Der rund 2,2 Tonnen schwere «Sentinel» (englisch für: «Wächter») verfügt über ein besonderes Radar-Instrument. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse dienen wissenschaftlichen Zwecken, etwa der Erfassung der Eismassen an den Polen.
Die Sentinel-Daten können aber auch bei Naturkatastrophen wie Überflutungen die Arbeit von Rettungskräften unterstützen. Sentinel-1A ist der erste Satellit in einer ganzen Satellitenflotte der europäischen Weltraumagentur ESA, die in den kommenden Jahren im Zuge des ehrgeizigen Copernicus-Programms ins All geschossen wird. Copernicus dient der Umweltbeobachtung.
Zustand des Planeten
Hinter Copernicus, einem Gemeinschaftsprojekt von Europäischer Kommission und ESA, verbirgt sich das grösste bislang entworfene Erdbeobachtungsprogramm. Sein Ziel ist, den aktuellen Zustand des Planeten kontinuierlich zu erfassen und Fernerkundungsdaten über Ozeane, Landoberflächen, Atmosphäre und Klimawandel zu sammeln – und diese Daten dann zeitnah Behörden, Unternehmen, Umweltämtern und Bürgern zur Verfügung zu stellen.
Mit Schweizer Technologie
Der Satellit hat auch Schweizer Technologie an Bord, unter anderem wichtige Bau- und Elektronikteile. Die Schweiz, die Gründungsmitglied der ESA ist, war von Beginn weg an der Mission beteiligt.
«Durch wiederholte Beobachtungen von denselben Gebieten, können Informationen über Veränderungen gewonnen werden. Zum Beispiel in Vulkangebieten oder in Gebieten mit Permafrost», erklärt Urs Frei. Er ist Leiter der Abteilung Raumfahrt beim Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation.
Nach dem europäischen Satelliten-Navigationssystem Galileo gilt Copernicus als zweites Flaggschiff der europäischen Weltraumpolitik. Dabei werden Sentinel-1A und sein baugleicher Schwester-Satellit Sentinel-1B, der im kommenden Jahr starten soll, eine grosse Rolle spielen: Die beiden Sentinel-1-Satelliten werden unter anderem vulkanische Aktivitäten in ihr Radar-Visier nehmen, ausserdem Erdbeben, Erdrutsche und Überschwemmungen.
Zudem werden sie das Meer beobachten, um Behinderungen durch Meereis oder Ölverschmutzungen frühzeitig zu erkennen und damit die Schifffahrt sicherer zu machen.
Hilfe bei Katastrophen
Die Daten der Satelliten dürften sich bei Katastropheneinsätzen als ausgesprochen hilfreich erweisen. Denn wenn bei humanitären Hilfseinsätzen Informationen in kurzer Zeit benötigt werden, können die innerhalb von 60 Minuten verfügbaren Sentinel-1-Bilddaten wichtige Aufschlüsse über die aktuelle Lage und Entwicklung geben.
Auch trüben weder Tageszeit noch Wetter den Radar-Blick der Satelliten – bei Wolken und Regen kann das moderne Radarinstrument an Bord der Satelliten ebenso Aufnahmen der Erdoberfläche fertigen wie in der Dunkelheit.
In den Folgejahren starten dann weitere Sentinel-Satelliten, die unser Wissen über die Umwelt und drohende Umweltprobleme vertiefen sollen: Die Sentinel-Missionen 2 bis 4 werden künftig unter anderem hochauflösende Kameraaufnahmen der Erdoberfläche sowie Messungen der Temperatur und Farbe der globalen Meeresoberflächen liefern.
Auch die Sentinel-5-Mission ist bereits beschlossene Sache: Vom Jahr 2021 an soll im Zuge dieses Projekts ein Spektrometer vom Weltraum aus ständig die Zusammensetzung der Atmosphäre analysieren. Dabei bestimmt das Gerät unter anderem den Gehalt an Spurengasen und Aerosolen – beide sind wichtig für das Klima und die Luftqualität.