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Roger Federer – Debatte um Seezugang in Rapperswil-Jona
Aus Schweiz aktuell vom 10.08.2021.
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Raumplan in Rapperswil-Jona Knatsch um Roger Federers Grundstück geht weiter

Sowohl Roger Federers Anwalt wie auch die Stadt Rapperswil-Jona betonen: Die Bauarbeiten auf Federers Grundstück schreiten voran. Ein Grüner Politiker bringt derweil eine alte Forderung neu aufs Tapet: ein öffentlicher Seeuferweg.

Jetzt, wo regelmässig von Roger Federers Seegrundstück am Zürichsee die Rede ist, fragt sich der grüne St. Galler Kantonsrat Marco Fäh: Was ist eigentlich mit dem Seeuferweg, den der Kanton St. Gallen schon 2003 in den Richtplan schrieb?

Im Richtplan des Kantons St. Gallen heisst es wörtlich: «Die Erstellung eines Seeuferweges ab Gemeindegrenze Kempraten bis zur Kantonsgrenze bei Feldbach ist mittelfristig zu verwirklichen.» Der Richtplan wurde am 23. April 2002 vom St. Galler Regierungsrat verabschieden und am 15. Januar 2003 vom Bundesrat genehmigt. Umgesetzt ist bisher noch immer: nichts.

Seeuferweg ginge Federers Grundstück entlang

Wo also bleibt dieser Seeuferweg in Rapperswil, will Fäh von der St. Galler Regierung wissen. Er hat deshalb eine einfache Anfrage im St. Galler Kantonsparlament eingereicht – und erwartet bis spätestens im Herbst eine Antwort. Fäh schreibt in seiner Anfrage weiter: «Gemäss Erkundigung bei der Stadt Rapperswil-Jona wurden in dieser Zone seit 2007 mindestens sechs Baubewilligungen erteilt. Enthielten diese Baubewilligungen die Auflage betreffend die entsprechende Uferfreihaltung zur Erstellung des Uferwegs und wurden entsprechende Einträge im Grundbuchamt veranlasst? Wenn nein, weshalb nicht?»

Vom Seeuferweg wäre auch Roger Federer unmittelbar betroffen. Im Richtplan ist dieser in oranger Farbe eingezeichnet. So wird klar ersichtlich: Der Seeuferweg soll an Federers Grundstück entlang geführt werden.

Legende: Dieser Screenshot des Richtplans des Kantons St. Gallen zeigt die betreffende Raumplanungszone mit Federers Grundstück (roter Punkt). geoportal.ch

Der Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, Martin Stöckling (FDP), winkt jedoch ab: «Das ist eine Fehlinterpretation des Richtplan-Eintrages. Ein Richtplan-Eintrag ist kein Auftrag, sondern eine mögliche Vorinformation. Und soweit wir das als Stadtrat beurteilen können, fehlt jeglicher politischer Wille, dort einen Weg zu machen.»

Stöckling führt aus: «Rapperwil-Jona hat eine Uferlänge von rund 14 Kilometern. Wenn man diese genauer anschaut, sind gerade mal vier Kilometer davon wirklich bebaut. Zehn Kilometer sind nicht bebaut, der See ist dort mittelbar und unmittelbar erlebbar.» Dies sei ausreichend.

Legende: In oranger Farbe ist der Seeuferweg eingezeichnet, den sich der Kanton St. Gallen wünscht. Beim roten Punkt befindet sich Roger Federers rund 18'000 Quadratmeter grosses Seegrundstück. geoportal.ch

Ist der Richtplan-Eintrag also bloss eine Papierleiche, die womöglich bald aus dem Richtplan verschwinden soll? Der Stadtpräsident dazu: «Ja, man könnte es so sagen: Es ist gewissermassen eine Papierleiche.»

Kantonsrat Marco Fäh will erst mal die Antwort der St. Galler Regierung abwarten, bevor er weitere Schritte plant. Für ihn ist allerdings klar: «Von einem solchen Seeuferweg würde die Mehrheit der Bevölkerung profitieren – und man könnte es so ausgestalten, dass es auch für Roger Federer verträglich ist.» Auch am Genfersee gebe es viele solche Wege, sagt Fäh: «Und dort wohnen auch viele vermögende Leute.»

