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Online-Therapien sind wirksam
Aus Echo der Zeit vom 24.04.2020.
abspielen. Laufzeit 02:47 Minuten.
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Psychische Erkrankungen Die Psychotherapie aus der App

Die Forschung zeigt: Digitale Angebote bei Psychotherapien sind wirksam. Die Anbieter müssen sich ab Mai zertifizieren.

Von der Corona-Krise sind auch Psychiater oder Psychotherapeutinnen und ihre Klienten betroffen. Viele führen die Therapie per Video-Chat weiter.

Digitalisierung der Therapie

In den letzten Jahren entstanden neue Formen der Therapie, die digitale Hilfsmittel wie zum Beispiel Apps oder Webseiten nutzen. Solche Therapien hätten sich bewährt, sagt Thomas Berger, Leiter der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Uni Bern. Er forscht seit mehr als 15 Jahren zur Wirksamkeit von Psychotherapien, auch zu digitalen Selbsthilfe-Tools.

Viele dieser Hilfsmittel basieren auf der Kognitiven Verhaltenstherapie. Der Patient lernt, sich zu beobachten mit dem Ziel, etablierte Muster zu erkennen und zu überwinden. Digitale Hilfsmittel wie etwa Apps vermitteln den Hilfesuchenden Informationen und Übungen.

Wissenschaftler der Uni Bern haben mit Hermes , Link öffnet in einem neuen Fensterein Internet-basiertes Therapie-Angebot entwickelt, das bei depressiven Verstimmungen helfen und das psychische Wohlbefinden verbessern soll. Die Wirksamkeit wird zurzeit im Rahmen einer Studie evaluiert, eine Teilnahme ist kostenlos.

Therapien mit digitalen Hilfsmitteln haben viele Vorteile:

  • Sie sind wirksam bei den häufigsten Krankheiten wie Angststörungen oder Depressionen
  • Sie erreichen Menschen, für die der Gang zu einer Therapeutin eine unüberwindbare Hürde darstellt.
  • Sie erreichen Hilfesuchende schnell, Wartezeiten entfallen.

Nicht angebracht sind digitale Hilfsmittel bei akuten Krisen, etwa wenn jemand Suizidgedanken hat.

Therapeuten nicht überflüssig

Trotz der nachgewiesenen Wirkung ersetzten digitale Tools die Therapeutin nicht, sagt Thomas Berger. Die Erfahrung zeige, dass ohne Kontakt zu einem Therapeuten eine grosse Zahl der Hilfesuchenden die Therapie mit einer App wieder abbricht. Ganz anders sieht es aus, wenn Hilfesuchende regelmässig mit einem Therapeuten in Kontakt bleiben, zum Beispiel über Textnachrichten wie E-Mail oder Chat.

Digitale Hilfsmittel lassen sich auch gut mit konventionellen Therapie-Sitzungen kombinieren: Reduziert man die Anzahl der Sitzungen und nutzt zusätzlich eine App, so bleibt die Wirkung die gleiche wie bei der konventionellen Therapie mit häufigeren Sitzungen.

«Die beste Wirkung erzielt man, wenn man die Zahl der Sitzungen beibehält und zusätzlich noch digitale Hilfsmittel verwendet», so Thomas Berger. Er hofft, dass die Apps in Zukunft zu Steigerung der Effizienz genutzt werden und nicht, um Kosten zu sparen.

Zertifizierung für Therapie-Apps obligatorisch

Doch Achtung: Nicht hinter jeder App, die Hilfe verspricht, steckt ein professionelles Therapie-Angebot. Die Beurteilung, was serös ist und was nicht, sei für Hilfesuchende nicht einfach, sagt Thomas Berger. Man solle darauf achten, wer hinter einem digitalen Angebot stehe, ob die Macher über eine psychologische oder psychiatrische Weiterbildung verfügen und ob das Angebot wissenschaftlich auf Wirksamkeit überprüft wurde. Informationen zu Online Therapie-Angebote findet man auf der Webseite der Föderation Schweizer Psychologinnen und Psychologen, Link öffnet in einem neuen Fenster.

Auch die Behörden haben reagiert: Ab kommendem Mai gelten in der Schweiz und in der EU viele dieser Therapie-Apps als medizinisches Produkt und dürfen ohne Zertifizierung nicht angeboten werden.

Echo der Zeit vom 24. April 2020

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Jede langfristig nutzbringende Therapie kann nur in Anwesenheit von Mensch zu Mensch erfolgen. Dasselbe ist vom nachhaltigen Lernen zu sagen. Nur im Austausch unter anwesenden Menschen werden all die nonverbalen Ausdrucksnuancen wahrgenommen, denen neben dem rein „Faktischen“ eine entscheidende Wirkung zukommt. Sich spiegeln ist nur in Anwesenheit von realen Menschen möglich. Virtuelle „Bildschirm-Menschen“ sind in entscheidenden Bereichen „amputiert“. Therapie per App ist Nonsense.
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    1. Antwort von Roger Gasser  (allesrotscher)
      Dann lassen Sie's denen, denen es nützt!
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    2. Antwort von Andy Gasser  (agasser)
      Baumann: Ihre Aussage wird aber tagtäglich millionenfach wiederlegt. Es werden Beziehungen geschlossen und beendet, gestritten und versöhnt , lebhaft diskutiert und gemeinsame Nenner gefunden. All das Online und ohne persönlichen Kontakt. Wieso soll also eine Therapie nicht möglich sein? Und wie erklären Sie ihre Behauptung den Menschen, die via Skype ganze Fremdsprachen lernen? Es mag sein dass Ihre Ansicht auf Sie zutreffen. Aber bitte schliessen Sie daraus nicht auf alle Menschen.
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  • Kommentar von Lothar Drack  (samSok)
    Stutzig machen mich hier folgende Aussagen: «...hofft, dass die Apps in Zukunft zu Steigerung der Effizienz genutzt werden und nicht, um Kosten zu sparen.» Uiui, erinnert von Ferne und quasi reziprok an die frühgrüne Hoffnung, dank des papierlosen Büros Papier einsparen zu können, sowie «...ob die Macher über eine psychologische oder psychiatrische Weiterbildung verfügen». Bei der letzten Aussage muss man sich das Wort «Weiterbildung» auf der Zunge zergehen lassen. Ausbildung? Eh nicht gefragt?
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    1. Antwort von Roger Gasser  (allesrotscher)
      Es darf keine Diagnose "Psychose" und/oder "bipolare Störung" vorliegen. Wer das nicht abgeklärt hat kann aber trotzdem das eine oder andere oder beides mit sich herumtragen!!
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