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Legende: Video Zurückgeben lohnt sich fürs Gewissen abspielen. Laufzeit 03:30 Minuten.
Aus 10vor10 vom 20.06.2019.
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Forscher sind überrascht Je dicker ein gefundenes Portemonnaie, desto ehrlicher der Finder

  • Je mehr Geld sich in einem gefundenen Portemonnaie befindet, desto eher wird es dem Besitzer zurückgegeben.
  • Zu diesem Schluss kommt eine weltweit angelegte Studie unter Beteiligung der Universität Zürich, die damit bisherige Annahmen widerlegt.
  • Besonders ehrliche Finder sind demnach die Schweizer.

Mehrere Hundert Franken in einem gefundenen Portemonnaie: Da ist die Versuchung besonders gross, es einfach einzustecken. Davon gingen bisher sowohl Ökonomen aufgrund klassischer Modelle, als auch Befragte in der Studie aus – sie alle lagen damit falsch.

Wir nehmen fälschlicherweise an, dass unsere Mitmenschen sich egoistisch verhalten. In Realität ist ihnen ihr Selbstbild als ehrliche Person wichtiger als kurzfristiger monetärer Gewinn.
Autor: Alain CohnÖkonom, Universität Michigan

Von 17’000 an Hotellobbys, in Banken, Museen, Post- oder Polizeistellen abgegebenen Portemonnaies fanden besonders jene wieder zurück, die hohe Geldbeträge enthielten. «Menschen wollen sich als ehrliche Personen sehen, nicht als Diebe», sagt Ökonom Michel Maréchal von der Universität Zürich – denn grundsätzlich ist es verboten, Gefundenes zu behalten. Das Behalten eines gefundenen Portemonnaies betrachteten denn viele der im Rahmen der Studie Befragten auch als Diebstahl, umso mehr, wenn das Portemonnaie viel Geld enthält.

Darum geben wir Gefundenes zurück

Die Wahrung des Selbstbildes als ehrliche Person überwiege den finanziellen Anreiz eines prall gefüllten Portemonnaies, so die Forscher. Dieses Bild von uns selbst als ehrlichem Menschen zu korrigieren, ist uns demnach das gefundene Geld nicht wert. Und je höher der einbehaltene Betrag, desto eher geriete dieses Bild ins Wanken. Da geben wir das Portemonnaie dann doch lieber zurück.

Dies gilt offenbar unabhängig von Kultur oder Wohlstand einer Weltregion. Mit nur vereinzelten Ausnahmen erhöht Geld im verlorenen Portemonnaie überall die Chance, dieses zurückzuerhalten.

Allein egoistische Überlegungen zur Wahrung unseres Selbstbildes sind es allerdings nicht, die uns zu ehrlichen Findern machen. So war in der Studie der Rücklauf an Portemonnaies auch dann höher, wenn sie zusätzlich einen Schlüssel enthielten. Dies, obwohl ein Schlüssel einzig dem Besitzer von Nutzen sein kann, für den Finder aber wertlos ist. Zumindest eine untergeordnete Rolle spiele für unsere Ehrlichkeit also auch die Uneigennützigkeit, schlussfolgern die Forscher.

Studie in 40 Ländern

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Die weltweit angelegte Ehrlichkeitsstudie wurde im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der Universität Zürich und dem Gottlieb Duttweiler Institut durchgeführt. Beteiligt waren auch Forschende der US-Universitäten Michigan und Utah. Sie untersuchten in 355 Städten und 40 Ländern, was Menschen veranlasst, ein gefundenes Portemonnaie zu retournieren.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
    Dreimal musste ich erfahren, wie bei meiner offenen Handtasche mein Portemonnaie und einmal mein Ausweismäppchen gestohlen wurde. Hoffentlich habe ich es jetzt endlich begriffen. Ich rate jeder Frau, die Handtasche IMMER zu schliessen, auch wenn sie nur schnell etwas herausnehmen, oder an der Kasse bezahlen muss.
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  • Kommentar von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
    Das braucht nicht zu überraschen, Besitzer zeigen sich in der Regel sehr dankbar, was Finderlohn betrifft, vor allem bei grossen Portemonnaies. Und mir persönlich wärs sogar egal, wenn der Finder all das Geld rausnimmt, und mir den Rest zurückschickt, wäre selbst dann noch dankbar!. All der Rest, Schlüssel, Karten, Adresen und Notizen sind letztendlich viel wertvoller als das bisschen Cash, das man mit sich trägt. Ganz zu schweigen vom Stress, all dies wieder zu besorgen.
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    1. Antwort von marlene Zelger  (Marlene Zelger)
      Es rechtfertigt einen Finder nicht einmal, das bisschen Geld aus der Geldbeutel zu nehmen. Es ist schlicht Diebstahl, egal, was herausgenommen wird.
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  • Kommentar von Daniel Siegenthaler  (Daniel Siegenthaler)
    Leider weist die Studie einen systematischen Fehler auf: Die (vorgeblich) gefundenen Portemonaies wurden an Hotellobbys, in Banken, Museen, Post- oder Polizeistellen abgegebenen, und mussten das Vertrauen des (vorgeblichen) ehrlichen Finders missbrauchen. Dass sich der ehrliche Finder und der Besitzer des Portemonais nicht doch über den Weg laufen, ist nie ganz auszuschliessen. Bei Hotels kommen zudem kommerzielle Überlegungen bei guten Kunden hinzu, bei Polizisten ein möglicher Jobverlust, etc.
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    1. Antwort von Daniel Siegenthaler  (Daniel Siegenthaler)
      Weshalb die mehrheitlich ablehnenden Stimmen? Der Finderlohn kann nie ein Grund sein. Behält man es, wären es 100%. Die Studie macht die Menschen ehrlicher als sie sind. Wenn der Finder ein Portemonnaie auf dem Polizeiposten abgibt und der Polizist es für sich behält, hallo? Genauso bei der Hotellobby oder im Museum. Diese Leute missbrauchen das Vertrauen gleich doppelt. In der Realität ist die Rücklaufquote noch viel geringer, da auch der eigentliche Finder das Portemonnaie einbehalten kann.
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