Hype um alte Autos Geschäft mit Oldtimern blüht

Alte Autos sind ein knappes Gut. Für bestimmte Marken sind die Preise in den letzten Jahren in die Höhe geschossen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Oldtimer-Hype ist bei vielen Modellen in vollem Gange: Für einen Porsche 356 aus den 50er Jahren wollen Verkäufer bis zu 650'000 Franken.
  • Die hohen Preise haben auch dazu geführt, dass Autofirmen alte Modelle mit Bauteilen aus dem Lager in kleinen Serien nachbauen.
  • Chinesische Händler kaufen in Europa im grossen Stil alte Autos zusammen, ganze Turnhallen voll.

Vor fast vierzig Jahren habe er seinen ersten Oldtimer gekauft, erzählt Ruedi Müller. Nun hat er eine ganze Sammlung. «Also die Ältesten: Da habe ich einen Ford A von 1929 und einen Rolls Royce Phantom II von 1929.»

«Mit Oldtimer geniesse ich jeden Meter»

20 Fahrzeuge stehen in seinen Garagen, weitere Anschaffungen sind geplant. Ein Oldtimer ist eben etwas ganz Besonderes: «Mit einem modernen Auto bewege ich mich einfach von A nach B. Und mit einem Oldtimer geniesse ich jeden Kilometer, jeden Meter sogar.»

Für Ruedi Müller haben Oldtimer einen emotionalen Wert. Andere hingen betrachten die alten Autos bloss als Investition. In Zeiten mit historisch tiefen Zinsen setzen sie auf das knappe Gut Oldtimer. Das hat in den letzten Jahren die Preise für bestimmte Marken in die Höhe getrieben: Für einen Porsche 356 aus den 50er Jahren wollen Verkäufer bis zu 650'000 Franken.

Schattenseiten des Oldtimer-Hypes

Das hat auch seine Schattenseiten: «Der Porsche 356 ist ein Beispiel. Da sind die Preise so gestiegen, dass einige Clubmitglieder nicht an Anlässen teilnehmen. Oder, wenn sie dann kommen, dann müssen die Parkplätze streng bewacht werden.»

Die hohen Preise haben auch dazu geführt, dass Autofirmen alte Modelle mit Bauteilen aus dem Lager in kleinen Serien nachbauen. «Die heissen dann Continuation Rebourn. Das sind Fahrzeuge, die auf dem Markt, wenn sie echt sind, hohe Preise erzielen. Und dann werden die neu aufgelegt.»

Für einige Rolls Royce fallen Preise sogar

Noch weiter gehe die argentinische Firma Pur Sang, sagt Ruedi Müller. «Die bauen Bugatis aber auch andere Modelle. Und der Laie sieht keinen Unterschied zu einem echten.»

Doch nicht alle alten Autos werden einfach immer wertvoller. Es gibt auch Marken, die an Wert verlieren, Rolls Royce zum Beispiel. «Beim Publikum sind die hoch angesehen. In der Szene sind sie nicht so aktuell. Die Preise bewegen sich, einige Modelle ausgenommen, seitwärts oder fallen sogar leicht.» Es sei wie bei Aktien, sagt Ruedi Müller. Es gebe keine Garantie für einen Gewinn.

Chinesen kaufen in grossem Stil

In den letzten Monaten hat sich der Markt konsolidiert, doch wie es weiter geht ist offen. Denn chinesische Händler kaufen in Europa im grossen Stil alte Autos zusammen, ganze Turnhallen voll, sagt ein Insider.

Die Oldtimer bleiben in Europa, weil ein Gesetz in China die Einfuhr von historischen Autos verbietet. Das könnte sich jedoch ändern – und das hätte weitreichenden Konsequenzen. Öffnet China den Markt für historische Fahrzeuge, so könnten die Preise weiter ansteigen. Darauf spekulieren die chinesischen Käufer.