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Panorama Friedensnobelpreis geht nach Tunesien

Der Friedensnobelpreis 2015 geht an das «Quartett für den nationalen Dialog in Tunesien». Es wird für seine Bemühungen um Demokratie geehrt.

Legende: Video Friedensnobelpreis 2015 abspielen. Laufzeit 03:16 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 09.10.2015.

Der Preis werde für die Bemühungen um eine pluralistische Demokratie in dem nordafrikanischen Land im Zuge des Arabischen Frühlings vergeben, hiess es in der Begründung für die prestigeträchtige Auszeichnung.

Das Quartett besteht aus dem tunesischen Gewerkschaftsverband (UGTT), dem Arbeitgeberverband (UTICA), der Menschenrechtsliga (LTDH) und der Anwaltskammer. Das Nobel-Komitee äusserte seine Hoffnung, dass der Nobelpreis Tunesiens Weg zur Demokratie sichern werde.

Gratulationen von der Uno

Demokratisierung trotz grosser Widerstände

Mit der Jasminrevolution in Tunesien 2010/2011 begann der sogenannte Arabische Frühling. Die Bewegung führte zum Sturz mehrerer arabischer Regime, konnte aber die grossen Hoffnungen auf Freiheit nicht erfüllen. Als einziges arabisches Land brachte Tunesien seine Demokratisierung voran.

Dazu trug die Bereitschaft der Islamistenpartei Ennahda bei, nach einem ersten Wahlsieg die Macht wieder abzugeben, als sie nach der Ermordung zweier Oppositioneller mutmasslich durch Islamisten unter massivem Druck geriet. Das stark von Europa beeinflusste kleine Urlaubsland am Mittelmeer geriet damit aber ins Visier militanter Islamisten.

Unter Druck zusammengeschlossen

Unter diesem Druck hat sich das Quartett zusammengeschlossen und es geschafft, Regierung und Opposition an den Verhandlungstisch zu bringen, einen Kompromiss auszuarbeiten, was schliesslich zu einer neuen Verfassung und regulären demokratischen Wahlen führte.

Anfang 2014 trat die neue Verfassung in Kraft. Zum Jahresende wurde der säkulare Kandidat Béji Caïd Essebsi zum Präsidenten gewählt. Der parteilose Ökonom Habib Essid ist seit Februar Regierungschef. Die massiven wirtschaftlichen und sozialen Probleme wurden aber nicht gelöst.

Das Land wird auch immer wieder von Anschlägen erschüttert. So tötete ein Islamist im Juni in einer Hotelanlage des Badeorts Sousse 38 Urlauber, bevor er selbst erschossen wurde.

«Preis ist eine wichtige Ermutigung»

Obwohl Tunesien heute also kein stabiles Land ist, soller er aber auch «Ansporn für alle sein, die Frieden und Demokratie im Nahen Osten, Nordafrika und im Rest der Welt voranbringen wollen», so die Begründung des Nobelpreis-Komitees.

Und Daniel Voll, SRF-Auslandredaktor bestätigt, dass der Preis eine «wichtige Ermutigung für alle demokratischen Kräfte im Land sind». Diese Kräfte demonstrierten heute wieder, etwa gegen scharfe Sicherheitsgesetze, die das Parlament nach dem Anschlag erlassen habe.

Preis ging letztes Jahr an Kinderrechtsaktivistin

Verliehen wird der mit acht Millionen schwedischen Kronen (rund 940'000 Franken) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel, in Oslo.

