Zum Inhalt springen

Header

Audio
Kaum Insektensterben in den USA
Aus Echo der Zeit vom 10.08.2020.
abspielen. Laufzeit 03:09 Minuten.
Inhalt

Kein genereller Schwund In den USA bleibt die «Insekten-Apokalypse» aus

Ist das Insektensterben ein europäisches Phänomen? Fachleute dies- und jenseits des Atlantiks sind uneins.

Insektensterben, ja gar Insekten-Apokalypse: In den letzten Jahren haben verschiedene Studien die Öffentlichkeit aufgerüttelt, die einen teilweise dramatischen Rückgang der Insekten festgestellt haben. Die meisten dieser wissenschaftlichen Arbeiten allerdings sind in Europa gemacht worden; ob es an anderen Orten der Welt ähnlich schlimm aussieht, lag bislang im Dunkeln.

Nun hat eine grosse Studie erstmals untersucht, wie es mit dem Vorkommen der Insekten in den USA aussieht. Es ist ein erstaunlicher Datenberg, den die Autorinnen und Autoren der Studie ausgewertet haben: 5300 Messreihen, die über die Dauer von bis zu 36 Jahren in den USA gesammelt wurden; von Schmetterlingen, Bienen, Käfern, Mücken, Blattläusen, Zecken, Zikaden, Flug- und vielen anderen Insekten.

Zigeneurmotte
Legende: Die Raupe einer Zigeunermotte im US-Bundesstaat New Jersey. Nicht nur der Schädling fühlt sich den Staaten wohl – laut den Forschern ist die Insektenwelt im Land insgesamt intakt. Keystone

Das wissenschaftliche Team konnte dabei auf eines der besten Monitoring-Programme der Welt zurückgreifen, nämlich ein Netzwerk verschiedenster Beobachtungsposten, die über die ganze Fläche der Vereinigten Staaten verteilt sind.

Kein genereller Insektenschwund

Dieses Netzwerk deckt die ganze Vielfalt möglicher Lebensräume für Insekten ab: von städtischen Gebieten wie Baltimore oder Phoenix über die weiten landwirtschaftlich genutzten Flächen im Mittleren Westen, ökologischen Ausgleichsflächen bis zur arktischen Tundra in Alaska oder der Wüste New Mexicos. An all diesen Orten gibt es Insekten – wenn auch nicht überall die gleichen.

Bienen im US-Bundesstaat Washington.
Legende: Manche Arten seien auf dem Rückzug, andere auf dem Vormarsch, so die Forscher. Das grosse Insektensterben habe in den USA aber nicht eingesetzt. Keystone

Noch erstaunlicher als die gesammelte Datenmenge aber ist das Resultat der Untersuchung: Es sei kein genereller Insektenschwund zu beobachten, schreibt das Autorenteam in der Fachzeitschrift «Nature Ecology & Evolution». An einigen Standorten seien Vielfalt und Häufigkeit der Insekten zwar tatsächlich zurückgegangen, bei anderen wiederum hätten ihre Bestände zugenommen – oder seien unverändert geblieben.

Transatlantische Uneinigkeit

Unter dem Strich, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, hielten sich Verluste und Zunahmen ungefähr die Waage. Ist also alles nicht so schlimm? Das Insektensterben ein rein europäisches Phänomen? Das sei viel zu pauschal, argumentieren Fachleute in ersten Reaktionen auf die Untersuchung.

Western Bumblebee in Utah
Legende: Die Hummel – hier in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah – gehört zu den Arten, die in den USA auf dem Rückzug sind. Sie könnte bald auf der Liste der gefährdeten Arten landen. Keystone

Experten aus Deutschland machen zum Beispiel geltend, dass für die US-Studie Standorte einbezogen wurden, die in riesigen ökologischen Gebieten liegen und mit den kleinen Naturschutzgebieten Europas nicht vergleichbar seien. Oder man könne Datensätze von Mücken, Zecken oder Blattläusen, die kaum gefährdet seien, nicht mit jenen von Fluginsekten gleichsetzen, die in den europäischen Studien starke Rückgänge aufweisen.

Die amerikanischen Wissenschaftler halten dem entgegen, die schiere Fülle ihrer Daten über die lange Zeit zeige ein vollständigeres Bild der Insektenwelt als Studien, die nur auf lokale Trends fokussierten. Doch das Phänomen «Insektensterben» bleibe schwer fassbar. Und darin sind sich die Fachleute diesseits und jenseits des Atlantiks wohl einig.

Video
Im Boden ist es nicht ruhig – sondern zum Teil sehr laut.
Aus News-Clip vom 17.10.2018.
abspielen

Echo der Zeit vom 10.08.2020, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

23 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
    Wurden zu dieser Studie Zecken miteinbezogen, ist das allein schon unseriös, denn Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere. Sicher haben die USA noch mehr unberührte Flächen, aber es ist doch nicht zu leugnen, dass vorab die Landwirtschaft durch Pestizideinsatz, Monokultur, GT u.hierzulande viel zu wenige, wirklich wertvolle Ausgleichsflächen Insekten keine Chance lassen. Sie töten nicht nur Schädlinge, auch Nützlinge, Vögel u.Fledermäuse. Und die Zuwanderungspolitik gibt ihnen den Rest.
    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Beppie Hermann, sie waren wohl noch nie in den USA und haben die Riesenfelder gesehen, ist das keine Industrielle Landwirtschaft? Aber es ist natürlich weniger besiedelt und hat dadurch mehr Naturflächen.
    2. Antwort von Beppie Hermann  (Eine rechte Grüne)
      Konrad Schläpfer, genau das schrieb ich doch: Pestizideinsatz, Monokultur, GT ... nur dass es hierzulande wegen Überbevölkerung zusätzlich noch an natürlicher Fläche fehlt, wovon es in den USA vermutlich noch mehr gibt. Was wollen Sie mir sagen?
  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Insektenapokalypse - ein Wort, dass dem heutigen „Angst-Macher-Narrativ“ entspricht. Es hat mit der Realität nichts zu tun. Wenn die Erde für den Menschen schon längst unbewohnbar sein wird - etwas, was unabhängig von der „Klimaapokalypse“ irgendwann eintreten wird -, dann wird es noch Heerscharen von Insekten geben. Insekten sind Meister in der Anpassung an Lebensräume. Man lasse ein paar Quadratmeter Landfläche verganden und wundere sich über den Insektenreichtum aus dem scheinbaren Nichts.
  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Allenfalls machen die Amerikaner etwas besser als die Europäer, dass es dort den Insekten so viel besser geht.
    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Ganz einfach weniger dicht besiedelt, mehr Naturflächen.