Kaltfront über der Schweiz Sturm bläst Zelt des Circus Knie um – ein Verletzter

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Das Zelt stürzte einfach ein

1:10 min, aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 12.11.2017

Der Sturm: Den stärksten Windstoss von 143 Stundenkilometern erfassten die Messgeräte auf dem Luzerner Hausberg Pilatus. Böen von 131 und 129 Stundenkilometern wurden auf dem La Dôle im Waadtländer Jura und dem Chasseral im Berner Jura gemessen. Nördlich der Alpen fiel viel Regen. Die Unwetter begleiteten eine Kaltfront, die am Sonntagnachmittag vom Westen her über die Schweiz zog.

Der Zirkus: In Bellinzona ist das Zelt des Circus Knie eingestürzt. Der heftige Wind, der über die Region fegte, hat es zwei Stunden nach der letzten Sonntagabend-Vorstellung zum Einsturz gebracht. Laut Knie-Sprecherin Sara Hildebrand habe sich das Zelt beim Herablassen ballonartig mit Luft gefüllt. Die gesamte Inneneinrichtung sei beim Vorfall geräumt gewesen. Ein Arbeiter, der an den Abbauarbeiten beteiligt war, hat eine Platzwunde am Kopf erlitten. Die materiellen Schäden liessen sich laut Hildebrand noch nicht beziffern. Die Tournee könne aber fortgesetzt werden, zumal der Zirkus über ein Ersatzzelt verfüge, das aus Rapperswil nach Locarno gebracht werde.

Das Fussballspiel: In Basel sorgten die Sturmböen dafür, dass das Barrage-Rückspiel der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft gegen Nordirland kurzzeitig auf der Kippe stand. Auf den Aufbau des so genannten Fanvillage hatte der Schweizerische Fussballverband vorsorglich verzichtet.

Gebäude, Telekommunikation und Privatverkehr: Die Kantonspolizei Basel-Land registrierte bis zum Abend 40 bis 50 Schadensmeldungen. In Ettingen deckte der Wind ein Wohnhaus ab. Und in Sissach schlug ein Blitz in eine Scheune ein.

Bei der Kantonspolizei Bern gingen bis am späten Nachmittag rund 30 Schadenmeldungen ein. Bäume stürzten auf Strassen und Baustellensignalisationen wurden weggeweht, wie eine Polizeisprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Die Berufsfeuerwehr der Stadt Bern musste wegen des Sturms ebenfalls ausrücken. Im Engeried stürzte ein Baum auf das Dach eines Bürogebäudes, wie die Feuerwehr auf Twitter meldete.

In den St. Galler Dörfern Bad Ragaz, Pfäfers und Vättis fiel am Sonntagnachmittag rund eine Stunde lang der Strom aus. Orkanartige Böen hätten eine Freileitung beschädigt und Leiterseile aus ihrer Verankerung gerissen, teilten die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG mit. Eine herunterhängende Freileitung blockierte vorübergehend eine Strasse. In Frauenfeld (TG) musste die Feuerwehr einen umgestürzten Baum zersägen. Der Baum war direkt auf ein geparktes Auto gekracht.

Der öffentliche Verkehr: Den Verkehr störte das Wetter ebenfalls: In der Region Bern war die S-Bahn-Strecke Bern-Schwarzenburg wegen eines umgestürzten Baumes unterbrochen. Auf dem Bodensee wurde der Fährbetrieb zwischen Romanshorn (TG) und Friedrichshafen (D) wegen der starken Winde eingestellt. Für mehrere regionale Linien meldete die Bahnverkehrsinformation zudem Fahrleitungsstörungen.

Der Flugverkehr: Auch den Flugverkehr brachte der Sturm etwas durcheinander. Der Genfer Flughafen meldete ab dem späten Sonntagnachmittag Verspätungen von bis zu drei Stunden. Drei Flüge wurden umgeleitet und einer annulliert. Der Grund seien heftige Querwinde, sagte ein Flughafensprecher.

In Zürich mussten zwei Flugzeuge für die Landung nach Genf und nach Stuttgart ausweichen, wie ein Sprecher sagte. Umgekehrt sei wegen des Sturms ein Flug mit Ziel Genf nach Zürich ausgewichen.