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«Icarus» begeistert Forscher Wenn Vögel von ihrem Leben zwitschern

Besenderte Tiere liefern Daten rund um den Globus via All. Das verspricht neue Erkenntnisse nicht nur für Ornithologen.

Legende: Audio Dem Rätsel der Zugvögel auf der Spur abspielen. Laufzeit 03:12 Minuten.
03:12 min, aus Rendez-vous vom 16.08.2018.

In der Nacht auf vergangenen Donnerstag haben zwei russische Kosmonauten auf der Internationalen Raumstation ISS eine neue Antenne montiert. Sie ist ein Puzzlestein für ein aufsehenerregendes Projekt zur Beobachtung von Tieren. Die Antenne empfängt die Signale von Hunderten von Minisendern, die auf Tieren montiert sind. Damit lassen sich Naturphänomene wie der Vogelzug erforschen. Aber auch die Warnung vor Naturgefahren ist möglich – so hoffen zumindest die Forscher.

Die Idee – vor 15 Jahren noch «komplett verrückt»

Der deutsche Vogelforscher Martin Wikelski hatte die Idee für «Icarus» schon vor 15 Jahren. Er schlug sie damals der US-Raumfahrtagentur Nasa vor. Doch er war der Zeit voraus: «Die Leute bezeichneten damals meine Idee als komplett verrückt und verglichen sie etwa mit dem Weltraumlift Space Elevator, der so in 150 bis 300 Jahren vielleicht einmal aktuell werden könnte.» Einen Lift ins All wird es noch lange nicht geben, aber «Icarus» hat abgehoben.

Minisender machen es möglich

In den letzten Jahren seien die Sender, die Forscher Tieren mitgeben können, kleiner geworden als ein Glied des kleinen Fingers, erklärt Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie weiter: «Eingebaut ist ein GPS mit einem Riesenspeicher, eine Art Flugschreiber, der alle Daten vom Leben eines Tieres aufzeichnet.»

«Icarus» – eine Gemeinschaft von Tieren

Dieser Flugschreiber misst auch die Geschwindigkeit, Temperatur und weitere Daten und sendet diese via Mobilfunknetz an die «Icarus»-Zentrale. Man kann sich «Icarus» als eine Gemeinschaft von Tieren vorstellen, die per Handy den Forschern ständig von ihrem Leben erzählen. Die neue Antenne auf der Internationalen Raumstation bietet zusätzliche Möglichkeiten, um die vielen Daten zu sammeln.

Wenn der Zeisig mit der Amsel kommuniziert

«Icarus» hilft den Forschern zum Beispiel, das Phänomen des Vogelzugs – etwa von Europa nach Afrika – besser zu verstehen. Sie vermuten, dass sich die Vögel während des Zugs über die Artgrenzen hinweg verständigen: «Es ist wie am Ferienende auf der Autobahn: Da ist alles voll mit schreienden Vögeln, die miteinander kommunizieren. Und eben nicht nur innerhalb der eigenen Art, sondern auch der Kuckuck mit dem Zeisig oder der Amsel.

Wenn die Gänse Fieber bekommen

Mit «Icarus» lässt sich dies nun viel besser untersuchen. Das System soll aber auch praktischen Nutzen abwerfen. Zum Beispiel bei der Überwachung von Epidemien wie der Vogelgrippe, die von Streifengänsen verbreitet wird. Künftig könnten «Icarus»-Sensoren anzeigen, wenn Streifengänse in China, wo die Grippe normalerweise herkommt, Fieber bekommen. Wissenschaftler könnten dann vor Ort das Virus aus den Vögeln isolieren und untersuchen, ob es für Menschen gefährlich ist.

Wenn die Ziegen nervös werden...

Wikelski hat auch schon Ziegen am Vulkan Ätna mit «Icarus»-Sendern ausgestattet. Es könnte der Beginn für ein Warnsystem sein, denn der Versuch zeigte: Die Ziegen ändern vor Ausbrüchen ihr Verhalten: «Wenn alle nachts nervös werden, weiss man, dass es nicht nur ein lokaler Hund oder Wolf ist, sondern etwas Grösseres los ist.

Wer Sender finanziert, ist dabei

Der wissenschaftlichen Neugier scheinen kaum Grenzen gesetzt. Mitmachen bei «Icarus» kann jeder Forscher weltweit, der das Geld für die Sender aufbringt, um seine Tiere damit auszustatten. So fliegen, laufen und rennen bereits heute Hunderte von Tieren mit «Icarus-Sendern durch die Gegend. Sie alle tragen dazu bei, dass wir ein genaueres Bild der Erde bekommen.

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