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Ex-Profisportler teilen am Athletes Day ihre Erfahrungen
Aus Glanz & Gloria-Clip vom 09.10.2020.
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Plötzlich Alltag Spitzensportler nach Karriere: «Habe meine Identität verloren»

Am Athletes Day sprechen ehemalige Sportler über den schwierigen Weg vom Spitzensport zurück in die Gesellschaft.

Die Olympischen Spiele, der nächste Weltmeistertitel oder eine neue Bestzeit – Spitzensportlerinnen und Spitzensportler haben während ihrer Karriere stets ein klares Ziel vor Augen. Doch was kommt danach? Wie viel sind die hunderten Trainingsstunden in der Arbeitswelt wert?

Um Antworten auf diese Fragen zu ermöglichen, wurde das Athletes Network gegründet. Der ehemalige Nati-Fussballer Beni Huggel, Eishockeyprofi Severin Blindenbacher, Ski-Ass Niels Hintermann und HR-Experte Dave Heiniger wollen einerseits auf die Problematik aufmerksam machen und andererseits ein Netzwerk zwischen früheren Athletinnen und Athleten und Unternehmen aufbauen.

Pubertät gleich nochmal

Beim ersten Athletes Day, der Tagung des Netzwerks, ist auch Ariella Kaeslin dabei. Die ehemalige Kunstturnerin sah sich nach dem Ende ihrer Karriere mit Fragen konfrontiert, die sich die meisten Menschen bereits während der Pubertät stellen müssen. Sie ist zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits 24 Jahre alt. «Ich habe irgendwie nicht mehr in die Gesellschaft gepasst», erinnert sich die heute 32-Jährige gegenüber SRF. «Ich habe meine ganze Identität verloren.»

Seit sie ein kleines Mädchen war, sei sie für alle die Turnerin gewesen. Nach ihrem Rücktritt habe sie komplett die Struktur in ihrem Leben verloren. «Ich war in einer Erschöpfungsdepression. Schritt für Schritt habe ich mein Leben wieder mit Dingen gefüllt, die ich gerne tue.»

«Jemand muss dir eine Chance geben»

Die Struktur musste sich Kaeslin Schritt für Schritt erarbeiten. So erging es auch Beni Huggel 2012, als er sich aus dem Spitzensport zurückzog. Er war zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alt. «Du bist zu alt für das, was du eigentlich kannst», sagt der ehemalige Fussballer im Interview. Um wieder Fuss zu fassen, brauche es jemanden, der einem eine Chance gibt.

Das Netzwerk, das Huggel aufgebaut hat, soll genau das bieten: Unternehmen, die bereit sind, ehemaligen Athletinnen und Athleten eine Chance zu geben. «Vielleicht auch, weil sie überzeugt sind, dass jemand aus dem Spitzensport diese Mentalität mit in die Firma tragen kann», vermutet Beni Huggel.

Glanz & Gloria / 9.10.2020, 18:40 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Sportlerleistungen werden im Vergleich zu Leistungen von anderen Berufstätigen masslos überschätzt. Spitzenathlet*innen sind zudem teilweise masslos überbezahlt. Beides fühlt sich etwas dekadent an. Die Spitzensportler*innen kommen oft auch mit ihrer gesellschaftlichen Rolle nicht zurecht. Ein Kapitalismusauswuchs unter anderen.
    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      @Schneider: Nur ein kleiner Teil der Top-Athleten sind Überbezahlt. Der Grossteil ist unterbezahlt und selbst Goldmedallien-Gewinner in Randsportarten müssen häufig noch einer Lohnarbeit nachgehen. Denn Abseits von Fussball, Tennis, Eishockey und co. gibt es viele Sportarbeiten die kaum Zuschauer und somit auch keine Sponsoren etc. haben.
    2. Antwort von Christoph Brasser  (Christoph Brasser)
      @Schneider: Der Spitzensport ist vermutlich der Hauptgrund, dass Kinder sich zur Ausübung einer Sportart entscheiden, und hat auch darum eine wichige Funktion. Es ist auf jeden Fall besser, als dass sich die Kinder mit der Ueberwindung des Kapitalismus beschäftigen.
  • Kommentar von Corinne Ehrler  (Corinne Ehrler)
    Vielleicht sollte man einmal überdenken, ob es sinnvoll ist Spitzensport auch noch zu fördern...
    1. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Ja, definitiv. Aber nicht die Topklassen wie Fussball, Tennis etc. Sondern eben auch andere Sportarten wo es selbst als Goldmedalliengewinner keine dicke Prämien gibt. Triathlon, Schiessen, Mountainbike etc. darf ruhig gefördert werden. Denn dort hat die Schweiz viele Talente, welche ohne Sponsoring und mit Job nebenbei an der Olympiade gute Leistungen zeigen.
  • Kommentar von Jonathan Wolff  (Nathanloup)
    Spitzensportler müssen nur Leistungen erbringen, essen und schlafen. Praktisch alles andere wird ihnen gemacht und serviert. Sie haben nie gelernt, etwas selber zu machen und waren immer auf fremde Hilfe angewiesen. Aussagen wie "Ich musste lernen, was ich mag" unterstreichen die Hilflosigkeit und die Tatsache, dass nicht alles freiwillig wsr... Eigentlich völlig traurig. Bin froh, habe ich ein 08/15 Leben.
    1. Antwort von ely berger  (bernina)
      "Eigentlich völlig traurig." Da stimme ich Ihnen zu. Allerdings bezweifle ich, dass die grosse Mehrheit der "08/15" gelernt haben, was sie wirklich mögen und ihren Eignungen und Neigungen entspricht. Das braucht schon eine gehörige Portion an Selbstliebe und -achtung bzw. innerer Stärke. Nicht von ungefähr sang Mani Matter schon vor 50 Jahren: "Warum syt dir so trurig".