisen und Karriere erst richtig an. Manchmal fehlt auch ganz einfach ein Partner. Und oft lässt sich Familie und Beruf nicht ganz einfach unter einem Hut bringen.

Manche Frauen entscheiden sich deshalb, ihre Eizellen für den späteren, «perfekten» Zeitpunkt einzufrieren. Dorothea Wunder, Reproduktionsmedizinerin am Unispital Lausanne, sieht darin den grossen Vorteil, bei einer späteren Schwangerschaft nicht auf eine Eizellspende im Ausland zurückgreifen zu müssen.

Praktisch für den Arbeitgeber

Die Medizinerin äussert aber auch kritische Worte zur Methode: «Das Social Freezing löst das Problem der schwierigen Vereinbarung von Beruf und Familie für die Frauen nicht», sagt Dorothea Wunder. Darüber hinaus ist die Methode mit erheblichen Kosten verbunden.

Diese übernehmen manchmal die Arbeitgeber, die selber Interesse daran haben, dass Mitarbeiterinnen nicht schwanger werden. Bekannt ist dies zum Beispiel in den USA bei den Grosskonzernen Facebook und Apple.

Frauen kommen unter Druck

Zur Kostenübernahme: «So nett das klingt – finde ich es nicht ganz unproblematisch. Damit kann auf die Frauen auch Druck ausgeübt werden, indem der Arbeitgeber bestimmt, wann die Frauen schwanger werden dürfen», sagt die Reproduktionsmedizinerin.

Eine Garantie, dass die künstliche Befruchtung mit über 40 Jahren klappt, gibt es laut Wunder nicht – trotz eigener Eizellen. Manche Frauen müssten dann trotzdem auf Alternativen ausweichen.

Künstliche Befruchtungen in der Schweiz Anzahl der behandelten Frauen (mit Methoden der Befruchtung ausserhalb des Mutterleibs) und der Lebendgeburten. Quelle: Bundesamt für Statistik

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • FOKUS: Gleichgeschlechtliche Eltern

    Aus 10vor10 vom 12.6.2017

    Wer sich in der Schweiz künstlich befruchten lassen will hat es nicht einfach. Laut dem Gesetz dürfen sich nämlich nur verheiratete Paare, welche auf natürliche Weise keine Kinder kriegen können, künstlich befruchten lassen. Darum zieht es viele Paare zu einer Samenspende ins Ausland.

  • FOKUS: Spermien-Post aus Dänemark

    Aus 10vor10 vom 12.6.2017

    Viele Paare, denen es in der Schweiz nicht erlaubt ist, Samenspenden zu beziehen, suchen im Ausland Hilfe. Nicht alle gehen dafür aber in eine Klinik. Einige lassen sich das passende Sperma auch einfach per Mausklick nach Hause liefern. Zum Beispiel aus einer Samenbank in Dänemark.