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Invasion auf den Balkonen Warum hat es aktuell so viele Marienkäfer?

Ob an Hauswänden oder auf Balkonen: Viele Schweizer beobachten ganze Schwärme von Marienkäfern. Warum ist das so?

Vielerorts in der Schweiz sind derzeit bei warmem Wetter auf Balkonen, an Aussenwänden oder Geländern Ansammlungen von Marienkäfern zu beobachten. «Heute Nachmittag war bei uns die ganze Hauswand voller Marienkäfer. Könnte dies etwas mit dem Wetter zu tun haben?», fragt etwa SRF-Nutzerin Melanie Imhasly.

Mit dieser Vermutung liegt sie nicht falsch. «Die Marienkäfer sind um diese Jahreszeit auf der Suche nach einem Winterquartier», sagt Andreas Moser von Netz Natur.

Im Spätherbst fallen die Käfer noch mehr auf als sonst, weil sie sich auf der Suche nach einem Unterschlupf zu Gruppen oder grösseren Schwärmen zusammenfinden und gezielt Behausungen der Menschen mit vielen geeigneten Nischen aufsuchen.

«Daran ist nichts gefährlich oder ungewöhnlich», betont Moser. Dass die Marienkäfer die letzten milden Tage nutzten, um sich vor dem Winter in Sicherheit zu bringen, sei völlig normal. Am liebsten suchen sie Schutz in Hohlräumen, etwa in Fugen von Fenstern, in Mauerritzen oder zwischen Dachsparren. Auch Laubhaufen können als Winterquartier dienen.

Der Asiatische Marienkäfer

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Bei den meisten dieser Käfer handelt es sich allerdings nicht um einheimische Marienkäfer, sondern um Asiatische Marienkäfer. Diese wurden im letzten Jahrhundert zur biologischen Schädlingsbekämpfung nach Europa geholt und finden sich seit 2001 auch in freier Wildbahn. In manchen Gegenden sind sie inzwischen weitaus häufiger als die einheimischen Arten und verdrängen diese.

Das ist nicht unproblematisch: Der aus Asien stammende Harlekin-Marienkäfer ist sehr vermehrungsfreudig. Er vertilgt zwar Blattläuse und Gallmückenlarven, aber eben auch die Larven einheimischer Marienkäferarten.

Noch effizienter ist dabei ein einzelliger Krankheitserreger, den die asiatische Art auf die einheimischen Marienkäfer überträgt, und diese tötet. Der Harlekin- oder Asiatische Marienkäfer ist sehr variabel gefleckt, aber meist an bis zu 19 schwarzen Punkten auf rotem Grund oder orangen Punkten auf schwarzem Grund zu erkennen.

Der einheimische Siebenpunkt hat entsprechend weniger Punkte auf dem Rücken. Einheimische Arten sind deutlich weniger gefleckt und werden nach der Zahl ihrer Punkte benannt, also etwa Zweipunkt, Fünfpunkt oder Siebenpunkt.

Video
Aus dem Archiv: Was tun mit der fremden Art?
Aus NETZ NATUR vom 06.12.2018.
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5 Kommentare

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  • Kommentar von Susanna Cella  (PlatonSokrates)
    Es ist schön einen so bunten fröhlichen Artikel zu lesen. Gerade in der jetzigen Zeit. Ein toller Beitrag. Danke!!!!! Auch ich beobachte dieses Ereignis seit einigen Jahren und freue mich immer wieder darauf.
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  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Die jahrelangen Beobachtungen "meiner" Marienkäfer lassen andere Schlüsse zu. Die asiatischen, bei denen idR auf dem Schild eine M-ähnliche Zeichnung zu sehen ist, erreichen eine Körperlänge von 6-8mm und werden 5-7mm breit. Die meisten unserer einheimischen Marienkäfer sind etwa halb so gross, deshalb werden sie gerne übersehen. Auf meinem Farmlet jedenfalls sind sie mindestens ebenso häufig, wenn nicht noch häufiger, und sie sind vor allem sehr viel schöner und variabler.
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  • Kommentar von Jorge Lugar  (Chorche)
    Hinweis: Auf den Bildern ist der invasive Asiatische Marienkäfer abgebildet. Dieser frisst gemeinerweise die einheimische Marienkäferart und ist im Gegensatz zu eidgenössischen Marienkäfern bissig (aber nicht giftig!)

    Ob die asiatischen Marienkäfern auch Mitteleuropäern Glück bringen, ist noch nicht abschliessend wissenschaftlich erforscht.

    Aus aktuellen Gründen ist von einem Verzehr der Tiere aber dringend abgeraten. Was nicht so schlimm ist - die schmecken nämlich überhaupt nicht.
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    1. Antwort von Lars Weiler  (NachosAndCheese)
      Nicht ganz richtig, Herr Lugar. Die Asiatischen Marienkäfer fressen unsere einheimischen nicht direkt, aber sie geniessen die gleiche Kost, nämlich Blattläuse, weshalb man sie auch als Glücksbringer sieht. Die asiatischen breiten sich schneller aus und verdrängen somit unsere Glückskäfer. Sie sind ausserdem im Weinbau unbeliebt, da ihr abwehrsekret stinkt und wenn zu viele von ihnen in den Wein gepresst werden, dann kann es den geschmack verderben.
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    2. Antwort von Jorge Lugar  (Chorche)
      Dem kann ich mich teilweise anschliessen - jedoch fressen die Eindringlinge die Larven der hiesigen Marienkäfer.

      Wenn sie also sagen, sie essen kein Huhn, dafür aber Eier, ist das zwar nicht per se ein Widerspruch, aber im Grunde genommen eben schon.

      Das mit dem Wein wusste ich nicht, sehr interessant! Gehe aber auch davon aus, dass jedes Tier die Qualität des Weines beeinträchtigen würde, wenn man das so mit reinpresst.
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