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Mammut-Debatte um Covid-Gesetz
Aus Tagesschau vom 09.03.2021.
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Längste Nationalratsdebatte Marathonsitzung in Bern: Das sagen die, die dabei waren

Die Debatte um das Covid-19-Gesetz dauerte bis nach Mitternacht. Ein «behind the scenes» zeigt, wer damit wie umgeht.

Im Bundeshaus brannte gestern lange Licht. Bis nach Mitternacht haben die Nationalrätinnen und Nationalräte über das Covid-19-Gesetz und die dazu nötigen Kredite debattiert. Um 14:30 Uhr ging die Sitzung los. Beendet war sie kurz nach 00:40 Uhr. Jon Pult von der SP, Mike Egger von der SVP, Martin Candinas von der Mitte und Christa Markwalder von der FDP erzählen nach einer kurzen Nacht, wie man eine über zehnstündige Debatte aushält.

Parlamentsdienste bestätigen Rekord

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Mit zehneinviertel Stunden war die Sitzung des Nationalrats vom Montag «wissentlich tatsächlich die längste der jüngeren Parlamentsgeschichte». Das Büro des Nationalrats bestätigt damit die Aussage des Präsidenten der grossen Kammer, Andreas Aebi von der SVP, von vergangener Nacht. Die zweitlängste fand vor drei Jahren statt: Damals gab die Debatte über die Selbstbestimmungsinitiative, die bis 23:40 Uhr dauerte, zu reden.

Ist man die ganze Zeit im Saal und hört zu, oder hängt man am Handy? Ist man draussen mit Kolleginnen und Kollegen am Schwatzen und trinkt Kaffee?

Witze mit Kollegen zur Ablenkung

Das schaffe man, «indem man sich ablenkt, auch mal ein paar Witze reisst und die ganze Sache ein bisschen mit Humor nimmt», sagt Pult aus Graubünden. «Dann hält man das ohne Probleme aus. Es gibt durchaus härtere Jobs.»

Einige Parlamentarierinnen und Parlamentarier arbeiten sogar für einen anderen Job, den sie zum Beispiel in der Privatwirtschaft haben. Sie hören also nicht alle die ganze Zeit zu, was da vorne am Rednerpult gesagt wird.

Jon Pult
Legende: Witze reissen, die ganze Sache mit Humor nehmen. So hält man das ohne Problem durch, sagt Pult. Keystone

Wenn die Parlamentarier und Parlamentarierinnen immer zuhören und konstant dabei sein müssten, dann bräuchte es ein Berufsparlament. «Dann würde das mit dem Milizparlament, so wie wir es in der Schweiz haben, nicht mehr funktionieren», sagt Pult weiter. Auch Egger war während der Rekorddebatte oftmals ausserhalb des Parlamentssaals beschäftigt.

Mike Egger
Legende: Bis zuletzt versuchen, Mehrheiten zu generieren: Das halte einen auf Trab, so Egger. Keystone

Selbstverständlich sitzt man nicht die ganze Zeit an seinem Pult», sagt der St. Galler. «Es ist wichtig, dass man mit Kollegen, Kolleginnen von anderen Parteien diskutiert, debattiert und noch bis zuletzt versucht, Mehrheiten im Parlament generieren zu können. Das ist eine ganz, ganz wichtige Funktion, die wir im Parlament haben. Und so ist man eigentlich permanent auf Trab.»

Professionell bis zum Schluss

Und selbstverständlich kämen auch immer noch Medienanfragen hinzu, die es zu beantworten gelte, so Egger. Heute Morgen mussten die Rätinnen und Räte wieder einigermassen früh aus den Federn: Um 08:00 Uhr ging es los mit der nächsten Sitzung im Bundeshaus. Der Bündner Candinas hat zum Glück schon in seiner Jugend für solche langen Parlamentsnächte sozusagen «trainiert».

Martin Candinas
Legende: Das sei wie in den Ausgang zu gehen. Dann halte man ja auch durch, sagt Candinas. Keystone

«Das hält man problemlos durch, wenn man in den Ausgang geht – und früher ging man ab und zu in den Ausgang –, dann hält man es auch durch», sagt er. Schliesslich sei es doch auch etwas Spezielles, eine so lange Sitzung abzuhalten. «Ich sehe vor allem die positiven Seiten: Wir werden irgendwann einmal darüber lachen, wie lange die Sitzung gedauert hat und wie sie doch bis zum Schluss sehr gesittet professionell stattgefunden hat.»

Nachtmenschen sind im Vorteil

Dem pflichtet auch Markwalder bei. «Wir haben wirklich bis zum Schluss versucht, gute, vernünftige Lösungen zu finden.» Dies, obwohl es nicht so einfach sei, auch nach Mitternacht noch eifrig weiter zu debattieren. Doch sie hat Glück: «Mir persönlich kommt zugute, dass ich eher ein Nachtmensch bin, also dass ich abends eigentlich fit bin. Aber am Ende bin ich dann irgendwo gegen zwei Uhr nachts erschöpft und doch zufrieden ins Bett gesunken.»

Christa Markwalder
Legende: Markwalder kommt zugute, dass sie laut eigener Aussage eher ein Nachtmensch ist. Keystone

Die Politikerinnen und Politiker nehmen solche langen Parlamentsdebatten also einigermassen mit Humor. Das Ergebnis der langen Debatte lautete übrigens: Der Nationalrat schreibt dem Bundesrat nicht vor, dass Restaurants, Sportanlagen und Kulturbetriebe am 22. März wieder öffnen sollen.

Details dazu lesen Sie hier.

SRF 4 News, 09.03.2021, 06:00 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Christoph Heierli  (help)
    Candinas meint, wir Politiker werden einmal darüber lachen. Wir Wähler und Interessierte lachen bereits heute über dieses Kasperletheater. Dieser Profilierungsscheinkampf unserer "Politiker" betreffend Covid nervt den Normalbürger schon lange. Haben die vielleicht zu wenig Arbeit?
  • Kommentar von Susanne Saam  (Biennoise)
    Solche Schichten sind für das Pflegepersonal normal.
    1. Antwort von Roman Knoepfel  (winglet55)
      Die Sitzung hat um 8.00 Uhr angefangen. Ab 14.30 Uhr wurde das Covid Gesetz diskutiert, vorher waren andere Geschäfte auf der Traktandenliste.
  • Kommentar von Fritz Feuz  (F. Feuz)
    Das Resultat dies Monsterdebatte kann ein kleiner Schritt in eine eher ferne Normalität sein. Trotzdem halte ich an meiner Meinung fest, wonach die Debatte um das COVID 19 Gesetz (ist es überhaupt nötig?) zu einem bühnenreifen Theater geworden ist. Mit dem einzigen Unterschied, dass im richtigen Theater nicht richtig gestorben wird. Nicht allen, aber vielen unserer Legislativen haben eine verkümmerte Sozialkompetenz. Zu unserem Glück haben wir noch die Vierte Gewalt im Staat.