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Fehlerhafte Zulassungsstudie für Pestizid
Aus Rendez-vous vom 16.11.2018.
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Fehlerhafte Zulassungsstudie Pestizid könnte Ungeborene gefährden

Chlorpyrifos wird in der Landwirtschaft und Schweizer Gärten eingesetzt. Eine neue Studie warnt vor Gehirnschäden.

Das Insektizid mit dem Wirkstoff Chlorpyrifos steht im Verdacht, bei Ungeborenen die Gehirnentwicklung zu beeinträchtigen. Offenbar wurde bei der Zulassungsstudie unsorgfältig gearbeitet, wie unabhängige Wissenschaftler herausgefunden haben. Kaufen kann man das Pestizid bei der Otto Hauenstein Samen AG, bei Leu und Gygax oder bei der Syngenta AG.

Der Wirkstoff des Herstellers Dow Agros Science lässt sich auch in uns Menschen nachweisen, wie der Chemiker Axel Mie vom schwedischen Karolinska-Institut sagt: «Wir haben es alle im Blut. In Europa wird es beim Anbau von Obst und Gemüse als Insektenmittel verwendet.»

Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft viel Chlorpyrifos im Blut hatten, hatten im Alter von sieben Jahren einen niedrigeren IQ.
Autor: Axel MieKarolinska-Institut

In der Schweiz kommen vier bis sechs Tonnen jährlich auf die Äcker oder auf Zimmerpflanzen. Doch schon lange steht der Wirkstoff unter Verdacht, negative Auswirkungen auch auf den Menschen zu haben. In den USA gibt es unterdessen zwei Dutzend unabhängige Studien zum Thema.

Erschreckende Studienergebnisse

Die Studien mit dem besten Design verglichen die Auswirkungen des Wirkstoffs auf ganz kleine Kinder – von der Geburt bis sieben Jahre. Die Ergebnisse waren erschreckend: «Wir haben festgestellt, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft viel Chlorpyrifos im Blut hatten, im Alter von sieben Jahren einen niedrigeren IQ hatten», sagt Mie.

Das Pestizid scheint sich also auf die Gehirnentwicklung des Menschen auszuwirken. Aber wie gut sind ist Studie wirklich? So gut, dass sie von der US-Umweltbehörde IPA ein Gütesiegel bekam, sagt Mie: «Die Behörde kam zum Schluss, dass die Qualität der Studie so hoch ist, dass man sie berücksichtigen muss.»

Fehlerhafte Zulassungsstudie

Dem schwedische Chemiker Mie und zwei Kollegen ist es gelungen, auf Umwegen auf die Studie zurückzugreifen, mit der Dow Chemicals nachweisen musste, dass der Stoff für den Menschen unbedenklich ist. In den Rohdaten dieser Tierversuchsstudie haben sie deutliche Hinweise darauf gefunden, dass bei allen getesteten Dosen der Aufbau des Gehirns signifikant beeinträchtigt wird.

Aber diese Daten waren offenbar nicht richtig ausgewertet worden. In der Studie zuhanden der Behörden, die für die Zulassung des Mittels massgeblich war, ist nichts davon zu lesen. «Wie es genau dazu gekommen ist, dass das Testlabor diese Funde nicht hervorgehoben hat, wissen wir nicht. Wir waren nicht dabei», sagt Mie. Dow Chemicals wollte sich dazu nicht äussern.

Bundesamt prüft Verbot

Die Bedenken gegenüber dem Wirkstoff sind unterdessen auch bei den europäischen und schweizerischen Behörden angekommen. Die Zulassung des Pestizids werde derzeit überprüft, sagt der Sprecher des Bundesamtes für Landwirtschaft, Jürg Jordi: «Der ganze Prozess dauert über ein Jahr. Erste Resultate sind Anfang 2019 zu erwarten.»

Es sieht danach aus, als würde der Wirkstoff bald verboten – wie viel Schaden er in den letzten zwölf Jahren angerichtet hat, bleibt offen.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Pia Müller  (PiMu)
    F. Nanni: ÄLTER werden, heisst nicht gesund zu bleiben im Alter. Es ist nicht zu verleugnen, dass wir viel mehr langzeit-kranke Leute haben als vor 40 J. Trotz extremer Medizin, Chemie und Forschung !
    1. Antwort von max werner  (maxwer)
      Und viel mehr Leute als vor 40 Jahren sind wir auch.
  • Kommentar von Franz NANNI  (igwena ndlovu)
    Wie kommt es, dass gerade in Laendern wie die CH wo Chemie recht grosszuegig eingesetzt wird die Menschen wesentlich aelter werden als anderswo.... nur so eine Frage....
    1. Antwort von Anita Rusterholz  (Anita Rusterholz)
      Es ist unser Wohlstand. Unsere Lebensweise ist heute besser. Wir treiben Sport, gehen ins Wellness Center, machen Ferien und wir haben mehr Zeit ein soziales Umfeld zu pflegen. Zudem haben wir eine verbesserte Hygiene. Wir sterben nicht mehr an Typhus, Syphilis, Aids u.m. Es gäbe noch einiges mehr aufzuzählen..
  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Bis die Behörden endlich begriffen haben was die vielen Insektizide anrichten, sind wir alle schon mit Überdosen eingedeckt. Die vielen Krebserkrankungen haben wir den Giften zu verdanken, was natürlich von den Chemiehersteller verneint wird. Die Wahrheit kommt schon noch ans Licht.