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Online-Games machen Kasse mit Kindern
Aus Kassensturz vom 01.02.2022.
abspielen. Laufzeit 7 Minuten 28 Sekunden.
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In-App-Käufe Online-Games machen Kasse mit Kindern

Immer mehr Kinder spielen vermeintliche Gratis-Spiele. Doch die In-App-Käufe können massiv ins Geld gehen.

«Mit Edelsteinen wurde das Spielen einfacher», erklärt die zwölfjährige Schülerin. Doch das Spielgeld war nicht gratis. Die Schülerin mag Wölfe. Weil das Spiel bereits ab zwölf Jahren freigegeben ist und nicht gewalttätig erschien, eröffnete ihr Grossvater Angelo T. mit seiner Kreditkarte ein Google-Konto und lud das Spiel herunter. Die wenigen Informationen zu den möglichen In-App-Käufen wurden erst ganz unten – nach den Bewertungen – aufgeführt. Das übersah der Grossvater: «Da stand nichts zu den Kosten. Nur, dass die Installation gratis ist.»

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SRF-Digital-Redaktor Guido Berger: «Die Industrie verdiente zu wenig und kam deshalb auf die Idee, Games gratis zur Verfügung zu stellen und das Geld nachher bei den Usern zu holen.»
Aus Kassensturz vom 31.01.2022.
abspielen. Laufzeit 58 Sekunden.

6000 Franken weg

Plötzlich – im letzten Juni – konnte Angelo T. mit seiner Kreditkarte nichts mehr bezahlen. «Ich stellte dann fest, dass auf der Abrechnung immer Google erscheint und das Spiel, das unsere Enkelin spielt.» An einem einzigen Tag im Juni wurden zwanzig Mal hundert Franken belastet. Insgesamt 6000 Franken kostete den Grossvater die In-App-Käufe im Spiel «The Wolf». Angelo T. dachte zuerst, das sei ein Fehler von Google und schrieb mehrmals an den Techgiganten. Doch er bekam nur Standartantworten.

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Anreiz zum Geld ausgeben

So funktionieren praktisch alle Mobile-Games, weiss Guido Berger, Leiter Digital bei SRF: Sie sind zwar gratis, verführen Spielende aber dazu, Geld auszugeben. Guido Berger zeigt, wie bereits zu Beginn des Spiels Kasse gemacht wird: «Ich habe genau zwei Wölfe zur Auswahl, einen grauen und einen roten. Der rosarote Wolf kostet 14'000 Juwelen. Wenn ich jetzt schon 14'000 Juwelen will, dann muss ich dafür hundert Franken ausgeben.»

Im Spielrausch seien sich Kinder zudem nicht bewusst, dass sie mit In-App-Käufen Geld ausgeben, kritisiert Digital-Experte Guido Berger: «Damit das Game vorwärts geht, muss ich Edelsteine kaufen. Wie viel das in Franken wert ist, ist kompliziert umzurechnen. Absichtlich kompliziert.» Das sei schon für Erwachsene schwierig nachzuvollziehen, weiss Berger, und für Kinder noch mehr. 

Stellungnahmen von Google und Swisscard

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Google:
«Zu Einzelfällen bezieht Google generell keine Stellung. Google setzt sich sehr stark für Jugendliche und Familien in Bezug auf den sicheren Umgang im Internet ein.» Anträge für Rückerstattungen akzeptiert Google bis 48 Stunden nach einem In-App-Kauf.

Swisscard:
«Kreditkarten sind nur für erwachsene Personen ab 18 Jahren erhältlich. Swisscard kann nicht erkennen, ob ein Nutzer sein mit hinterlegten Kreditkarten versehenes Mobilgerät selber nutzt oder an Dritte zur Nutzung weitergegeben hat. Aus diesem Grund vereinbaren wir mit unseren Kunden vertraglich, dass diese ihr Mobilgerät nicht weitergeben.»

Unbegrenzte In-App-Käufe

In-App-Spiele sind ein lukratives, stets wachsendes Geschäft. Sie sorgen mittlerweile für einen weltweiten Umsatz von fast hundert Milliarden Franken. Mobile-Games werden über Plattformen wie Google Play oder Apple Store angeboten. Rund ein Drittel der Einnahmen geht an die Plattformbetreiber. Sie verdienen also kräftig mit. Auch Spiele, die explizit für kleine Kinder konzipiert und empfohlen werden, verlocken zu unbegrenzten In-App-Käufen.

Sara Stalder vom Konsumentenschutz

Kinder können nur über Taschengeld verfügen

Für Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz sind In-App-Verkäufe an Minderjährige eigentlich widerrechtlich. Selbst dann, wenn Erziehungsberechtigte zuvor beim Herunterladen eine Kreditkarte hinterlegt haben. «Das Gesetz sagt, Kinder dürfen nur solche Verträge abschliessen, die im Umfang ihres Taschengeldes sind. Und das geht oft deutlich darüber hinaus.»

Angelo T. versuchte die 6000 Franken der In-App-Käufe zurückzubekommen. Doch Spieleanbieter Google oder der Game-Hersteller Swift reagierten nicht einmal, und seine Kreditkartenfirma Swisscard kam ihm nicht entgegen. Das wurmt den Grossvater: «Bei diesen hohen Kosten erwarte ich, dass dies auch transparent angeschrieben wird.»

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Studiogespräch mit Daniel Betschart, Verantwortlicher Medienkompetenz Pro Juventute
Aus Kassensturz vom 01.02.2022.
abspielen. Laufzeit 5 Minuten 34 Sekunden.

Kassensturz, 01.02.22, 21:05 Uhr

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9 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Vielen Dank fürs Mitdiskutieren. Wir schliessen nun die Kommentarspalte und wünschen einen schönen Tag. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von daniel krähenbühl  (limperdan)
    Bauernfängerei in Reinkultur. Aber es gibt schon Mittel, wie man sich schützen kann. Die waren dem Grossvater aber wohl nicht bekannt. Beispielsweise muss bei mir jeder Kauf mittels Kreditkarte mit Fingerabdruck bestätigt werden. Eine Limite einrichten wäre eine weitere Option. Nun heisst es wohl einen Anwalt einschalten, aber bei 6000 Stutz ist es das wohl wert.
  • Kommentar von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
    Es wäre doch mal interessant herauszufinden, ob eine Betreibung über 6'000.- in diese Fall umsetzbar wäre. Jedenfalls würde ich die Summe nicht einfach so bezahlen! Letztendlich liefert ja der Rechnungssteller offensichtlich an jemanden, der nicht geschäftsfähig ist.
    1. Antwort von Josh Pelli  (jopelli)
      Kann man machen, dann wird sein Google Konto gesperrt und Tschüss Android Handy...