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Engagement in Grossbritannien Eine Stadt ohne Plastik?

Legende: Video Die Briten machen es vor abspielen. Laufzeit 0:49 Minuten.
Aus SRF News vom 30.07.2018.

Idyllisch ist er, der Südwesten Grossbritanniens: warme Temperaturen, sonnige Strände. In der Küstenstadt Penzance kommt Rachel Yates jedoch in Rage: «Egal wo ich mich hinsetze, finde ich Plastik.»

Der Abfall aus Kunststoff ist Yates ein Dorn im Auge. Deswegen hat sie sich ein ambitioniertes Ziel gefasst: Sie möchte das Städtchen Penzance mit rund 20'000 Einwohnern in eine Zukunft ohne Plastik führen. Denn weniger Plastikverbrauch führt auch zu weniger Umweltverschmutzung.

Rachel Yates am Strand
Legende: Journalistin und Aktivistin Rachel Yates hat dem Plastik in Penzance den Krieg erklärt. SRF

Die Umweltaktivistin sucht Partner für ihr ambitioniertes Projekt. Sie zieht von Laden zu Laden und versucht die Betreiber zu überzeugen, auf Plastik zu verzichten. Einkaufstaschen aus Stoff beim Gemüsehändler, Zahnbürsten aus Bambus in der Drogerie, Bleistifte anstatt Kugelschreiber im Modeladen: Das Projekt stösst auf Anklang.

«Endlich führen wir eine Debatte»

Wer umweltbewusst agiert, darf sich auch damit rühmen. Die Geschäfte weisen mit einem Sticker im Schaufenster aus, dass sie am Umweltprojekt teilnehmen. Das dürfte Kunden ansprechen, die auf Nachhaltigkeit setzen.

Schild bei Laden in Penzance
Legende: «Schliess dich dem Widerstand an»: Wer auf Plastik verzichtet, darf damit auch Kunden anwerben. SRF

Positiv überrascht zeigt sich Rachel Yates von der Reichweite, welche ihr Unterfangen bereits erreicht hat. Auch das Stadtfest von Penzance leistet dieses Jahr seinen Beitrag und verzichtet auf Plastikbecher. «Vor einem Jahr hat es noch niemanden interessiert, wie wir Plastik reduzieren können», so Yates. «Dieses Jahr führen wir endlich eine Debatte.»

Noch längst nicht «plastikfrei»

Hinter der Idee der «plastikfreien Stadt» steckt die britische Non-Profit-Organisation «Surfers Against Sewage» – Surfer gegen Schmutzwasser. Seit einigen Monaten vergibt sie das Label «plastikfrei» an Gemeinden, die Ziele zur Reduktion von Plastik erfüllen. Hugo Tagholm, Leiter der Initiative, zeigt sich zufrieden mit den Wellen, die das Projekt wirft: «Wir dachten bis 2020 würden 125 Gemeinden mitmachen, jetzt haben wir innert elf Monaten 330 Gemeinden.»

Logo von Surfers Against Sewage
Legende: Mehr als 300 britische Gemeinden haben sich bisher dem Projekt von «Surfers Against Sewage» angeschlossen. SRF

Doch «plastikfrei» ist auch Penzance noch lange nicht. Längst nicht alle Geschäfte im Badeort verzichten auf den Kunststoff. Den Vorwurf, bei der Kampagne handle es sich um Etikettenschwindel, lässt Rachel Yates aber nicht stehen: «Es ist unmöglich, absolut plastikfrei zu sein. Wir fokussieren uns auf die Reduktion von Einweg-Plastik.»

Das Ziel sei es, das Konsumverhalten der Einwohner von Penzance umzustellen: «Wir müssen unsere Gewohnheiten ändern. Die Veränderung fängt dann an, wenn wir uns ändern.»

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10 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Die Schweiz das Musterland -aber nur draussen in der Welt - selbst produziert und verbraucht die Schweiz die meisten Plastikprodukte pro Person weltweit - den Plastik sinnvoll eingesetzt bringt Null Schaden - wenn er von den so gut Erzogenen überall öffentlich weggeworfen wird, dann ist er eine Seuche. Wir müssen nicht zurück in die Steinzeit aber Verpackungsmaterial muss nicht aus Plastik sein. Die Weichmacher darin sorgen sonst sicher für die Reduzierung der Geburten.
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Einwegtaschen können ab morgen verboten werden. Pfand auf Pet-Flaschen erhöht sofort die Rückgabequote. Zahnpasta ohne Plastik sollte selbstverständlich sein. Wer Migros-GenossenschafterIn ist, kann dort intervenieren. Sobald die Grossen was tun, ist das Know how verfügbar und kann verbreitet werden. V.a. kann man KEINE Plastikflaschen kaufen, sondern Hahnenwasser trinken!
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Jute statt Plastik - so hiess das im Original ;-) ich sammle täglich irgendwo in der Natur Plastik ein. An der Aare ne kaputte Luftmatratze, an der Sense Petflasche, Plastikverpackungsteile, etc. Wer keinen Plastik in Fischen essen will, sollte so viel davon einsammeln wie möglich. Auf PolitikerInnen zu warten ist wie «Warten auf Godot». V.a. bei der aktuellen bürgerlichen Mehrheit im Nationalrat. Was kann der Staat für Dich tun? Nö - was können WIR für den Staat tun? Umweltschutz!
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