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Neue Spur im Fall Maddie
Aus Tagesschau vom 04.06.2020.
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Ermittler im Fall Maddie «Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist»

  • Die Staatsanwaltschaft Braunschweig (D) glaubt, dass die vor rund 13 Jahren in Portugal verschwundene dreijährige Madeleine «Maddie» McCann tot ist.
  • «Wir gehen davon aus, dass das Mädchen tot ist», sagte der Sprecher der Behörde vor Journalisten in Braunschweig.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen 43-jährigen Deutschen wegen Mordverdachts. Die Ermittler ersuchen die Bevölkerung um Mithilfe bei der Suche nach einem Zeugen, dessen Telefonnummer sie kennen.

Weitere Details zu den Tatvorwürfen gegen den Verdächtigen wollte die Staatsanwaltschaft nicht nennen. Auch zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen äusserte sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Christian Wolters, nicht.

Vor 13 Jahren verschwunden

Die Ermittlungen richten sich gegen einen wegen sexueller Straftaten verurteilten Mann, der nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa in Kiel hinter Gittern sitzt. Er lebte im Zeitraum des Verschwindens an der portugiesischen Algarve.

Maddie verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz. Die Eltern waren zu der Zeit in einem nahe gelegenen Restaurant essen. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht.

Beschuldigter lebte in Portugal

Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) in Deutschland lebte der Beschuldigte zwischen 1995 und 2007 regelmässig an der Algarve unter anderem einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. «Nach hier vorliegenden Erkenntnissen ging er in dieser Zeit im Raum Lagos mehreren Gelegenheitsjobs, unter anderem in der Gastronomie, nach», so das BKA.

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Maddie – vor 10 Jahren spurlos verschwunden
Aus Tagesschau vom 03.05.2017.
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Gemäss der «Braunschweiger Zeitung» soll der Beschuldigte Ende 2019 vom Landgericht Braunschweig wegen Vergewaltigung einer damals 72-jährigen Amerikanerin im Jahr 2005 in Praia da Luz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden sei. Darauf deute vieles hin, so die Zeitung. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig.

Im September 2017 wurde der Mann wegen des Besitzes von Kinderpornografie und sexuellen Missbrauchs eines Kindes vom Landgericht Braunschweig verurteilt. Die Strafe hat er bereits verbüsst.

Das Tagesthema in Grossbritannien

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In Grossbritannien ist der Fall Madeleine auch nach 13 Jahren noch sehr präsent. «Das Foto des Mädchens ist heute auf fast jeder britischen Titelseite. Und die Fernsehstationen berichten rund um die Uhr davon», sagt SRF-Korrespondentin Henriette Engbersen. Doch auch wenn der heute bekannt gegebene Fortschritt bei den Ermittlungen Hoffnung mache, seien viele Kommentatoren skeptisch, sagt Engbersen. «Zu oft hiess es in den letzten 13 Jahren, es gebe eine heisse Spur, doch am Ende war es eine falsche Hoffnung.»

Bereits am Mittwochabend hatte Scotland Yard mitgeteilt, dass der Mann während Maddies Verschwinden kurzes, blondes Haar trug und etwa 1.80 Meter gross war. Besonderes Augenmerk lenkten die britischen Ermittler auf zwei Fahrzeuge und zwei Telefonnummern, die der Verdächtige benutzt haben soll. Es geht um einen Caravan vom Typ VW T3 Westfalia mit portugiesischem Nummernschild, in dem der Mann zeitweise gewohnt haben soll, und einen Jaguar, Model XJR 6, mit einem deutschen Kennzeichen. Am Tag nach Maddies Verschwinden sei der Jaguar auf einen neuen Halter umgemeldet worden.

An dem Abend, als Maddie verschwand, soll der Verdächtige einen Anruf unter der Nummer +351 912 730 680 erhalten haben. Der Anruf wurde in der Region um Praia de Luz entgegengenommen. «Ermittler glauben, dass die Person, die diesen Anruf getätigt hat, ein höchst wichtiger Zeuge ist, und rufen sie dazu auf, in Kontakt zu treten», hiess es in der Scotland-Yard-Mitteilung. Die Nummer des Anrufers laute +351 916 510 683.

Entscheidender Hinweis in «Aktenzeichen XY... ungelöst»

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Der Fall Maddie war am Mittwochabend – wie schon früher – Thema in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst». Auf die Spur des nun Verdächtigen kamen die Ermittler nach eigenen Angaben durch einen Hinweis nach der TV-Sendung zum Fall im Oktober 2013. «Die damaligen Informationen reichten nicht für Ermittlungen aus und schon gar nicht für eine Festnahme», sagte BKA-Ermittler Christian Hoppe in der Sendung. Auch ein weiterer Hinweis auf den Tatverdächtigen im Jahr 2017 habe noch nicht gereicht.

