Zum Inhalt springen
Inhalt

Höhlendrama in Thailand Wettervorhersage setzt Retter unter Zeitdruck

Legende: Video Bangen um Eingeschlossene in thailändischer Höhle abspielen. Laufzeit 01:47 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.07.2018.
  • Für das Wochenende sind starke Regenfälle angesagt. Die Niederschläge könnten die Situation der seit zwei Wochen in der Höhle festsitzenden Jugendlichen dramatisch verschlechtern.
  • Die Einatzkräfte wären gezwungen, die Rettungsaktion aus der Höhle vorzuziehen, trotz mangelnder Tauchvorbereitung der zwölf Jungen im Alter von 11 bis 16 Jahren.
  • Inzwischen haben die Rettungskräfte über hundert Rettungsschächte in die Tiefe gebohrt, ohne die Eingeschlossenen bisher zu erreichen.
  • Am Freitag war bei den Vorbereitungen der Rettungsaktion ein 37-jähriger thailändischer Taucher ums Leben gekommen.

Die Rettung der seit zwei Wochen in einer thailändischen Höhle festsitzenden Jugendlichen ist in eine kritische Phase eingetreten. Die vergangenen Tage war es rund um die Höhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non in der nördlichen Provinz Chiang Rai trocken geblieben.

Doch das kann sich jederzeit ändern - denn es ist Regenzeit in Thailand. Und es sind Niederschläge angesagt. «Falls es starke Regenfälle geben sollte und die Lage schlecht aussieht, werden wir versuchen, sie früher rauszuholen», sagte Provinzgouverneur Narongsak Osotthanakorn.

Als Chef der Rettungsmission würde er den Beginn des Bergungseinsatzes lieber noch etwas verzögern. Noch seien die Jungen im Alter von 11 bis 16 Jahren und ihr 25-jähriger Betreuer nicht ausreichend geübt im Tauchen, um den strapaziösen Weg aus der dunklen, kilometerlangen Höhle ins Freie zu wagen, für den selbst Elite-Einheiten der Marine fünf bis sechs Stunden brauchen.

An manchen Stellen wird es sehr eng.
Autor: Ivan KaradzicDänischer Rettungstaucher

Denn der verwinkelte Höhlentrakt hat viele Windungen und Engpässe, die auch Tauchprofis vor Probleme stellen. Und die Wassermassen haben - ähnlich wie in einem Siphon - manche Senken zulaufen lassen, welche die Gruppe vor zwei Wochen auf ihrem Weg in die hinteren Kammern der Höhle noch zu Fuss durchqueren konnte. Um wieder nach draussen zu gelangen, müssten sie diese Senken nun im Tauchgang passieren.

Ein Rettungstaucher aus Schweden.
Legende: Die Rettungsaktion ist auch für Tauchexperten wie Ivan Karadzic nicht ohne, geschweige denn für ungeübte Jugendliche. Reuters

«An manchen Stellen wird es sehr eng», sagt der dänische Rettungstaucher Ivan Karadzic, einer von vielen ausländischen Helfern und Bergungsspezialisten, die sich vor der Höhle bereit halten. «Man muss entweder den (Atemluft-)Tank abnehmen und ihn zuerst durchquetschen, oder man braucht Spezialausrüstung.»

Prekäre hygienische Zustände in der Höhle

Hinzu kommt, dass der Sauerstoffgehalt in der von den Jugendlichen aufgesuchten Kammer stetig abnimmt. Und je mehr Wasser in die Höhle strömt, desto schlechter wird wegen aufgewirbelter Ablagerungen die Sicht für die Taucher, die die eingeschlossene Gruppe derzeit mit dem Nötigsten versorgen. Ein Taucher kam bereits im Einsatz ums Leben.

Die Lage wird also immer brenzliger. Zumal auch die hygienischen Umstände in der Höhle erbärmlich sind: Jeder aus der Gruppe muss sich auf engstem Raum erleichtern, Bakterien, Viren und Pilze können sich leicht ausbreiten. Laut der Zeitung «The Nation» zeigen zwei der Jugendlichen und ihr Trainer schon Anzeichen für eine Infektion.

