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Kommt das Darknet vermehrt unter Druck?
Aus SRF 4 News aktuell vom 22.01.2021.
abspielen. Laufzeit 06:55 Minuten.
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Illegaler Handel im Netz Der lange Arm des Gesetzes reicht bis ins Darknet

Die wichtigsten illegalen Marktplätze im Darknet sind verschwunden. Doch der Handel verlagert sich auf neue Plattformen.

Lange schienen Kriminelle im Darknet ungestört mit Drogen, Waffen und anderen illegalen Waren handeln zu können. Selbst als die Behörden 2013 den Silk-Road-Schwarzmarkt – den Urvater der illegalen Marktplätze im Darknet – dicht machten, entstanden an dessen Stelle dutzende neuer Angebote. Darunter etwa die Silk Road 2.0.

Doch in den letzten Monaten gab es gleich mehrere Aktionen, die wohl das Ende der Darknet-Marktplätze einläuteten. Im Mai wurde in einer internationalen Aktion unter Führung des deutschen Bundeskriminalamts der Wall Street Market geschlossen, der zweitgrösste illegale Marktplatz im Darknet.

Die dabei sichergestellten Daten und Materialien verhalfen den Behörden im September zur Festnahme von 179 Verdächtigen. «The golden age of dark web marketplace is over» stellte die europäische Polizeibehörde Europol in einer Pressemitteilung, Link öffnet in einem neuen Fenster zufrieden fest.

Auch Undercover-Arbeit kommt zum Einsatz

Letzte Woche gelang mit der Schliessung des DarkMarkets, Link öffnet in einem neuen Fenster, dem weltweit wohl grössten illegalen Marktplatz im Darknet, erneut ein grosser Schlag. Dark Market soll zum Zeitpunkt der Schliessung eine halbe Million Nutzerinnen und Nutzer gehabt haben. Mehr als 2400 Verkäufer sollen dort vor allem mit Drogen, aber auch mit Waffen, gestohlenen Kreditkartendaten oder Schadsoftware gehandelt haben. Doch wie gelang es den Behörden, den Schutz des Darknets zu umgehen?

Vor allem der internationale Informationsaustausch hat dazu beigetragen. In gemeinsamer Arbeit können die Behörden verschiedener Länder den Datenverkehr im Darknet kontrollieren und teilweise de-anonymisieren (siehe Kasten).

Was ist das Darknet?

Das Darknet ist ein Teil des Internets, der nicht mit gewöhnlichen Browsern zugänglich ist und von Suchmaschinen nicht indexiert wird. Um Zugang zum Darknet zu bekommen, braucht es spezielle Software wie etwa den Tor-Browser, der den anonymen Zugriff auf einen Teil der Webseiten im Darknet möglich macht.

Der Datenverkehr im Tor-Netzwerk läuft über verschiedene Knoten, an denen die IP-Adressen der Datenpakete ausgewechselt werden, sodass am Ende niemand mehr wissen sollte, welche IP-Adresse am Anfang einer Anfrage stand.

Der Browser Tor garantiert aber keine hundertprozentige Anonymität. So kann die Polizei zum Beispiel viele Tor-Knoten überwachen oder selbst betreiben und die darüber laufende Kommunikation auswerten. Mit viel Aufwand und mittels internationaler Zusammenarbeit kann es gelingen, in den ersten und letzten Knoten einzudringen und so Rückschlüsse auf den Absender zu machen.

Auch die Überwachung des Zahlungsverkehrs, der im Darknet vornehmlich mit Kryptowährungen wie Monero oder dem Bitcoin geschieht, konnte mithelfen. Denn wird der Weg des Geldes in den Krypto-Netzwerken genau verfolgt und werden genug Daten zusammengetragen, gibt das Hinweise auf die wahre Identität von Käufern und Verkäufern.

Dazu kommt klassische Undercover-Arbeit: Fahnder versuchen über Monate hinweg das Vertrauen von Verkäufern oder Betreibern von Plattformen zu gewinnen. So können sie Verdächtige etwa mit einem Link auf eine präparierte Webseite führen, die – einmal aufgerufen – die IP-Adresse eines Verdächtigen verrät.

Verlagerung in neue Kanäle

Auch die Schweizer Behörden sind im Darknet aktiv. Zum einen das Bundesamt für Polizei fedpol, das Koordinationsarbeit mit ausländischen Behörden wie Europol leistet und Informationen an die kantonalen Polizeien weitergibt. Diese sind dann zum Beispiel bei Drogendelikten für die Strafverfolgung zuständig.

Bei der Kantonspolizei Zürich gab es in den letzten Jahren mehrere solcher Strafverfahren. Das sagt Serdar Günal Rütsche, der Chef Cybercrime. Ausserdem würden die Schweizer Behörden von ausländischen Kollegen häufig um Unterstützung gebeten, weil die Schweiz auch für Kriminelle ein attraktiver Server-Standort sei, der Datensicherheit und eine schnelle Anbindung ans Internet verspreche.

Wie auch seine ausländischen Kollegen stellt Serdar Günal Rütsche heute eine Verlagerung des illegalen Handels in andere Kanäle fest, vor allem in verschlüsselte Nachrichten-Apps wie Signal oder Telegram. Die Verschlüsselung dort ist stark und die Nachrichten von Händlern und Käufern lassen sich nicht mitlesen. Doch Günal Rütsche meint, das sei auch gar nicht immer nötig: Häufig ergäben schon die Metadaten – wer wann mit wem kommuniziert hat – genug Hinweise für eine Verhaftung.

SRF 4 News, 22. Januar 2021,

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Yaromir Roranir  (xyxrx)
    Ach was, der Drogenhandel wird immer grösser und verlagert sich nun auch ins Internet. Wer im Jahre 2021 immernoch denkt, dass die Prohibition sämtlicher Drogen etwas bringe, hat sich nicht zur Genüge informiert. Wir haben geug Vorzeigeländer bei denen es auch ohne ein Massaker funktioniert hat. Die Polizei, Justiz würde entlastet werden. Zuden würden Millionen unschuldiger, erwachsene Komsumenten nicht mehr kriminalisiert werden.
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Artikel dieser Art lesen sich so wie eine Führung durchs Museum: alles alt, alles irgendwie unberührbar auf Distanz, mit Einheitsschrift sauber etikettiert aber mit Null Leben drin oder einem Bezug zum realen Kontext wie das so im Echten läuft und tut. Als könnte eine Ritterrüstung allein die Kreuzzüge erklären...
    1. Antwort von Martin Egger  (Martin Egger)
      Ich finde den Artikel gut. Natürlich ist er auch abstrakt, unberührbar, aber das wichtigste steht wohl drin. Man kann ja hier keinen Roman darüber schreiben, der bräuchte zu viel Platz.