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Marburg-Virus: ein hämorrhagisches Fieber wie Ebola
Aus SRF 4 News aktuell vom 11.08.2021.
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Mit Ebola verwandte Krankheit Marburg-Virus in Guinea aufgetaucht

Erstmals ist das Virus in Westafrika nachgewiesen worden. Die WHO ist vor Ort und unterstützt die Behörden bei der Eindämmung.

Worum geht es? In Guinea ist das Marburg-Fieber aufgetaucht. Es ist das erste Mal, dass das Virus in Westafrika bestätigt ist. Die Behörden riefen die Bevölkerung dazu auf, Verdachtsfälle der lebensgefährlichen Infektion umgehend zu melden. In den vergangenen Jahrzehnten waren vor allem in Uganda in Ostafrika immer wieder kleinere Ausbrüche mit dem Marburg-Fieber erfasst worden. «Es ist unklar, wie das Virus jetzt auf einmal vom weit entfernten Uganda nach Westafrika gelangt ist», sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg.

Was ist das Marburg-Fieber? Das Marburg-Virus ist eng verwandt mit den Ebola-Viren und ebenso hochansteckend. Eine Infektion mit dem Virus geht mit Durchfall, schweren Kopfschmerzen, hohem Fieber und inneren Blutungen einher. Die Sterblichkeitsrate ist hoch. Das Virus wird vor allem durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten auf andere Menschen übertragen. Aktuell gibt es noch keine zugelassenen Medikamente oder Impfungen gegen den Erreger. Experten vermuten, dass die Erstansteckungen bei Ausbrüchen häufig auf infiziertes Fleisch von Wildtieren wie Flughunden oder Fledermäusen zurückgehen.

Was tun die Behörden? Bestätigt ist bislang erst ein Fall in Guinea – der Mann ist inzwischen verstorben. Die Behörden versuchen nun, alle Personen ausfindig zu machen und zu isolieren, mit denen der Mann in letzter Zeit Kontakt hatte. Laut offiziellen Angaben sind das 155 Personen. «Die Eindämmung des Virus ist eine ziemliche Herausforderung», sagt der Wissenschaftsredaktor. Bereits seien zehn Spezialisten der WHO in Guinea eingetroffen, um die Behörden dabei zu unterstützen. «Man versucht, die Ausbreitung des Virus mit allen Mittel zu verhindern.»

Ebola-Ausbruch gerade erst beendet

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Erst vor wenigen Wochen ist in Guinea ein Ausbruch mit dem Ebola-Fieber für beendet erklärt worden. Seit Februar 2021 wurden dabei rund 20 Menschen mit dem Virus infiziert, zwölf von ihnen starben nach Angaben der WHO. Im Gegensatz zum Marburg-Virus kann Ebola inzwischen mit einer Impfung bekämpft werden: Die WHO hatte im Februar nach Meldung des ersten Ebola-Falls umgehend 24'000 Impfdosen nach Guinea geschickt, um gefährdete Personen – vor allem Gesundheitspersonal – zu impfen.

Wieso heisst die Krankheit so? Das Marburg-Virus wurde erstmals 1967 dokumentiert, nachdem die Krankheit in einem Labor im deutschen Marburg ausgebrochen war – wohl infolge der Einfuhr von infizierten Affen aus Uganda. Mehrere Tierpfleger infizierten sich mit dem Virus, später auch welche in Frankfurt a.M. und in Belgrad. Überall dort wurden die importierten Affen als Versuchstiere eingesetzt. Insgesamt wurden damals 31 Personen infiziert, sieben von ihnen starben – eine Sterblichkeit von gut 22 Prozent. Diese lag damit deutlich tiefer als etwa bei einem grösseren Ausbruch in Angola 2005, als 88 Prozent der Erkrankten starben. «Die Sterblichkeit hängt stark von der medizinischen Versorgung ab», sagt von Burg.

SRF 4 News, 11.08.2021, 06:40 Uhr;

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Wiedler  (infonews)
    Eine Sterblichkeitsrate von 22%?! Sofort einen Impfstoff entwickeln!!!
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Es gibt bereits ein Impfstoff gegen das Marburg-Virus. Dieser wurde bisher an Resusfaffen erfolgreich getestet. Leider ist die Entwicklung und Testung eines Impfstoffes in diesem Fall nicht ganz so einfach. Denn das Virus bricht wenn nur lokal und sehr begrenzt unter Menschen aus. Im Unterscheid zu Covid kann man so keine Studien zur Wirkung durchführen. Auch wegen der hohen Sterblichkeit sind klinische Studien nicht wirklich durchführbar. Das, und nicht das Geld ist das Hauptproblem.
  • Kommentar von Andreas Schori  (malanders)
    Auf neue Impfungen darf man gespannt sein. Die mRNA-Impfstoffe für Covid-19 sind ein wichtiger Schritt, ein Pilot quasi. Mit diesem Prinzip können relativ günstig neue Impfstoffe hergestellt werden. Biontech und Moderna werden Gas geben. Es bleiben aber immer noch die Tests, und diese sind seeehr teuer, also eher für grossflächig vorhandene Krankheiten, wenigstens bisher.
    Wen würde man gegen das Marburg-Virus impfen? Alle? Wohl kaum.
    1. Antwort von Christian Kunz  (CK124)
      Es liegt in der Chemie, dass mRNA Impfstoffe sehr instabil sind und bei tiefen Temperaturen gelagert werden müssen, was in den Verbreitungsgebieten von Marburg und Ebolaviren grosse Herausforderungen bringt.
      Denk "klassische" Impfstoffe sind einfacher.
    2. Antwort von Andreas Schori  (malanders)
      @CK124: die klassischen Wege sind gar nicht so einfach.
      Für abgetötete Viren braucht man einen Wirt, der diese vermehren kann ohne dabei zu sterben. Die Chinesen haben da offenbar was für ihren Covid-19 Impfstoff. Aber bei jedem Virus ein anderer Wirt, Grippe-Viren z.B. aus Eiern.
      Beim anderen Weg, einem Oberflächenprotein des Virus als Antigen, muss die DNA dieses Proteins einem Bakterium oder einer Hefe eingebaut werden. Diese werden vermehrt, das Protein danach separiert. Aufwändig.