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Darwins Notizbücher sind verschwunden
Aus Echo der Zeit vom 24.11.2020.
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Polizei ermittelt Darwin-Notizbücher verschwunden: Cambridge vermutet Diebstahl

Heute vor 161 Jahren wurde Darwins Werk «Über den Ursprung der Arten» zum ersten Mal veröffentlicht. Und ausgerechnet heute musste die Universitätsbibliothek in Cambridge bekannt geben, dass zwei von Darwins Notizbüchern seit 20 Jahren vermisst werden.

Im Juli 1837 schrieb Charles Darwin «ich denke» in sein Notizbuch und zeichnete eine Skizze eines spindeldürren Baumes mit vielen Ästen. Der 28-jährige Naturforscher war kürzlich von einer wissenschaftlichen Reise von den Galapagos-Inseln zurückgekehrt, wo er grossen Spinnen, Echsen und vielen anderen seltsamen Wesen begegnet war.

Die Skizze war ein Stammbaum des Lebens, der erste Entwurf für Darwins bahnbrechendes Werk «Über den Ursprung der Arten», das rund 20 Jahre später publiziert wurde. Der Theorie, dass sich bestimmte Tiere im Laufe der Zeit aus anderen entwickelt haben und der Mensch nicht die Krone der Schöpfung, sondern ein naher Verwandter der Affen sei.

Damit hat Darwin viele bisherige Vorstellungen über das Leben und seine Ursprünge auf den Kopf gestellt – insbesondere, dass Gott alle Geschöpfe, grosse und kleine, erschaffen habe.

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Aus dem Archiv: Darwin und die Evolutionstheorie
Aus Einstein vom 12.02.2009.
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Notizbücher zuletzt vor 20 Jahren gesehen

Ausgerechnet diese Feldnotizen des britischen Forschers sind nun offenbar verschwunden. Zu diesem Schluss sind die Kuratoren der Universitätsbibliothek von Cambridge nach einer «ausgedehnten Suche» gekommen. Es sei herzzerreissend, sagte heute Jessica Gardner, die Bibliothekarin der Universität, gegenüber der BBC.

Die Notizbücher seien zuletzt im November 2000 gesehen worden, als diese ausserhalb der Bibliothek fotografiert worden seien. Die Fotos gibt es noch – aber die Notizbücher seien seither verschwunden. Dies stellte man jedoch erst zwei Monate später bei einer Routinekontrolle fest.

Suche dauerte fünf Jahre

Ursprünglich dachten die Bibliothekare, dass die Notizbücher vielleicht in ein falsches Regal geraten sind und machten sich auf die Suche. Diese dauerte fünf Jahre. Ein bisschen lang, könnte man denken. Angesichts der Grösse der Bibliothek jedoch vielleicht trotzdem nicht ganz überraschend. Die Bibliothek ist riesig und umfasst mehr als 200 Kilometer Regale, was in etwa der Entfernung von Lausanne nach Zürich entspricht. Sie beherbergt mehr als zehn Millionen Bücher, Karten und Manuskripte.

Zu Beginn dieses Jahres hat man noch einmal gesucht – aber immer noch keine Notizbücher. Dafür die wachsende Einsicht, dass diese wahrscheinlich nicht verlegt, sondern gestohlen wurden. Mittlerweile hat die Universität Cambridge bei der Polizei Anzeige erstattet. Darwins Notizbücher wurde ins britische Register für vermisste Kulturgüter aufgenommen – ebenso in die Interpol-Datenbank für gestohlene Kunstwerke.

Die Notizbücher sind klein und dünn, nicht grösser als eine Postkarte, haben jedoch einen immensen Wert. Fast unbezahlbar für die Gattung der Menschen und wahrscheinlich nur schwer verkäuflich für die Spezies der Langfinger.

Echo der Zeit vom 24.11.2020, 18 Uhr

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Das ist bestimmt durch die Evolution so, es hat sich vom notiz Büchlein zur echter bestseller entwickelt. Entspricht ja die Theorie. Oder?
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  • Kommentar von Achim Frill  (Africola)
    Das tut mir nicht im Geringsten leid, dass diese Notizbücher verschollen sind. Von mir aus könnte alles dieser unsäglichen Evolutionstheorie verschwinden, die den Menschen in die Sinnlosigkeit reduzieren will. Ich für meinen Teil bin jedenfalls froh, dass ich nicht ein Zufallsprodukt der Natur bin, sondern von einem unendlich kreativen Gott geschaffen, geliebt, mit einem einzigartigen Plan für mein Leben gewollt. Mein Leben hat Sinn.
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  • Kommentar von David Huser  (Dave21)
    Der britische Philosoph und Soziologe Herbert Spencer, von dem der Ausdruck survival of the fittest stammt, hatte bereits 1852 in A Theory of Population die natürliche Auslese als Faktor der Evolution antizipiert und auf die menschliche Population angewandt, aber erst Darwin weitete das Prinzip der natürlichen Auslese auf die gesamte Biologie aus.
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