Zum Inhalt springen

Header

Audio
Ein Coworking Space in Wil (SG)
abspielen. Laufzeit 03:55 Minuten.
Inhalt

Neue Arbeitsformen Nach Corona-Home-Office: Kommen nun regionale «Coworking Places»?

Die Krise hat Firmen gezeigt: Homeoffice funktioniert – ihre Angestellten arbeiten auch ohne physische Präsenz. Diese Erkenntnis könnte die Entstehung lokaler «Coworking Places» beflügeln.

Beim Begriff «Coworking Places» denkt man an Grafiker, Programmiererinnen, Webdesigner, die selbständig sind und sich tagesweise einen Platz im Büro mieten – weniger an Angestellte, die in ihrer Firma einen fixen Arbeitsplatz haben.

Das könnte sich schon bald ändern. Einerseits haben viele Firmen dank dem Corona-Homeoffice-Experiment gelernt, dass ihre Mitarbeiter nicht zwingend im Büro arbeiten müssen. Andererseits fühlen sich viele Angestellte bei der Arbeit zu Hause nicht wohl, möchten aber trotzdem nicht mehr jeden Tag pendeln. Die Lösung: regionale Coworking Places, die in höchstens einer Viertelstunde Fahrzeit erreichbar sind.

Mitarbeitern Vertrauen schenken

Die Genossenschaft Village Office, Link öffnet in einem neuen Fenster will möglichst viele solcher Arbeitsplätze einrichten. Mitgründerin Jenny Schäpper sieht in regionalen Coworking Places die Vorteile des Homeoffice – ohne dessen Nachteile wie unergonomisches Arbeiten am Küchentisch, schlechte Internetleitung oder dauernde Ablenkung durch die Kinder.

Viele Arbeitgeber hätten bis vor Kurzem zwar immer noch eine «Pflichtpräsenzkultur» – aus Gewohnheit und weil das Vertrauen in die Mitarbeiter gefehlt habe. Das ändere sich jetzt, auch wegen Corona. «Wenn jeder die Option hat, einen oder mehrere Tage in einem regionalen Coworking Place zu arbeiten, ist das ein Gewinn für alle», sagt Jenny Schäpper:

  • Für das lokale Gewerbe, weil mehr Geld vor Ort ausgegeben wird.
  • Für die Umwelt, weil die Mobilität abnimmt.
  • Für die einzelne Mitarbeiterin, weil ihnen ohne Pendeln mehr Freizeit bleibt.
  • Für die Firmen, weil durch da entgegengebrachte Vertrauen die Loyalität der Mitarbeiter zunimmt.

Postulat für Coworking

Nationalräte aus sieben Parteien haben im Frühjahr ein Postulat, Link öffnet in einem neuen Fenster eingereicht, das vom Bundesrat fordert, Lösungen zu finden für regionales Coworking. Bis 2030 sollen 100’000 regionale Arbeitsplätze entstehen und einen Mehrwert bringen aus wirtschaftlicher Sicht, ökologisch und sozial.

Einen Überblick über Coworking-Möglichkeiten in der Schweiz gibt diese Karte, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Bundesamt für Informatik als Pionier

Schäpper ist überzeugt, dass Firmen schon bald nicht mehr darum herumkämen, flexiblere Arbeitsmodelle anzubieten. Weil in den nächsten Jahren viele Fachkräfte in Pension gehen, müssen sie diese ersetzen – und das gehe nur mit Menschen aus der jungen Generation, die Flexibilität einforderten.

Drei Personen sitzen um einen Tisch.
Legende: In einem regionalen Coworking Space könnten sich in Zukunft auch Angestellte einer Firma treffen. zvg

Das Bundesamt für Informatik hat die Zeichen der Zeit erkannt. Seit letztem Jahr können mehr als 1000 Mitarbeiter dort arbeiten, wo sie wollen – zum Beispiel in einem Coworking Space. Bei einer Stellenbesetzung vergrössert sich so das Einzugsgebiet möglicher Kandidaten enorm, weil auch jemand vom Engadin aus arbeiten kann und vielleicht nur zwei, dreimal pro Monat nach Bern in die Firmenzentrale fahren muss.

