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Erbgut ist bei Corona-Infektion mitentscheidend
Aus Rendez-vous vom 02.08.2021.
abspielen. Laufzeit 04:11 Minuten.
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Neue Genetik-Studie Corona: Entscheidet das Erbgut über Leben und Tod?

Das Rätsel namens Corona: im gleichen Haushalt erkrankten schon Vater und Tochter ziemlich stark, die Mutter und der Sohn hatten nichts. Bis jetzt war unklar, warum die einen gar keine Symptome entwickeln, und andere auf der Intensivstation landen.

Nun bringt eine gross angelegte Genetik-Studie mit Daten von 50'000 Corona-Kranken aus 19 Ländern Licht ins Dunkel. Wie das Fachmagazin «Nature» berichtet, entscheidet nicht zuletzt das Erbgut, ob eine Person überhaupt an Corona erkrankt und falls ja, wie schwer. SRF-Wissenschaftsredaktorin Katrin Zöfel ordnet die Ergebnisse ein.

Katrin Zöfel

Katrin Zöfel

Wissenschaftsjournalistin

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Katrin Zöfel ist Wissenschaftsredaktorin bei SRF. Sie ist Biologin und versucht zu verstehen, wie die Wissenschaft helfen kann, Antworten auf gesellschaftlich wichtige Fragen zu finden.

SRF News: Sind Sie von den Erkenntnissen der Genetik-Studie erstaunt?

Katrin Zöfel: Nein. Das Rätselhafte bei Corona ist, dass manche sehr schwer erkranken und andere wiederum gar nicht. Dafür muss es Gründe geben. Und dass manches in der Genetik begründet liegt, ist naheliegend.

Aus solchen Studien bekommt man Hinweise darauf, wie die Krankheit grundsätzlich funktioniert.

Was hat die Studie aufgezeigt?

Das Forscherteam hat geprüft, ob Patienten, welche schwer erkranken, sich im Erbgut von anderen unterscheiden. Also welche, die kaum krank werden oder sich gar nicht erst infizieren. Die Forscher haben 13 Stellen im Erbgut gefunden, die unter den Schwerkranken anders waren. Schaut man sich diese 13 Stellen an, wird es interessant: Eine zum Beispiel beeinflusst wahrscheinlich, wie häufig jemand ein ganz bestimmtes Molekül im Körper hat: das ACE-Molekül. Wer weniger von diesem Molekül hat, wird offenbar weniger leicht infiziert. Eine andere Stelle beeinflusst, wie sich bestimmte Immunzellen, die T-Zellen, nach einer Infektion verhalten. Eine dritte Stelle liegt nahe an einer anderen zentralen Schaltstelle im Immunsystem, welche mitbestimmt, wie Entzündungs-Prozesse verlaufen.

Im Nachhinein Muster zu finden ist leichter als solide Marker für eine saubere Vorhersage zu machen.

Lässt sich mit diesen Erkenntnissen voraussagen, wie der Verlauf einer Infektion wird?

Das Ganze umzudrehen ist schwierig. Etwas salopp gesagt: Hinterher ist man immer schlauer. Im Nachhinein Muster zu finden ist leichter als solide Marker für eine saubere Vorhersage zu machen. Zudem sind auch andere Faktoren entscheidend: Männer oder Menschen mit Übergewicht sind bei Corona stärker gefährdet. Das Alter ist nach wie vor einer der wichtigsten Risikofaktoren. All diese zusätzlichen Faktoren machen das Bild etwas unübersichtlicher.

Lassen sich aus den Erkenntnissen allenfalls neue Medikamente entwickeln?

Aus solchen Studien bekommt man Hinweise darauf, wie die Krankheit grundsätzlich funktioniert. Diese Erkenntnisse kann man nutzen. Eine der grossen klinischen Studien, die Recovery-Trial in Grossbritannien zum Beispiel, nutzt solches Wissen, um zu entscheiden, welche Medikamente sie ausprobieren wollen und welche nicht. Das erhöht die Chancen, dass sie das Richtige ausprobieren und Erfolg haben.

Haben Sie ein konkretes Beispiel dafür?

