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Trotz Herabstufung bleibt Sturm Lorenzo gefährlich
Aus SRF 4 News aktuell vom 30.09.2019.
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Hurrikan Lorenzo «Als Sturmausläufer werden wir Lorenzo in der Schweiz spüren»

Über dem Atlantik hat sich der Hurrikan Lorenzo gebildet. Er steuert nicht auf die Karibik, sondern auf Europa zu. Laut den Prognosen soll Lorenzo am Mittwoch auf die portugiesischen Azoren treffen. Im Verlauf der vergangenen Nacht wurde Lorenzo von der Kategorie fünf auf drei heruntergestuft. Ob er immer noch gefährlich ist, darüber gibt SRF-Meteorologe Felix Blumer Auskunft.

Felix Blumer

Felix Blumer

Meteorologe, SRF

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Blumer ist seit 1994 Meteorologe und arbeitet seit 2004 bei SRF Meteo.

SRF News: Der Sturm hat sich ein bisschen abgeschwächt. Was bedeutet das für die Azoren?

Felix Blumer: Grundsätzlich kann man keine Entwarnung geben. Stufe drei ist natürlich weniger dramatisch als Stufe fünf, aber es würde trotzdem bedeuten, dass der Hurrikan mit 180 Kilometer pro Stunde Windgeschwindigkeit auf die westlichen Azoreninseln treffen würde. Das hätte zerstörerische Wirkung und es würde sehr grosse Wellen mit sich bringen. Experten gehen davon aus, dass die Wellen bis zu 15 Meter hoch sein dürften. Aber es dauert noch zwei Tage, bis der Hurrikan in die Gegend der Azoren kommt. Hoffen wir, dass er sich noch abschwächt.

Erste Modelle zeigen, dass Lorenzo danach in Richtung der Britischen Inseln treiben könnte. Was wird da befürchtet?

Man muss davon ausgehen, dass es danach einen Sturm auf dem europäischen Festland, bzw. an der europäischen Küste gibt. Wo genau Lorenzo auf die europäische Küste treffen wird, ist noch unsicher, wahrscheinlich bei den Britischen Inseln. Es könnte auch sein, dass er Richtung Iberische Halbinsel weiterzieht. Dort wird er nicht als Hurrikan ankommen, sondern nur noch als aussertropisches Sturmtief. Sturmtief Leslie hatte im letzten Jahr eine ähnliche Zugbahn.

Wohnwagen, die auf dem Kopf stehen nach Durchzug des Sturmtiefs Leslie.
Legende: Schlechte Erinnerung in Portugal an Sturmtief Leslie vor rund einem Jahr. Reuters

Leslie zog von den Azoren Richtung Portugal und erreichte die portugiesische Küste mit Windspitzen bis 176 Kilometer pro Stunde. Und vor zwei Jahren erreichte Ophelia Irland. Damals wurden in Irland Spitzen von über 150 Kilometern pro Stunde gemessen.

Hurrican_Dorian

Wird Lorenzo in der Schweiz auch zu spüren sein?

Wir werden Lorenzo wahrscheinlich abgeschwächt als Sturmausläufer spüren, aber nicht als Hurrikan. Zudem ist es dann auch noch sehr davon abhängig, wo genau die Ausläufer die europäische Küste erreichen.

Ist Hurrikan Lorenzo eine Auswirkung des Klimawandels?

Indirekt ist der Hurrikan eine Auswirkung der Klimaveränderung oder der allgemeinen Erwärmung. Schon in den letzten zwei Jahren hatten wir Hurrikane, die Richtung Europa unterwegs waren.

Die hohen Temperaturen im Atlantik gelangen immer weiter nach Norden, das heisst, die Hurrikane haben auch eine Chance, weiter nördlich bestehen zu bleiben.

Das war vorher nicht der Fall. Das ist eine Auswirkung des wärmer werdenden Atlantiks. Die hohen Temperaturen im Atlantik gelangen immer weiter nach Norden, das heisst, die Hurrikane haben auch eine Chance, weiter nördlich bestehen zu bleiben und dann sind sie nicht mehr in der Passatwindzone, sondern immer mehr auch in die Westwindzone. Das bedeutet, dass sie vom zentralen Atlantik Richtung Osten ziehen und dann Europa erreichen. Wir müssen uns auch in den kommenden Jahren auf dieses Szenario gefasst machen.

Das Gespräch führte Marc Allemann.

Video
Der Weg von Hurrikan Lorenzo
Aus me_meteo vom 27.09.2019.
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21 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Häuptli  (Martin Häuptli)
    Ich kann das Theater nicht ganz verstehen. Die Erde hatte schon mehrere Eiszeiten und zwischen diesen Eiszeiten gab es in unserer Gegend immer wieder Zeiten mit warmen Klima. Also ist das ganz normal, das es wärmer wird und der Mensch nix gegen diesen Klimawandel unternehmen kann. Der Mensch ist aber ganz klar Schuld, dass der Klimawandel dermassen schnell kommt. Ich bin voll dafür, dass man weniger CO2 in die Luft bläst und weniger Plastik in die Ozeane kippt, aber gegen so eine Hysterie.
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    1. Antwort von Alan Strickler  (Alan Strickler)
      Hallo Herr Häuptli
      Eine Antwort auf die Frage "Wieso die Hysterie?" haben Sie sich selber gegeben. Aber um es besser zu verstehen muss man diese weiter ausführen.
      Wie Sie gesagt haben beschleunigt die Menscheit den Prozess. Die Natur hatte früher viele Jahrtausende zeit um sich an die sehr langsame Erwärmung anzupassen. Da es jetzt so schnell passiert kommt die Natur nicht mehr hinterher, und stirbt um ein vielfaches schneller. Wir Menschen haben darher weniger Zeit unsere Zukunft zu sichern.
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  • Kommentar von Daniel Rohrbach  (Pelvis)
    Nostradamus prophezeite die Klimaerwärmung durch die Vergrösserung der Sonne voraus. Danach soll sie wiederum dermassen an intensität verlieren, dass dadurch eine neue Eiszeit entsteht. Eventuell haben wir den Anfang dieses Stadiums erreicht, obwohl die Prophezeiungen Nostradamus wissenschaftlich nicht belegt werden können. Trotzdem können wir den Launen der Natur nicht mit Abgaben entgegen wirken, welche Schlussendlich in irgendeinen Fond umverteilt werden.
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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Früher nannte man das "Herbstwinde". Soviel zum Klimawandel...
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Leider nein. Die früher bekannten Herbststürme haben nichts mit diesen Hurrikanen zu tun. Es gab es ausnahmsweise bereits als Hurrikane die Europawärts unterwegs waren, aber eine Häufung von 3 oder mehr solchen Erscheinungen innert 4 oder so Jahren gab es früher nie.
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