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Neuer FC-Bayern-Präsident «Hoeness ist süchtig danach, in der Öffentlichkeit zu stehen»

Er ist wieder da. 270 Tage nach seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung wird Uli Hoeness erneut zum Präsidenten des Fussballklubs Bayern München gewählt. Hoeness-Experte Christoph Bausenwein sieht die Wahl skeptisch.

Uli Hoeness wird im Rentenalter nochmals Präsident vom Fussballklub Bayern München. Wieso tut er sich das an?

Hoeness ist der grosse Macher von Bayern München. Der Verein ist sein Kind – er hat Bayern zur erfolgreichen Marke gemacht. Es wäre ihm langweilig, wenn er nichts mehr damit zu tun hätte. Und er braucht den Applaus der Fans. Hoeness ist süchtig danach, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ein ruhiges Leben als Rentner wäre nichts für ihn.

Hat er den richtigen Zeitpunkt für den Rücktritt verpasst?

Im Gefängnis hatte er viel Zeit, um nachzudenken. Eigentlich schien bei seiner Haftentlassung der perfekte Moment gekommen zu sein, um von Bayern mit allen Ehren verabschiedet zu werden. Aber er schafft es einfach nicht, aufzuhören.

Die vergangenen Jahre ohne Hoeness waren für Bayern eine Zeit des ungebremsten sportlichen und wirtschaftlichen Erfolges. Braucht es Uli Hoeness überhaupt noch?

In der Bayern-Führung hat niemand wirklich auf ihn gewartet. Der Vorstand der Bayern wurde inzwischen wesentlich erweitert. Es gibt verschiedene Fachabteilungen. Der Laden läuft. Bayern braucht Hoeness eigentlich nicht mehr. Ich frage mich ernsthaft, was es für ihn zu tun gibt.

Repräsentative Aufgaben?

Ja. Er wird wohl vor allem Interviews geben und in der Öffentlichkeit auftreten. Aber damit ist er nicht zufrieden. Hoeness ist ein Alphatier. Als Präsident will er den Kurs bestimmen. Er will nicht nur repräsentative Aufgaben erledigen, er will Fussballpolitik betreiben.

CEO Karl-Heinz Rummenigge war zuletzt der starke Mann im Verein. Wird er ein Stück von seiner Macht abtreten?

Es hat in früheren Zeiten immer mal wieder Konflikte zwischen Hoeness und Rummenigge gegeben. Das hat sich mittlerweile aber gelegt. Ich vermute, die beiden werden harmonieren, solange Hoeness nicht grundsätzlich andere Meinungen vertritt. Klar ist: Hoeness wird lernen müssen, sich einzuordnen und akzeptieren, dass nicht mehr alle nach seiner Pfeife tanzen. Das birgt Konfliktpotenzial.

Ein grosser Teil der deutschen Öffentlichkeit scheint sich indes auf die Rückkehr von Hoeness zu freuen. Hat man seine Steuersünden bereits vergessen?

Nein. Aber Hoeness hat seine verdiente Strafe abgesessen. Seine Verfehlungen sind gesühnt. Die Bayern-Fans feiern ihn als Helden. Der Rest der Fussballzunft freut sich, dass wieder Leben in die Bude kommt.

Bayern braucht Hoeness eigentlich nicht mehr. Ich frage mich ernsthaft, was es für ihn zu tun gibt.
Autor: Christoph BausenweinHoeness-Experte

«Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein», sagte Hoeness kürzlich im «Kicker». Ist er tatsächlich noch der alte?

Hoeness lernte in den Gefängnismonaten, sich zurückzunehmen. Er hat es lernen müssen. Meine Vermutung ist, dass er seinen neuen Posten langsam angeht. Die Sprüche werden erst wieder in ein paar Monaten kommen.

Welche Aufgaben warten auf Hoeness?

Das werden wir erst noch sehen. In den letzten Monaten hat er sich vor allem um den Nachwuchs gekümmert. Bayern will auch in Zukunft Spieler aus der Region in der Mannschaft haben. Bastian Schweinsteiger verliess vor zwei Jahren den Verein. Und Philipp Lahm beendet bald seine Karriere. Dieses Vakuum muss gefüllt werden. Der FC Bayern braucht solche Aushängeschilder. Nun geht es darum, wieder neue ur-bayerische Identifikationsfiguren aufzubauen. Und das könnte in nächster Zeit schwierig werden. Weil momentan noch keine solchen Talente da sind.

Uli Hoeness ist vorbestraft und steht unter Bewährung. Ist das ein Problem für einen Verein wie Bayern München?

Das ist eine schwierige Frage. Hoeness hat seine Strafe abgesessen. Er kann wieder in die Gesellschaft integriert werden. Aber ich sehe auch Probleme. Denn Hoeness ist als Präsident extrem exponiert und hat in gewisser Weise eine Vorbildfunktion. Als Präsident von Bayern ist man gewissermassen eine moralische Instanz. Seine Steuersünden waren aber moralisch verwerflich. Deshalb finde ich es nicht gut, dass Hoeness wieder zum Präsidenten gewählt wurde.

Ist seine Rückkehr eine Gefahr oder Chance für die Bayern?

Die Rückkehr von Hoeness ist unter dem Strich relativ unbedeutend. Der FC Bayern wird so oder so seinen Weg machen. Bayern bleibt der dominierende Verein in Deutschland und einer der besten in Europa. Das hängt nicht von Uli Hoeness ab.

Wenn Sie Uli Hoeness einen Rat geben dürften: Was wäre das?

Ich hätte ihm geraten, es gut sein zu lassen und nicht mehr anzutreten. Aber ich hätte auch gewusst, dass ihn dieser Rat nicht interessiert (lacht).

Das Gespräch führte Benedikt Widmer.

Christoph Bausenwein

Christoph Bausenwein
Legende: ard

Der Journalist und Autor publiziert vor allem zum Thema Fussball. Mit seinem Buch «Das Prinzip Uli Hoeness» (2009) wurde der 57-Jährige über die deutschen Landesgrenzen hinaus bekannt. Bausenwein ist Gründungsmitglied der Deutschen Akademie für Fussballkultur.

Hoeness im Gefängnis

Wegen Hinterziehung von mindestens 28.5 Millionen Euro Steuern war Hoeness im März 2014 vom Landgericht München zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er trat daraufhin von seinen Funktionen als Bayern-Präsident zurück. Seit Februar 2016 ist der ehemalige deutsche Fussball-Internationale auf Bewährung wieder frei.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von marc rist (mcrist)
    Die ganze Angelegenheit dürfte viel profaner sein. UH braucht die Kohle. Auf Rosen gebetet ist er nicht mehr, wenn er dereinst seine gesamte Steuerschuld beglichen hat. Auch sein Anwalt wird nicht ganz gratis gearbeitet haben.
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  • Kommentar von Hans Anreiner (Hans.Anreiner)
    Denke schon, dass Hoeness an dem heutigen Bayern ein ganz grosses Stück beteiligt war und es mitgeschaffen hat. Solche Aussagen von diesem Bausenwein kommen mir manchmal vor, wie wenn man den Firmengründer einer Aktiengesellschafft einfach ausbootet und aus seiner eigenen Firma wirft. So im Kern trifft es das schon. Zum Glück ticken die in München nicht wie dieser Bausenwein, Mitgründer der Akademie für Fussballkultur. Zum Glück herrscht da noch menschliche Kultur.
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    1. Antwort von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
      Der FC Bayern ist keine Firma sondern ein Verein,
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich glaube nicht, dass er süchtig ist. Ich glaube eher, dass er sich für die "lächerliche" Gefängnisstrafe rächen will. Wenn Mörder für ein paar Monate ins Gefängnis müssen und Uli Hoeness für seine "Steuerhinterziehung" noch länger in den Knast musste, knirrscht etwas ganz schön im Getriebe. Die linke "Neidpolitik" übertreibt es gern und gut, vor allem bei Leuten die auch noch erfolgreich und beliebt sind. Ich hoffe, dass die Zeit dieser Neid-, Hetz- und Wischi-Waschi-Politik bald vorbei ist.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Welche Mörder mussten weniger lang ins Gefängnis als Hoeness?
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