Trotz der Komplikationen bevorzugen die Rettungskräfte derzeit eine Bergung durch Taucher. Sollte der Himmel über Chiang Rai seine Schleusen öffnen, bliebe für andere Szenarien auch gar keine Zeit mehr: Im Wettlauf mit dem Monsun-Regen wären die Wasserpumpen zur Senkung des Pegels chancenlos, die Bohrung eines 600 Meter langen Rettungsschachts würde viel zu lange dauern, und auch die Suche nach einem alternativen Höhlenzugang blieb bislang erfolglos.

Bohrungen bisher nicht erfolgreich

Inzwischen haben Einsatzkräfte in Thailand mehr als hundert Rettungsschächte in die Tiefe gebohrt. Bei den Bohrungen seien die Kinder und ihr Fussballtrainer bislang aber nicht erreicht worden, wie der Leiter der Rettungsaktion erklärte. Aus Sicht von Geowissenschaftlern ist die Bohrung zudem sehr kompliziert. Es gebe für die Ingenieure nicht genügend geologische Daten der Höhle, was zu gefährlichen Überraschungen führen könnte.

Eingeschlossene spenden Trost

Den seit Tagen vor der Höhle campierenden Angehörigen überbrachte ein Rettungstaucher nun einen handgeschriebenen Zettel mit persönlichen Botschaften der Jungs. «Macht euch keine Sorgen, wir sind alle stark», heisst es in dem Brief, der auf der Facebook-Seite der thailändischen Spezialeinheit Navy Seals veröffentlicht wurde.«Wenn wir hier rauskommen, wollen wir viele Sachen essen. Wir wollen nach Hause, so schnell wie möglich.»

Der Trainer bat die Familien seiner Schützlinge in dem Brief um Verzeihung und versprach ihnen, sich bestmöglich um die Jungs zu kümmern. «Derzeit geht es ihnen allen gut», versicherte Ekapol Chanthawong.

Legende: Die Höhle liegt im bergigen Norden Thailands und ist eine der grössten des Landes. SRF

Seit fast zwei Wochen in der Höhle

Die Jugendlichen hatten nach einem Training am 23. Juni die viertgrösste Höhle Thailands besucht, waren dann aber wohl von einer Sturzflut überrascht worden und hatten sich vor den Wassermassen immer tiefer ins Innere gerettet.

Britische Taucher entdeckten sie am Montagabend und sorgten damit weltweit für Erleichterung. Seither versuchen Rettungskräfte die Jugendlichen aus der Höhle zu befreien. Bei der Rettungsaktion kam am Freitag ein thailändischer Rettungstaucher ums Leben.

Grafik zeigt Verlauf der Höhle in Thailand und weitere Fakten

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Es ist den Rettungskräften zu wünschen, dass es ihnen gelingen möge, alle heil aus dieser Höhle zu bergen. Sollte der Monsun-Regen die Taucher und Eingeschlossenen überraschen würde eine Rettung immer schwieriger wenn nicht unmöglich. Hoffen für Drama mit einem glückliches Ausgang. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andrin Ziswiler (Andrinzisi)
    Es hat Wasser wie andere Mendien berichtenden, es ist nicht zu fassen wie viel Wasser in dieser Hölle steckt. Etwa zwei (sehen) und eine kleine Insel müssen überwunden werden das heist es nach draussen gehen, aber es heist warten bis der Regen kommt und die Hölle noch mehr Überschwemmten leäst.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von P. Gemperle (PG)
      Also nix mit Eingang vergrössern um das Wasser abfliessen zu lassen. Herr Ziswiler ich werde aus Ihrem Kommentar nicht schlau obwohl ich mir Mühe gebe. Was meinen Sie schreiben "Etwa zwei (sehen) und eine kleine Insel müssen überwunden werden ..." Sehen nun allenfalls zwei Kinder und welche Insel müssen die Kinder überwinden. Ich hoffe jedoch, dass die Bohrungen doch noch die Kammer erreichen in denen die Kinder eingeschlossen sind, denn das Retten durch Tauchen scheint mir doch sehr riskant.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Andrin Ziswiler (Andrinzisi)
      Wenn Sie in anderen Medien schauen , dann können Sie sich eine Vorstellung machen. Es ist nur abhängig wie es sie es sehen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Amthauer (Peter.A)
    Der Tauchweg wird mit 1.9km angegeben. Die Distanzmakierung in der Graphik bezieht aber auch Abschnitte mit ein, die ersichtlicheres nicht unter Wasser stehen. Wie lang ist denn die Strecke, auf der tatsächlich getaucht werden muss. MfG
    Ablehnen den Kommentar ablehnen