Kanton kann Stadt nicht zwingen

Der Kanton St. Gallen betont gegenüber SRF: Der Richtplan sei nach wie vor gültig. Ein Seeuferweg vor Roger Federers Grundstück sei immer noch wünschenswert. «Die Stadt Rapperswil hat jedoch einen Ermessensspielraum», erklärt Ralph Etter, Leiter des Amtes für Raumentwicklung und Geoinformation.

«Doch die Stadt muss das Projekt eines Seeuferweges zumindest eingehend prüfen – und gut begründen, falls man sich allenfalls dagegen entscheidet», so Etter. Einfach in der Schublade verschwinden lassen, könne die Stadt Rapperswil-Jona den Richtplan nicht.

Schweiz aktuell, 10.08.2021, 19:00 Uhr

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143 Kommentare

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  • Kommentar von Erich Singer  (Mairegen)
    Es ist grotesk! Da hat man R. Federer jahrelang bei seinen Siegen zugejubelt, ihn des öfteren zum Schweizer Sportler des Jahres gewählt Die Stiftungen die er gegründet hat und finanziell unterstützt zählen nicht mehr. Jetzt wo seine Karriere langsam dem Ende zugeht beginnt ein knallhartes Federer- Bashing. Das ist eine Schande! Er kann doch mit seinem Geld machen was er will ausserdem ist er nicht verantwortlich das die Gemeinde mit dem Richtplan nicht zurecht kommt. Neidgenossenschaft pur!
    1. Antwort von Ueli von Känel  (uvk)
      Herr Singer: Die kritischen Stimmen hier sind überhaupt nicht grotesk. Ihre Entgegnung ist rein subjektiv,mit der peniblen Unterstellung "Neidgenossenschaft".Sie wissen nämlich längst,dass z.B. ich nicht einer Neidkultur angehöre; denn ich möchte gar nicht so reich sein, weil unmoralisch. Und Federer wurde mir auch eher unsympathisch, weil er noch in Fernsehwerbung auftritt. Es ist weitgehend nicht durch eigene Leistung verdientes Geld.Ich trete für mehr soziale Gerechtigkeit ein. Das ist es.
  • Kommentar von Mark Gisler  (markgis)
    Also beim Thema Uferweg geht es eigentlich um Enteignung und Schutz des Eigentums. In der Schweiz ist der Schutz des Eigentums relativ gut gewährt, was wohl auch ein Grund für den Reichtum der Schweiz ist.

    Im Gegensatz zum Meeresufer konnte man hier immer Grundstücke mit Seeufer kaufen. Wenn man es dann jemandem wegnehmen will, dann muss man ihn entschädigen. Ob es Federer ist oder der vorherige Eigentümer.

    Dass es hier um Federer geht, ist Boulevard-Niveau.
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Für mich kommt es in einem Rechtsstaat darauf an, was im Kaufvertrag des Grundstückes und im Grundbuch festgehalten ist. Wenn die Planung des Uferweges erwähnt ist, dann ist es klar, dann kann der Weg auch dem Ufer entlang realisiert werden. Ist nichts vermerkt, dann besteht dennoch die Möglichkeit, den Weg beidseitig zur Strasse hin zu führen, damit das Grundstück umgangen werden kann und der Seeanschluss gewährt bleibt.
    1. Antwort von Alois Krieger  (aloiskr)
      Im Grundbuch steht so etwas nicht. Der Richtplan ist eine Planung des Kantons. Etwa wie wenn der Bund eine Autobahn bauen will.

      Um ihn zu realisieren, muss man den Grundeigentümer (ob es Federer oder der vorige Besitzer ist) entschädigen. Enteignungen sind nur ein letztes Mittel in der Schweiz, wenn ein hohes Allgemeines Interesse besteht und keine Alternativen möglich sind.

      Da die Gemeinde schon relativ viele Uferwege hat, ist das Interesse am Uferweg nicht so gross.