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Erforschung der Evolution «Menschen sind nicht so einzigartig, wie sie meinen»

Legende: Audio Auch Ratten handeln sozial. abspielen. Laufzeit 04:35 Minuten.
04:35 min, aus SRF 4 News aktuell vom 02.02.2018.

Ratten rechnen Hilfeleistungen zusammen. Das konnte ein Forschungsteam der Uni Bern belegen. Die kleinen Nagetiere tauschen nicht nur wie angenommen eine Dienstleistung gegen dieselbe Dienstleistung oder Futter gegen Futter aus; ihr Sozialverhalten ist komplexer.

Austausch unter Tieren

Zusammenzuarbeiten und miteinander zu teilen, ist keine rein menschliche Verhaltensweise. Bienen und Ameisen teilen beispielsweise das Futter. Von Affen und Vögeln weiss man, dass sie sich bei der gegenseitigen Körperpflege helfen. Doch bis anhin ging die Forschung davon aus, dass sich der Austausch auf jeweils eine Währung beschränkt. Das heisst: Wenn ein Tier einem anderen Futter schenkt, bekommt es Futter zurück. Wenn ein Tier ein anderes laust, wird es vom anderen auch gelaust.

Helfen ohne direkten Profit

In einem Experiment konnten Wanderratten entscheiden, ob sie einem Sozialpartner entweder helfen, an beliebtes Futter zu kommen oder ihm unliebsames Salzwasser am Nacken zu entfernen. Sie selbst zogen keinen direkten Nutzen daraus.

Es stellte sich heraus: Die Ratten richteten ihre Hilfsbereitschaft nach der Erfahrung, die sie mit dem betreffenden Sozialpartner gemacht hatten.

Ratten können auch komplexe Aufrechnungen machen – nicht nur Menschen.
Autor: Manon SchweinfurtEvolutionsbiologin der Uni Bern

Wenn sie von ihm vorher mit Futter versorgt worden waren, revanchierten sie sich mit Fellpflege. Wurde ihnen selbst vorher das Fell gepflegt, bezahlten sie den Partner mit einem Leckerbissen.

Warum tun die Ratten das?

Es ist die Neugier auf die Evolution, die Manon Schweinfurth, die Studienleiterin, zu diesem Experiment geführt hat: «Ich als Evolutionsbiologin bin Grundlagenforscherin. Ich möchte verstehen, warum Verhaltensweisen im Laufe der Evolution entstanden sind.» Lange habe man gedacht, das Prinzip der Reziprozität sei etwas ausschliesslich Menschliches. «Doch Unsere Ratten haben das Gegenteil bewiesen. Sie können auch so komplexe Aufrechnungen machen. Elementar ist, dass Menschen ein bisschen weniger einzigartig sind, als wir gerne annehmen möchten.»

Schweinfurt und ihr Team interessiert vor allem, warum Tiere das tun. «Das hat sich schon Darwin gefragt: Warum hilft man anderen Individuen, wenn man die Ressourcen für sich behalten könnte? Warum soll ich Futter verschenken, wenn ich es selber essen könnte?»

Am Ende des Tages hat man nicht nur Ressourcen hergegeben, sondern man auch welche bekommen.
Autor: Manon SchweinfurtEvolutionsbiologin der Uni Bern

Die Forscherin erklärt: «Am Ende des Tages hat man nicht nur Ressourcen hergegeben, sondern man auch welche bekommen. Wenn man besonders viel hilft, bekommt man auch besonders viel zurück.» In Situationen, in denen man vielleicht ganz dringend Hilfe benötige, sei dann jemand da, der einem helfe. «Das wiederum schafft Vorteile gegenüber anderen Individuen, die nie jemanden finden, der ihnen hilft, weil sie eben unkooperativ sind.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Olivier Wetli ("nicht von dieser Welt")
    Erworbenes Verhalten prägt sich nie in Genen ein! Auch nicht in Fortpflanzungszellen, denn nur dort könnten sie etwas bewirken. Evolutionistische Höherentwicklung ist ein tief verwurzelter Irrglaube. Nicht mal Wissenschaftler halten sich an deren „Spielregeln“.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Die Einzigartigkeit des Menschen besteht darin, dass nur er als einziges Lebewesen, ünermüdlich an dem Ast sägt, auf welchem er sitzt!
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  • Kommentar von Jeanôt Cohen (Jeanot)
    Ok, das die Wissenschaftler nicht sehr originel sind, habe auch schon festgestellt, aber entgegen ihre Behauptungen, ist jeder Mensch, jedes Tier, das Leben an sich, einzigartig. Da die Evolution keine Wissenschaft ist, kommen die nie darauf, auf das Wunder was sich tagtäglich rundum und in uns abspielt.
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