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Legende: Audio Notfallpläne für Hitzewellen in Indien abspielen. Laufzeit 04:50 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 17.06.2019.
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Hitze und Dürre in Indien «Menschen und Affen kämpfen ums Wasser»

In Indien steigen die Temperaturen derzeit auf bis zu 50 Grad. Eine Hitzewelle in diesem Ausmass ist auch für den Subkontinent ungewöhnlich. Es ist so heiss, dass in manchen Städten der Teer wegschmilzt. Auch Menschen und Tiere leiden, wie die in Delhi lebende Journalistin Britta Petersen weiss.

Britta Petersen

Britta Petersen

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Die politische Analystin und Journalistin Britta Petersen ist in Indien für die unabhängige Denkfabrik «Observer Research Foundation» tätig. Sie berichtet regemässig für SRF aus Indien.

SRF News: Hitze ist in Indien nichts Aussergewöhnliches – was ist jetzt anders?

Britta Petersen: Ungewöhnlich ist vor allem, dass die Hitzewelle hier in Nordindien nun schon seit fast einem Monat anhält. Das heisst, die Temperatur steigt jeden Tag auf über 43 Grad Celsius.

Man denkt an die armen Menschen, die keine Klimaanlage haben oder möglicherweise sogar auf der Strasse leben.

Wie spüren Sie die Hitze im Alltag?

Jeder Körper reagiert unterschiedlich – für mich wird es ab 43 Grad so richtig unangenehm: Man mag sich draussen kaum noch bewegen, hat wesentlich weniger Energie, starken Durst und muss viel trinken. Wenn die Klimaanlage aus irgendwelchen Gründen ausfällt, wird es so richtig ungemütlich. Dann denkt man an die armen Menschen, die keine Klimaanlage haben oder möglicherweise sogar auf der Strasse leben.

Eine lange Reihe von Pèlastikkanistern, Frauen warten daneben.
Legende: Hunderte Dörfer Indiens sind inzwischen von Wasserlieferungen abhängig: Anstehen fürs Wasserfassen. Imago

Tatsächlich können sich die meisten Inder keine Klimaanlage leisten. Was bedeutet die Hitze für sie?

Wer draussen arbeiten oder leben muss, leidet besonders unter der Hitze. Während die Behörden im Winter Unterkünfte anbieten, damit Obdachlose nicht auf der Strasse erfrieren, gibt es bei Hitze keine solchen behördlichen Bemühungen. Angesichts der zunehmenden Todesfälle wegen der Hitze ist die Regierung allerdings daran, sich Massnahmen zu überlegen.

Ähnliche Hitzewellen gab es bereits 2005 und 2013. Damals starben mehrere Tausend Menschen.

Die Behörden haben bislang also nicht auf die Hitzewelle reagiert?

Zur Linderung des Hitzestresses erlauben die Behörden den Zutritt in zahlreiche Pärke, die sonst geschlossen sind. Auch hat die Regierung Firmen, die im öffentlichen Auftrag arbeiten, darum gebeten, die Arbeiten während der besonders heissen Mittagsstunden ruhen zu lassen. Zudem mussten die Kinder zum Teil nicht in die Schule gehen. Offenbar zeigen allein diese Massnahmen schon Wirkung: Ähnliche Hitzewellen gab es 2005 und 2013. Damals starben mehrere Tausend Menschen. In der aktuellen Hitzewelle ist von 36 Toten die Rede. Für künftige Hitzewellen will die Regierung ausserdem eine Art Notfallplan definieren.

Ein Affe versucht an einem Brunnen zu trinken.
Legende: Auch die Tiere leiden unter dem Durst und suchen nach Wasser. Keystone

Neben der Hitze grassiert auch eine schwere Dürre in Indien. Welche Auswirkungen hat sie?

Am stärksten betroffen ist die Landwirtschaft. Inzwischen ist es ein wiederkehrendes Phänomen, dass es in bestimmten Regionen Indiens akute Dürren gibt. Durch die extensive Landwirtschaft haben sich die Grundwasserspiegel stark abgesenkt – ein sehr ernstes Phänomen. Auch viele Flüsse sind ausgetrocknet, vor allem, weil es in der letzten Monsunzeit zu wenig geregnet hat. Manche Bauern, die sowieso schon überschuldet sind, sehen in dieser Situation keinen Ausweg und bringen sich um. Das ist sehr dramatisch.

In manchen Gegenden tauchen auf der Suche nach Wasser plötzlich Tiger in Dörfern auf.

Nicht nur die Menschen müssen trinken, sondern auch die Tiere. Wie verhält es sich damit?

Man hört, dass Tiger in manchen Gegenden auf der Suche nach Wasser plötzlich in Dörfern auftauchen, Affen reissen die Abdeckungen von Wassertanks auf Häusern herunter, es kommt zu Kämpfen zwischen Menschen und Affen ums Wasser. Zwar sind das Einzelfälle – sie zeigen aber, wie dramatisch die Situation ist.

Normalerweise ist im Juni Monsunzeit in Indien. Wann kommt der grosse Regen in diesem Jahr?

In Südindien hat der Monsun in einigen Regionen schon begonnen, in Nordindien beginnt er jeweils später, meist erst im Juli.

Das Gespräch führte Nicoletta Cimmino.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Kaum ein Problem auf Erden, dessen Grund nicht im Menschen resp in seiner Übervertretung u.seinen Bedürfnissen zu suchen ist. Nun einfach dem Begriff Klimaerwärmung Schuld zu geben ist zu einfach, denn die Kliimaerwärmung ist weitgehend selbstverschuldet. Kein Lebewesen auf Erden vermehrt sich derart krankhaft wie der Mensch, übernutzt, versaut, vergiftet u.zerstört seine eigene Lebensgrundlage, das gesamte ausgeklügelte Ökosystem, Böden, Grundwasser, Regenwälder, Luft, Pflanzen, Meere, Seen uam
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Eine "rechte Grüne" ist ein Widerspruch in sich. Rechte Kreise spielen die Umweltbelastung des Menschen herunter und die Belange der Wirtschaft haben erste Priorität.
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    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Falsch, A.Planta! Wie oft denn noch: mein Hauptanliegen ist - im Gegensatz zu den Grünen - rechts, dh Bevölkerungsstopp oder -reduktion, wo auch immer. Stimmte gegen PFZ, für MEI, Ecopop und Ausschaffungsinitiative. Daneben engagiere ich mich seit meinem 10.Lebensjahr, also seit 63J in meiner gesamten Freizeit fast täglich aktiv und finanziell für die Artenvielfalt, auch heute noch mit 73. Alles klar?
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    3. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Eine restriktive Ausländerpolitik hat nichts mit grüner Politik zu tun. Wenn die unerwünschten Menschen nicht in die Schweiz kommen belasten diese an einem andern Ort die Umwelt. Was sie propagieren ist Gärtlidenken in Reinkultur.
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  • Kommentar von Andreas Renggli  (Andreas Renggli)
    Bei der Landwirtschaft ist wohl die intensive und nicht die extensive gemeint.
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  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Hoffen wir, dass der Monsun bald eintrifft, damit die leidende Bevölkerung erlöst wird. Es ist bekannt, dass in Jahren, wo das Wetterphänomen "El Nino" besonders ausgeprägt auftritt, die Niederschlagsmenge des Monsuns in Indien deutlich niedriger ist als normal. So geschah es im letzten Jahr. Auch führt das ungebremste Bevölkerungswachstum dazu, dass der Grundwasserspiegel absinkt. In Familienplanung zu investieren wäre sicher nicht falsch.
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