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Immobilienfirma betreibt ahnungslose Frau
Aus Kassensturz vom 26.04.2022.
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Gefälschte Unterschrift Immobilienfirma betreibt ahnungslose Frau

Sie soll Geld für eine Wohnung zahlen, die sie nie gemietet habe.

Im November 2019 liegt im Briefkasten von Daniela H. eine Pfändungsankündigung. Darin fordert die Firma Privera – eine grosse Schweizer Immobilienverwaltung – 8407 Franken für ausstehende Mieten in Genf. Daniela H. denkt an einen Irrtum. Weder kennt sie die Firma Privera, noch hat sie einen Bezug zu Genf.

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Daniela H.: «Ich begleiche meine Rechnungen immer pünktlich. Und dann passiert so etwas.»
Aus Kassensturz vom 26.04.2022.
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Also kontaktiert sie Privera. Dort erfährt sie, dass die Forderung für eine Mietwohnung in Meyrin besteht. Über das Betreibungsamt findet sie heraus, dass diverse Mahnungen und ein Zahlungsbefehl vorab an die Adresse in Meyrin geschickt wurden. Davon weiss Daniela H. nichts. Sie findet aber heraus, dass Verwandte ihres Ex-Mannes an besagter Adresse eine Wohnung gemietet und ab 2019 keine Miete mehr bezahlt haben. Daniela H. verlangt eine Kopie des Mietvertrags und fällt aus allen Wolken. Da stand zwar ihr Name, aber: «Ich habe diesen Vertrag nie unterschrieben, die Unterschrift wurde gefälscht.» Privera schreibt «Kassensturz», der Mietvertrag sei 2005 an die Adresse von Daniela H. und die ihres Ex-Mannes zugestellt worden. Daniela H. sagt, sie habe zum Zeitpunkt der Zustellung nicht mehr an der Adresse gewohnt und nichts von diesem Mietvertrag gewusst.

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Fabiana Theus Simoni, Dozentin für Schuld- und Betreibungrecht: «Ein Eintrag im Betreibungsregister sorgt für viele Probleme.»
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Privera geht bis vor Gericht

Sie versucht sofort zu belegen, dass sie nicht die Mieterin ist. Die Zeit drängt, denn kurz vor einer Pfändung kann sie keinen Rechtsvorschlag mehreinlegen, um das Verfahren zu stoppen. Daniela H. schickt die Wohnsitzbestätigung der Stadt Bern und eine Kopie ihrer ID – wie gefordert – an den damaligen Privera-Geschäftsführer. Sie weist ihn darauf hin, dass ihre Unterschrift, und wahrscheinlich auch die ihres Ex-Mannes, gefälscht wurden.

Der Besuch des Pfändungsbeamten war für mich sehr schlimm und erniedrigend.
Autor: Daniela H.

Ohne Erfolg. Das Inkassoverfahren läuft weiter, und der Pfändungsbeamte steht vor der Tür. «Das war sehr schlimm und erniedrigend», erinnert sich Daniela H. Auch der Eintrag im Betreibungsregister schränkt ein, die Angelegenheit droht ihr über den Kopf zu wachsen. Sie sucht Hilfe bei Anwalt Markus Kobel. Er kritisiert: «Privera lässt sich durch nichts vom Holzweg abbringen, trotz aller eingereichten Dokumente.» Im Gegenteil: Nach dem Betreibungsverfahren reicht Privera eine Klage vor Gericht ein und fordert jetzt total 18'242 Franken sowie die Mietkaution von 6750 Franken.

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Kein Ende in Sicht

Markus Kobel versucht, den Fall mit Privera zu klären. Diese antwortet Frau H. aber: «Uns liegen keine Belege vor, welche aufzeigen, dass die Unterschrift auf dem Mietvertrag eindeutig und zweifelsfrei nicht von Ihnen ist.» Daher sehe man aktuell keine Rechtsgrundlage, um auf weitere Schritte verzichten zu können. Die Betreibung sei gegen die Personen, auf welche der Mietvertrag ausgestellt wurde, eingeleitet worden. Das sei juristische korrekt.

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Markus Kobel, Anwalt: «Der Rechtsweg wurde gegen die falsche Person eingeleitet.»
Aus Kassensturz vom 26.04.2022.
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Diese Argumente findet Markus Kobel nicht stichhaltig, er kritisiert, dass Privera die falsche Person einklagt. Auf Anfrage von «Kassensturz» schreibt Privera: «Wir haben sämtliche uns vorliegenden und bekannten Dokumente berücksichtigt. Bis heute gibt es kein Dokument, welches eine mögliche Fälschung der Unterschrift juristisch bestätigt.»

Daniela H. hofft jetzt auf ein graphologisches Gutachten, mittlerweile hat sie Strafanzeige wegen Urkundenfälschung eingereicht. Für sie ist das Ganze sehr belastend: «Es fühlt sich an, als ob man einen schweren Stein im Rucksack trägt. Und es ist kein Ziel, kein Ende in Sicht.»

Kassensturz, 26.04.22, 21:05 Uhr

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5 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Tag liebe Community. Wir schliessen die Kommentarspalte an dieser Stelle und danken Ihnen für Ihre Kommentare. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Thomas Hanhart  (Thomas63)
    Es müsste ja bei der Wohnungsübergabe auch ein entsprechendes Übergabeformular missbräuchlich unterzeichnet worden sein. Wer hat die Wohnung vor Ort übernommen? Warum sind erste Mahnungen für den Mietzins nicht an die angebliche Mieterin verschickt worden? Warum hat man sie nie telefonisch kontaktiert?
    Da ist vieles faul und und aus meiner Sicht klar auf Seiten von Privera, wo man offenbar in Sachen Sorgfaltspflicht erhebliche Defizite hat.
  • Kommentar von Ramon Lopez  (Lopi)
    Privera eine Firma der es schwer fällt zu hören und reagieren. Den Fall den ich unterstützte um die Rückerstattung der Mietkaution zu gewährleisten könnte nur dank dem Mietgesetzt gelöst werden, heisst nach 12 Monaten. Keine Reaktion auf eingeschriebene Briefe und trotz persönlichem Vorsprechen keine Reaktion! Kein Ruhmesblatt für die Firma!