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Zum ersten Mal finden Prüfungen zu Hause über das Internet statt
Aus Espresso vom 12.06.2020.
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Hochschulen und Coronavirus Online-Prüfungen: Wie verhindert man spicken?

Viele Studierende schreiben in diesen Tagen zu Hause ihre Prüfungen – online. Doch mogeln ist schwieriger als man denkt.

Viele Universitäten und Fachhochschulen führen in diesen Tagen zum ersten Mal Online-Prüfungen durch. Statt im Vorlesungssaal sitzen die Studierenden also zu Hause vor dem Computer und schreiben dort eine Prüfung.

Ich glaube an die Eigenverantwortung und Ehrlichkeit der Studierenden.
Autor: Petra BarthelmessMitglied Leitung Lehre ZHAW

Vertrauen ist gut, aber ...

Zu Hause eine Prüfung ablegen – wird da nicht gemogelt und gespickt? «Ich glaube an die Eigenverantwortung und Ehrlichkeit der Studierenden», sagt Petra Barthelmess, Mitglied der Leitung Lehre an der Zürcher Hochschule ZHAW. «Die Studierenden haben sich seriös vorbereitet, schliesslich studieren sie für sich», findet auch Etna Krakenberger, zuständig für E-Learning an der Uni Bern.

Dennoch ist man an den Hochschulen nicht naiv: «Wir haben versucht, uns vorzustellen, wie man die Regeln umgehen könnte», so Petra Barthelmess.

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Hilfsmittel erlaubt

In vielen schriftlichen Prüfungen dürfen die Studierenden Unterlagen benutzen, auch das Internet. Die Aufgaben sind jedoch so gestellt, dass sich die Antwort nicht einfach nachschlagen lässt. Statt auswendig gelernte Zahlen und Begriffe wiederzugeben, müssen etwa angehende Managerinnen an der ZHAW ein Geschäftsszenario analysieren.

Um das Abschreiben möglichst zu verhindern, setzt die Uni Bern bei schriftlichen Prüfungen Plagiatssoftware ein, ein spezielles Programm, das prüft, ob jemand Textpassagen kopiert hat.

Videoüberwachung

Ein grosses Problem bleibt: Die Studierenden könnten sich über Chat-Apps austauschen und sich so gegenseitig helfen. Gewisse Hochschulen setzen deshalb auf Videoüberwachung. Während der Prüfung muss ständig eine Laptop- oder Smartphone-Kamera mit dem Internet verbunden sein. Eine Aufsichtsperson kontrolliert, ob sich etwa eine zweite Person im Raum befindet oder ob jemand am Chatten ist.

Ein Student, der mehrere solche überwachten Prüfungen hinter sich hat, ist überzeugt, dass man trotzdem mogeln kann, denn die Kamera sehe nie alles.

Zufall und Zeitbeschränkung

Viele Hochschulen setzen auf einfachere Massnahmen. Sie stellen die Prüfung aus einer grossen Sammlung von Fragen zusammen, sodass kaum zwei Studierende die gleichen Aufgaben bekommen. Und bleibt einem für jede Frage nur zwei, drei Minuten, so bleibt auch keine Zeit zum Chatten. Noch schwieriger wird es, wenn man gezwungen ist, sequentiell die Fragen zu beantworten und nicht zwischen den Aufgaben hin- und herspringen kann. Studierende geraten so aber unter starken Druck.

Wir begrüssen das Online-Lernen wie etwa Vorlesungen als Video-Podcasts – Prüfungen aber bitte mit Präsenz.
Autor: Isaias MoserCo-Präsident Studierendenverband Universität Zürich

Viele Studierende wünschen sich deswegen die Prüfungen vor Ort zurück. Isaias Moser ist Co-Präsident des Studierendenverbands der Universität Zürich und bestätigt: «Wir begrüssen das Online-Lernen wie etwa Vorlesungen als Video-Podcasts – Prüfungen aber bitte mit Präsenz.»

Vor Ort – gleiche Bedingungen für alle

Denn Online-Prüfungen führen letztlich zu sehr unterschiedlichen Prüfungsbedingungen: Die einen haben eine Baustelle vor dem Haus, andere eine schlechte Internetverbindung oder schlicht technische Probleme. Kommt hinzu: Bei Online-Prüfungen ist nie ganz klar, was der Rest der Kommilitoninnen treibt und vielleicht doch heimlich spickt. Sitzen alle im selben Raum, ist eindeutig, wie alle die Prüfung schreiben.

Trotzdem ist allen angefragten Verbänden klar: Dieses Semester war aussergewöhnlich. Viele Hochschulen haben deswegen auch das Prüfungsreglement angepasst. Nicht bestandene Prüfungen zählen etwa nicht, oder es werden Vorträge oder Projekte statt Prüfungen erwartet.

Espresso. 12.06.20, 08:13 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Stutz  (ElMathador)
    Ich arbeite seit 25 Jahren als Lehrer für Mathe an HF (und FH) und wenn Barthelmess sagt "Ich glaube an die Eigenverantwortung und Ehrlichkeit der Studierenden", dann ist das einfach nur naiv. Als Lehrer muss ich den Studis Mathe beibringen UND überprüfen, was hängen geblieben ist. Wenn ich den Studis Gelegenheit gebe zu bescheissen, gibt es IMMER solche die das ausnutzen! Die Ehrlichen/Fleissigen sind dann diejenigen, die sich zu Recht beschissen fühlen und das darf nicht sein. Never ever!
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  • Kommentar von Val 98  (Signorelli)
    An der Uni Bern zieht man konsequent die Open Book Situation durch. Man darf zwar alle Unterlagen brauchen, die Zeit ist jedoch ziemlich knapp bemessen. Hinzu kommt, dass der Stesspegel bei solchen Prüfungen höher ist als bei den Präsenzprüfungen.
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    1. Antwort von Laura Brunner  (bougiebear)
      Das stimmt so nicht ganz, ausgenommen sind die angehenden Mediziner, die müssen in der Messe Bern mit Mundschutz und Handschuhen die Prüfungen ablegen und bei den Psychologen gibt es auch keine open book Variante.
  • Kommentar von Jens Stadel  (jena)
    Mein Kollege hat mir eben erzählt wie sie versch. Uni Prüfungen in Gruppen geschrieben haben. Sie haben sich einfache Tricks überlegt: untersch. Hintergründe, geteilte Schreibblätter, Projektor...das lustige, alles Lehrer in Weiterbildung :D jaja ich glaube auch an die Ehrlichkeit
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    1. Antwort von Alberto Salazar  (Dorotheus)
      PH ist keine Uni.
    2. Antwort von Jens Stadel  (jena)
      Danke für diese Info! Man kann an der Universität ZH Vorlesungen im Rahmen einer Zusatzausbildung besuchen. Die PH haben sie alle schon abgeschlossen und arbeiten als Lehrer.