Ein Beispiel wären die ACE-Hemmer. Die aktuelle Studie gibt einen Hinweis darauf, dass es sich lohnen könnte, hier genauer hinzuschauen. Manche Firmen versuchen in diesem Bereich etwas zu entwickeln, was dann später in klinischen Studien zur Verwendung kommen könnte.

Wer ist der Auftraggeber dieser neuen Studie?

Das ist ein grosser, eher loser Zusammenschluss namens «Covid-19 Host Genetics Intiative». Den gibt es seit März 2020, mit dabei sind renommierte Forscherteams von Universitäten und Privatfirmen, welche Gentests vertreiben.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

Rendez-vous, 2.8.2021, 12:30 Uhr;

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80 Kommentare

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  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Was mir zu Beginn der Pandemie von Bildern aus Intensivstationen in Italien und den USA aufgefallen war, man sah grösstententeils übergewichtige/adipöse Menschen. Darum erstaunt es mich nicht, dass dieser Umstand zu den Risikofaktoren gehört. Dass das Alter irgendwie der Hauptgrund ist, kann durch die Todeszahlen wahrscheinlich bestätigt werden.
    1. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Meyer: Keine Ahnung welche Bilder Sie gesehen haben. Was ich gesehen habe waren keine übergewichtigen Menschen sondern sogenannt normal gewichtige und tendenziell ältere Menschen.
    2. Antwort von Christian Kunz  (CK124)
      Ausser bei Hippothermie ist Fettleibigkeit nicht von Vorteil.
      Jegliche Krankheiten sind bei Vorerkrankungen schwerer. Ist die Regel, nicht die Ausnahme.
      Ja, Adipöse Patienten haben ein erhöhtes Risiko, ältere auch, auch normal und keine Überraschung, aber eben auch keine Garantie für die anderen.
    3. Antwort von Alex Volkart  (Lex18)
      @ Herr Kunz: Vielen Dank für die Erklärung. Wie ist es den mit Rauchern, währen die wegen ihrer geschädigten Lunge nicht auch gefährdeter als Andere? Von den Infizierten in meinem Umfeld waren übrigens mit zwei Ausnahmen alles Raucher.
    4. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Volkart, Keine Ahnung welche Bilder Sie gesehen haben. Anscheinend waren es nicht die selben.
    5. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Herr Kunz, Sie meinen wohl Hypothermie. - Hippo = Pferd und unter Hippothermie ist Folgendes zu verstehen:
      „Hippothermie“ –. Heizen mit Pferden. Mist und Jauche als Wärmequelle
  • Kommentar von Martin Vischer  (Martin Vischer)
    97% der Opfer waren älter als 60 Jahre, 50% waren gar über 86. Es ist ganz bestimmt das Altersgen welches relevant ist. Oder ein Gen das bei jungen Menschen nicht vorkommt.
    1. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Es sind Gene, die entscheiden ob jemand über 60 die Infektion als kleine Erkrankung wegsteckt, wie es öfter geschieht, oder wochenlang in der Intensivstation liegt und schlimmstenfalls stirbt. 60 ist nicht wirklich so alt.
  • Kommentar von Jörg Kaufmann  (jka)
    Erbgut? Es ist ja bei manchen Eigenschaften von Menschen so. Auch bei anderen Krankheiten als Covid-19. So auch Neigung zu Gewichtszunahme, Allergien, etc.
    Die Aussage das Alter als Risikofaktor zu sehen ist wohl nicht ganz logisch. Vielmehr werden mit zunehmenden Alter eine Reihe anderer Risikofaktoren dominant, die es dann ausmachen. Es gibt Leute im Greisenalter die Covid-19 sogar ohne Spital überstanden haben. Zusammenhang ja, aber nicht Faktor.
    1. Antwort von Christian Kunz  (CK124)
      Alter ist ein Risikofaktor insofern sämtliche Körperfunktionen im Alter abnehmen ua. das Immunsystem und der Schutz vor Krankheit.
      Dieser Effekt ist generisch und nicht Covid bedingt.
      Bei der span. Grippe war die Situation atypisch und jüngere Personen mit gutem Imunsystem stärker getroffen, weil dieses überreagierte.