Maddies Eltern hatten sich mit teils emotionalen Aufrufen immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt, um Informationen über den Verbleib ihrer Tochter zu erhalten. «Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen», heisst es in einem Statement der Eltern in der Scotland-Yard-Mitteilung.

Maddies Eltern Gerry und Kate McCann
Legende: Maddies Eltern Gerry und Kate McCann suchten jahrelang nach ihrer Tochter. Keystone

Chronologie im Fall Maddie

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Mai 2007: Kurz vor ihrem vierten Geburtstag verschwindet Maddie aus einer Ferienanlage in Portugal. Madeleines Mutter fleht im Fernsehen mögliche Entführer an, das Kind freizulassen.

September 2007: Die Eltern gelten zu diesem Zeitpunkt als Verdächtige. Medien berichten, die Polizei gehe von einem Unglücksfall aus - die Eltern hätten die Leiche verschwinden lassen.

Juli 2008: Die portugiesische Polizei stellt die Ermittlungen ohne Ergebnis ein. Für ein Verbrechen gebe es keine Beweise.

Januar 2009: Ein Team ehemaliger Fahnder von Scotland Yard hat sich nach britischen Medienberichten im Auftrag der Eltern auf die Suche nach Madeleine gemacht. Ein Geschäftsmann finanziere die Aktion.

Mai 2009: Die Eltern flehen mögliche Entführer erneut an, ihre Tochter freizulassen. Sie nutzen dazu ein Gespräch mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey, das Millionen Zuschauer sehen.

März 2011: Madeleines Eltern protestieren vergeblich gegen den Verkauf eines Buches, das der portugiesische Ex-Chefermittler über den Fall geschrieben hat. Er vertritt die These, das Kind sei bereits im Hotel der Familie gestorben und nicht entführt worden.

Mai 2011: Die Mutter, Kate McCann, veröffentlicht ein Buch mit ihrer Version der Geschichte. Die Ermittlungsakten würden erneut überprüft, kündigt der damalige britische Premierminister David Cameron an.

April 2012: ALaut britischer Polizei ist Maddie möglicherweise noch am Leben. Es gebe Anhaltspunkte für Ermittlungslücken.

Oktober 2013: Die portugiesischen Behörden nehmen die Ermittlungen wieder auf, da es neue Indizien gebe.

Juni 2014: Eine neue Suche nach Spuren des verschwundenen Mädchens in der Nähe der portugiesischen Ferienanlage bringt keine Hinweise.

April 2017: Die britische Polizei hat die Hoffnung auf eine Lösung des Falls nicht aufgegeben. Vier Beamte seien weiter damit befasst, teilt Scotland Yard mit.

März 2018: Das britische Innenministerium bewilligt weiteres Geld für die Ermittlungen.

3. Juni 2020: Der Fall Maddie ist - wie schon früher - Thema in der ZDF-Sendung «Aktenzeichen XY... ungelöst». Ein Deutscher stehe unter Mordverdacht, teilt das Bundeskriminalamt mit. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittle gegen einen mehrfach vorbestraften 43-Jährigen.

4. Juni 2020: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erklärt, dass sie davon ausgeht, dass Maddie tot ist.

SRF News, 3.6.2020, 22:00 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    2007 verschwunden, 2020 eine neue Spur. Die Eltern haben bis heute die Hoffnung nicht aufgegeben, ihr Kind wiederzufinden. Doch das Mädchen bleibt spurlos verschwunden. Der Fall „Maddie“ bleibt bislang ungelöst.Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ist mit den Ermittlungen befasst, weil der Beschuldigte vor seinem Auslandsaufenthalt seinen letzten Wohnsitz dort in der Region hatte. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser traurige Fall endlich aufklärt, besonders wichtig für die Eltern.
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  • Kommentar von Rolf Waibel  (Rowa)
    Ich hoffe der Fall ist gelöst damit die Eltern Gewissheit bekommen. Unvorstellbare Leidenszeit.. Pädophile ist weiter verbreitet, als viele sich vorstellen können. Helfen Sie, indem Sie sich sensibilisieren, bei einem Verdacht genauer hinsehen und Vorfälle melden, danke! Die Täter bei 'kleineren' Vergehen nur kurze Zeit wegzusperren, 'heilt' diese Leute nicht. Ich vermute/befürchte einige werden dadurch noch gefährlicher. Reformen sind überfällig!
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  • Kommentar von Hans Peter  (HPet)
    Wie mit Sexualstraftäter umgegangen wird ist einfach traurig. Immer wieder lese ich "vorbestrafter Sexualstraftäter", "nicht das erste Mal" etc. Das lässt doch eindeutig darauf hinweisen, dass die Strafen deutlich zu mild sind oder noch schlimmer, dass diese Personen wer weiss wie oft eine solche Straftat begehen weil sie genau wissen, dass sie erst nach mehreren solchen Straftaten, wenn überhaupt, erwischt werden...
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