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Mit Einzeltickets preiswerter ans Ziel?
Aus Espresso vom 15.06.2021.
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ÖV-Tickets Preis-Falle in der SBB-App soll verschwinden

Wer sein Billett in der SBB-App kauft, erhält es in gewissen Fällen nicht zum günstigsten Preis.

Ein Mann macht einen Ausflug von Willisau in die Rossweid oberhalb von Sörenberg. Er kauft sein Billett in der SBB-App. Im Nachhinein stellt er fest, dass die Reise 20 Prozent günstiger gewesen wäre, hätte er das Billett für Zug und Bus und dasjenige für die Seilbahn von Sörenberg in die Rossweid separat gekauft.

Retourbillett in der App: 32.40 Franken. Billett für Bahn und Bus sowie Seilbahn separat: 25.80 Franken. Diese günstigere Variante hat die App dem Kunden nicht angeboten.

Das Problem mit den Tarif-Fallen ist bekannt

Absicht ist es nicht. Aber es ist problematisch, sagt Reto Hügli von Alliance Swisspass, der nationalen Tariforganisation des öffentlichen Verkehrs, ÖV. Es gebe deswegen auch immer mal wieder Reklamationen. «Die Problematik ist bekannt und wird aktuell in einem Projekt angegangen. Künftig sollen solche Fallen nicht mehr auftreten.»

Der Grund für diese «Tarif-Fallen» sind unterschiedliche Tarifsysteme. Im öffentlichen Verkehr gibt es einerseits regionale Tarifverbünde. Dort kauft man sein Billett für eine bestimmte Anzahl Zonen. Ein solches Verbundbillett ist während einer bestimmten Zeit gültig. Man kann damit während beispielsweise zwei oder 24 Stunden den ÖV in den bezahlten Zonen unbegrenzt nutzen.

Tarif-Systeme kommen sich in die Quere

Der zweite Tarif ist der sogenannte «Nationale Direkte Verkehr», NDV. Nach diesem kauft man sein Ticket für die Fahrt von einem Startort zu einem festgelegten Zielort. Ein solches Billett ist für nur eine einzige Fahrt von A nach B, beziehungsweise für eine Retourfahrt gültig. Der Preis wird, grob gesagt, nach der Fahrdistanz berechnet.

Im konkreten Fall liegen zwar Willisau und die Seilbahnstation Rossweid im Gebiet des Tarifverbunds Passepartout. Die Seilbahn macht beim Verbund aber nicht mit. Deshalb berechnet die App den Ticketpreis nach dem NDV-Tarif. Und dieser ist teurer als die Kombination aus Verbundbillett für das Gebiet von Willisau bis Sörenberg und Seilbahn-Retourfahrt in die Rossweid.

Die SBB-App kann solche «Tarif-Fallen» nicht erkennen. Sie berechnet automatisch immer den Preis für die Variante mit einem einzigen Billett. Sie kann eine Reise also nicht unterteilen in Billette für Teilstrecken, auch wenn dies günstiger wäre, sagt Reto Hügli. «Die App müsste ansonsten unzählige Varianten durchrechnen und würde nur sehr langsam reagieren.»

Die App-Funktion «EasyRide» macht es besser

Der Fall mit unterschiedlichen Billettpreisen für dieselbe Fahrtstrecke tritt vor allem auf, wenn man im Gebiet eines Tarifverbunds auch mit einem Transportmittel reist, welches nicht zum Verbund gehört. Meistens sind dies Seilbahnen oder Schiffe.

Als Kunde kann man in der SBB-App von sich aus Varianten eingeben, um herauszufinden, ob separate Tickets günstiger wären. Diese lassen sich in der App dann auch einzeln kaufen.

Nicht nötig ist das, wenn man in der SBB-App die Funktion «EasyRide» eingeschaltet hat. Diese zeichnet während eines Tages alle Fahrstrecken auf und berechnet am Ende des Tages die günstigste Preisvariante. «EasyRide» hätte dem Kunden im geschilderten Beispiel also die Variante mit zwei separaten Billetten verrechnet.

Espresso, 15.06.2021, 08:13 Uhr

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Im Artikel steht: Das Problem ist bekannt. Und was wird dagegen getan? Wenig? Nichts?
    Erste Massnahme sollte sein: feststellen wer alles abgezockt wurde, dann Rückerstattung des Differenzbetrags.
    Danach Registrierung der Sachlage, im Wiederholungsfall strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen.
  • Kommentar von Adriano Granello  (adgr)
    Das Problem sind nicht primär die diversen Apps zum Kaufen der ÖV-Tickets, sondern die zig Verkehrsverbünde innerhalb der kleinsträumigen Schweiz, die wie im Falle des ZVV Zürich bis auf ganz wenige Ausnahmen jeweils nur das Gebiet des eigenen Kantons abdecken. Und selbst innerhalb der Verbünde geht es bei den Zonen äusserst kleinlich zu und her, die richten sich oft nach den Gemeindegrenzen! Eine starke Vereinfachung und Abkehr vom Kantönli- und Gmeindli-Geist würde so manches Problem lösen!
  • Kommentar von markus ellenberger  (ELAL)
    Da sind wir im digitalen Zeitalters und es passieren immer wieder solche Dinge. Da kommt glatt der Verdacht auf es das ist gewollt. Jemand verdient immer eine goldene Nase.