Im vergangenen Jahr hatten sich die Kinderrechtsaktivisten Malala Yousafzai aus Pakistan und Kailash Satyarthi aus Indien den Nobelpreis geteilt.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Es ist leider zur Mode geworden alles in Dreck zu ziehen, wie auch der Nobelpreis und seine Träger. Freilich kann man über gewisse Preisträger Diskutieren, dennoch finde ich die Infamen Anschuldigungen und Beleidigungen gegenüber dem Wahlgremium unerträglich. Die kritisierten Preisverleihungen, wie z.B. Obama & EU sehe ich, eher als Motivation und Ansporn die Positiven Ansätze erfolgreich zu beenden. Das da nicht immer alles so kommt wie man möchte, kann man dem Wahlgremium nicht vorwerfen!
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    1. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      Also für mich sind Preisverleihungen welcher Art auch immer dazu da, jemanden für Geleistetes auszuzeichnen und für irgendetwas das eventuell in der Zukunft noch geleistet werden könnte.
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    2. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      fehlt leider etwas: sollte heissen und NICHT für irgendetwas.......
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Die Friedensnobelpreisverleihung ist ja mittlerweile zu einer richtigen Farce verkommen (Obama, EU).
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  • Kommentar von Zsolt Gottwald (Der Denker)
    Der groesste Waffenlieferant Europas ist D! Und das ist wieder ein Beweis dafuer, dass die Frau nichts zu sagen hat, sie fuehrt die Befehle aus! Da muss jetzt jeden klar sein, dass diese Fluechlingskriese organisiert war! Jetzt wird sie von den Befehlshabern Belohnt! Die EU und Obama sind schon als Weltfriedensretter ausgezeichnet worden! Sie waere die dritte.Sie sind dann die neue Troika! Witzig waere das nicht. Im gegenteil es waere ein Schlag ins Gesicht! Ins Gesicht der Menschen weltweit!
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Bevor Sie das nächste Mal zu einen voreiligen Rundumschlag ausholen, bitte einen Deutschkurs besuchen. Groß- und Kleinschreibung, nicht "Kriese" sondern "Krise" etc. Als Fehlentscheidungen der letzten Jahre für den Friedensnobelpreis würde ich neben Obama auch Henry Kissinger, Jassir Arafat, Al Gore und Wangari Maathai bezeichnen. Nebenbei: Der "Arabische Frühling" war ein schlimmer Rohrkrepierer. Auch in Tunesien, wie die permanenten terroristischen Anschlage mit unzähligen Toten zeigen.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Die kleine Schweiz ist ebenfalls unter den TOP 10 der weltweit größten Waffenexporteure. Bei den Exports Per Capita liegt sie wesentlich höher als Deutschland, wobei die deutschen Rüstungsexporte nur äußerst geringfügig an Drittstaaten außerhalb der NATO gehen. Das sollte man beim Anschwärzen fairerweise dazusagen!
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    3. Antwort von R. Glättli (R. Maier-G.)
      Natürlich profitiert die Waffen-Industrie, gerade auch in Griechenland! In den deutschen Medien wird ja bereits der Wirtschaftliche Aufschwung durch die Asylanten "bejubelt"! Zählen auf, wie viele Kühlschranke, Backöfen, Kochherde zusätzlich verkauft wurden! Aber nicht wo das Geld herkommt! Merkt das Volk nicht, dass es verarscht wird!!?? Denen wird das Flüchtlingsdrama als "Perpetuum Mobile" vorgegaukelt!
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    4. Antwort von Udo Gerschler (UG)
      Es kommt nicht darauf an wer der größte Waffenliferanr ist sondern wie der Käufer diese einsetzt.Frau Merkel ist zwischen den Fronten und die Flüchtlinge sind als Migrationswaffe von Erdogan eingesetzt um noch einige No go Area einzurichten.
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    5. Antwort von Zsolt Gottwald (Der Denker)
      @Chauvet! Sie haben noch nie einen Fehler gemacht! Schoen fuer Sie! Es geht hier auch gar nicht darum! Leider findet man die Waffen aus D sehr wohl in Mexiko (wohlgemerkt bei allen Parteien!!), aber auch in afrikanischen Laendern! Soviel ich weiss, die sind keine NATO Laender! Da sollten Sie nachforschen , bevor Sie solche Maerchen schreiben! Fairerweise muss ich das auch erwaehnen...Ah ja, wegen der Rechtsschreibung moechte ich mich entschuldigen.... ,
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