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Die Emirate und ihr Hang zu Spektakulärem: Interview mit Gérard Al-Fil
Aus SRF 4 News aktuell vom 14.07.2020.
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Erste arabische Marsmission Die Emirate wollen vorne mitmischen

In Wissenschaft und Technik soll die Zukunft der VAE nach dem Erdöl-Zeitalter liegen. Nun versucht man es erstmals mit einer Mission zum Roten Planeten.

Darum geht es: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) starten in den nächsten Tagen ihre erste Marsmission. Die Sonde, die dereinst den Mars umkreisen soll, heisst «Al Amal», was so viel wie Hoffnung bedeutet. Deshalb wird sie oft auch «Hope» genannt. Initiiert und gefördert wurde das Prestigeprojekt von Mohammed bin Raschid, dem Emir von Dubai und Regierungschef der VAE.

Grafische Darstellung der Marssonde «Hope» mit Informationen zur Mission.
Legende: SRF

Wissenschaftlicher Auftrag: Ziel ist die Erforschung der Mars-Atmosphäre über ein ganzes Mars-Jahr mittels eines Satelliten. Die Mars-Atmosphäre besteht zu über 95 Prozent aus Kohlendioxid. Mit «Al Amal» will man herausfinden, wieso Gase wie Sauerstoff und Wasserstoff auf dem Mars so schnell ins All entweichen. Ebenfalls interessiert sind die 450 Forscherinnen und Forscher der Mission – 34 Prozent von ihnen sind Frauen – an den riesigen Staubstürmen auf dem Mars. Erste Auswertungen der Daten sollen im Dezember 2021 vorliegen.

Eine Forscherin in Schutzkleidung arbeitet am Marssatelliten, der mit oranger Folie eingepackt ist.
Legende: An der arabischen Marsmission arbeiten viele Frauen mit: Sie stellen 153 der insgesamt 450 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen des Projekts. UAE Space Mission

Wissen aus den USA: Das Know-how der arabischen Marsmission stammt aus den USA, wie der Journalist und VAE-Kenner Gérard Al-Fil sagt. So hätten die beteiligten arabischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Wissen an Universitäten in Kalifornien, Arizona oder Colorado erworben. Es gehe denn auch nicht darum, die grossen Weltraumnationen wie die USA oder die Europäer mit ihrer ESA zu konkurrenzieren, so Al-Fil. Vielmehr werde die Konkurrenz etwa in Iran – das Land schickte erst kürzlich erneut einen eigenen Satelliten in die Erdumlaufbahn – oder Ländern wie Indien gesehen.

Vorne mitmischen: «Alle aufstrebenden Märkte investieren in die Raumfahrt», sagt der Journalist. Da wollten auch die Emirate nicht zurückstehen. Tatsächlich sind Länder wie Indien oder Brasilien seit Jahren in der Weltraumforschung tätig. Bei den Emiraten gehe es jetzt darum, den Teppich für den Ausstieg aus dem Erdöl-Zeitalter zu legen: «Die Jugend soll auf eine Zukunft vorbereitet werden, die auf Wissenschaft und Forschung basiert», betont Al-Fil. Die VAE setzten dabei auf Tech-Gebiete wie Robotik, KI, Drohnen oder 3D-Druck. Da biete sich die Raumfahrt als Forschungsobjekt geradezu an.

Der Turm.
Legende: Hang zum Gigantismus: Der Burj Khalifa in Dubai, das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt. imago images

Sucht nach Rekorden: Die Golfstaaten versuchen seit Längerem in verschiedensten, prestigeträchtigen Bereichen den Takt vorzugeben: 1998 wurde mit dem Burj Al Arab das erste Siebensterne-Hotel der Welt eingeweiht, 2010 in Dubai mit dem Burj Khalifa das mit 828 Metern höchste Gebäude der Welt. «Es gib eine gewisse Rekordsucht und die Neigung, immer der Erste sein zu wollen», sagt Al-Fil. Jetzt werde man die erste arabische Marsmission lancieren. Ausserdem werde der Countdown beim Start in Japan erstmals in Arabisch gezählt.

Grosser Rückhalt: Die Bevölkerung und die Medien in den VAE zeigen sich euphorisch. Überall in den Emiraten sei der rote Punkt als Anspielung auf den Mars zu sehen, so Al-Fil. «Das Motto lautet: Araber zum Mars.» Nach der Verschiebung der Weltausstellung 2020 in Dubai um ein Jahr wegen der Corona-Pandemie könne man der Welt so zeigen, dass man «noch da» sei. Pikantes Detail: Der Start hätte ursprünglich am 15. Juli (Ortszeit) erfolgen sollen, dem 71. Geburtstag von Emir bin Raschid. Wegen schlechten Wetters wurde er aber bereits zum zweiten Mal verschoben. Ein definitiver Zeitpunkt steht derzeit noch aus.

Video
Aus dem Archiv: Wie auf dem Mars nach Leben gesucht wird
Aus SRF News vom 23.07.2020.
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SRF 4 News aktuell vom 14.7.2020, 06.45 Uhr;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Fortsetzung: Ich bin kein Emirate-Spezialist. Aber ich befürchte, dass das soziale Gefälle dort gross ist, also dass nur einer Minderheit die wirtschaftlichen Errungenschaften zu Gute kommen und der grosse Rest das Nachsehen hat. Wenn meine Vermutung stimmt, so finde ich es doppelt fragwürdig, wenn sie so viel Geld "auf den Mars schiessen".
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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Milliardenschwere, hochkomplizierte Projekte mit möglicherweise sehr mageren Forschungsergebnissen, die direkt uns Irdischen zu Gute kommen werden. Ich denke, wir haben genug Probleme auf der Welt zu lösen, ohne dass die Marsforschung so viele Ressourcen binden soll.Ich sage sofort ja zur Marschforschung, wenn folgende Grundprobleme hier gelöst sind:Viel mehr soziale Gerechtigkeit; keine Waffenarsenale mehr; Menschenrechte durchgesetzt; kinderfreundliches (nicht übertriebenes) Konsumverhalten.
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  • Kommentar von Jean-Pierre Schibich  (spectator)
    Was nützen neue Erkenntnisse über die Atmosphäre auf dem Mars, wenn die politischen Entscheidungsträger und die Wirtschaftsführer seit Jahrzehnten die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler zum Klimawandel hier auf unserem Planeten bezweifeln, sobald sie ihren finanziellen Interessen zuwiderlaufen? Setzt das Geld für die Entwicklung einer umwelt- und menschenverträglichen Wirtschaft ein!
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    1. Antwort von Andreas Müller  (Hugh Everett)
      Es gibt auch noch andere Wissensgebiete als der Klimawandel.
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