Arbeiten in der ehemaligen Poststelle

Damit in Zukunft möglichst viele Angestellte flexibel arbeiten können, sind lokale Coworking Spaces unabdingbar. Die Genossenschaft Village Office arbeitet darum auch mit Gemeinden zusammen, die so ihre Attraktivität erhöhen und Räume wieder mit Leben füllen können, die leer stehen. Zum Beispiel eine Poststelle, die eben geschlossen wurde.

Auch Bahnhöfe könnten zu Büroarbeitsplätzen umgenutzt werden. Village Office ist deshalb eine Kooperation, Link öffnet in einem neuen Fenster ausgerechnet mit jener Firma eingegangen, die zu einem schönen Teil vom Pendeln lebt: Die SBB plant, ihre regionalen Bahnhöfe mit Coworking Plätzen auszustatten.

SRF 3 19.6.2020 13:10

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Wo liegt der Unterschied, ob ich nun ins Büro oder in einen Coworking.Space gehe? Ich sitze gleichermassen im Zug, im Bus oder im Auto. Nur echtes HomeOffice kann helfen. Hier muss man nun zügig über Abzüge bei Steuern und zwingende Bezuschussung seitens Arbeitgeber reden. Nicht in 5 Jahren und nach 10 Vernehmlassungen, sondern sofort!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Wenn der Coworking-Space in ihrem Dorf um die Ecke läge, müssten Sie nicht pendeln, würden - in der Mittagspause - lokales Gewerbe nutzen, wären mit ihrer Nachbarschaft über das geschäftliche hinaus vernetzter - sprich - sie hätten mehr von ihrer Zeit.
      Hier wäre nun die Behörden gefordert Bürgern solche Spaces zu ermöglichen und damit auch interessante Bürger anzulocken.
      Auch Firmen könnten sich beteiligen, sparen sie ja selber Officekosten.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Es ist schade dass Remote-working im HomeOffice und/oder lokalen Coworking-Places hier nur im Zusammenhang mit Corona gedacht und geplant wird, löst Remote-Working ganz grundsätzliche Herausforderungen wie Engpässe in der Mobilität, Steigende Kosten fürs Pendeln, Entwurzelung und Entsozialisierung von Menschen durch dauernden Umzug oder fehlendem Bezug zur Nachbarschaft, Kollaps des lokalen Kleingewerbes etc.
    Singapur ist da weiter: da werden Stadtteile als autonome Work/Life-Hubs gestaltet
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Daniel Müller  (EstudiantDeDret)
    Wieso dauert Fortschritt in der Schweiz so lange ? Überall auf der Welt gibt es hunderte von Coworking spaces. Egal ob GB, Spanien, Portugal, Israel oder sonst wo man findet sie überall.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Ein Problem sind die horrenden Preise für Büroflächen.
      Hier könnten aber innovative Gemeinden helfen, indem sie Collabs als Teil einer langfristigen Standortmarketing-initiative denken, welche Work-Spaces über die Allokation von neuem interessanten. Wenn Gemeindeschreiber und -schreiberinnen, Bügermeister etc., sich heute neudeutsch auch schon CEO nennen, wäre es auch mal an der Zeit wie CEOs zu denken :-)
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von René Baron  (René Baron)
      Warum das so lange geht? Weil sich die Schweiz für dieses Thema nicht interessiert.
      Digitalisierungstechnisch sind wir in der Masse zum Drittweltland geworden, wo Hochschulen und CH-Startups Nabelschau betreiben und sich selber toll und förderungswürdig finden. Medien orientieren sich lieber an den in Schweiz angesiedelten Konzernen ohne zu merken, dass diese für die grossen Märkte, aber NICHT für die CH-Wirtschaft arbeiten, und uns deshalb auch nicht vorwärts bringen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Rolf Bombach  (RGB)
      Es liegt wohl auch daran, dass viele auch internationale Firmenzentralen hier stehen. Und die finden, es wäre prestigeträchtig, wenn sich möglichst viele (Büro-)Arbeitsplätze möglichst nahe am Paradeplatz befinden. Gerade bei Banken, Versicherungen und dergleichen gibt es viele Arbeitsplätze, die geradezu prädestiniert für dezentrale Büros sind. Dass Büroplätze im stillgelegten Schulhaus in Hintertupfingen teurer sind als in der ZH-City glaube ich nicht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Alfons Bauer  (frustriert)
      In allen grösseren Schweizer Städten gibt es seit Jahren Coworking Spaces. Dieser Artikel erinnert bloss wegen der Corona-Situation wieder daran.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen