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Operndiva Jessye Norman gestorben
Aus Tagesschau vom 01.10.2019.
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Sängerin Jessye Norman ist tot «Eine der grossartigsten Stimmen verloren»

  • Die Welt der klassischen Musik hat mit Jessye Norman eine ihrer herausragenden Vertreterinnen verloren.
  • Die gefeierte Sopransängerin starb im Alter von 74 Jahren, wie ihre Familie am Montag mitteilte.
  • Die Metropolitan Opera in New York widmet ihr die heutige Vorstellung von «Porgy and Bess».

Die US-Opernlegende Jessye Norman ist tot. Die gefeierte Sopransängerin starb im Alter von 74 Jahren, erklärte ihre Familie am Montag. «Wir sind so stolz auf Jessyes musikalische Leistungen und die Inspiration, die sie Zuhörern weltweit gegeben hat und die weiter eine Quelle der Freude sein wird».

Schon als Kind für Opern begeistert

Norman war am 15. September 1945 in Augusta im US-Bundesstaat Georgia als eines von fünf Kindern in eine musikalische Familie hinein geboren worden. Schon als Kind hörte sie Opern im Radio.

«Ich erinnere mich, dass ich gedacht habe, dass Operngeschichten nicht anders als andere Geschichten sind: Mann trifft Frau, sie verlieben sich, sie können aus irgendeinem Grund nicht zusammen sein und meistens geht es nicht gut aus», schrieb Norman in ihrer Autobiografie. «Für mich waren das Erwachsenen-Versionen von Geschichten, die ich schon kannte.»

Stationen eines Opernstars

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  • Norman wurde am 15. September 1945 in Augusta im US-Südstaat Georgia in einer Familie von Hobbymusikern geboren.
  • Schon als Vierjährige begann sie, Gospel zu singen. Früh interessierte sie sich dann für Opernmusik.
  • Sie studierte an der für Schwarze gegründeten Howard Universität in Washington, später am Peabody-Konservatorium und an der Universität von Michigan.
  • Ihr Debüt feierte sie 1969 an der Deutschen Oper Berlin.
  • Der vielfach ausgezeichnete Opernstar sang bei den Amtseinführungen von zwei US-Präsidenten, bei der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 1996 in Atlanta und bei den Feierlichkeiten zum 200-jährigen Jubiläum der Französischen Revolution 1989.

  • In den vergangenen Jahren trat sie nur noch selten auf.

  • Norman gewann in ihrer Laufbahn vier Grammys für ihre Aufnahmen und einen für ihr Lebenswerk, zudem die Ehrenmedaille National Medal of Arts.

  • Die Afroamerikanerin feierte als eine der ersten dunkelhäutigen Künstler in der Opernwelt Erfolge. Sie war vor allem als Interpretin von Opern Richard Wagners bekannt. Aber auch als Jazz-Interpretin machte sich Norman einen Namen.

  • Die Sopranistin starb am Montag im Alter von 74 Jahren in einem Spital in New York, wie unter anderem die «New York Times», der Radiosender NPR und auch die Metropolitan Opera New York (Met) erklärten.
  • Ursache dafür waren ein septischer Schock und Multiorganversagen infolge von Komplikationen nach einer Rückenmarksverletzung, die sie 2015 erlitten hatte.

Als Schwarze in der von Weissen dominierten Welt der klassischen Musik sorgte sie rasch für Aufsehen. Ende der 1960er Jahre siedelte sie nach Europa über und heuerte an der Deutschen Oper in Berlin an.

Sie sang an zahlreichen weiteren renommierten Opernhäusern und machte sich mit ihrem warmen Timbre unter anderem als Wagner-Interpretin einen Namen.

Auftritte in der Schweiz

Schliesslich liess sie sich in London nieder und widmete sich jahrelang Liederabenden. Auch in der Schweiz begeisterte die Sängerin ihr Publikum – etwa im Jahr 2006 in Gstaad und im Jahr 2010 in Montreux.

Norman und Nobs in Montreux
Legende: Die Sopranistin bei ihrem Auftritt in Montreux 2010 mit dem Festival-Gründer Claude Nobs. Reuters

Zu ihrem grossen Repertoire gehörten auch Werke unter anderem von Francis Poulenc, Leos Janáček, Béla Bartók, Giuseppe Verdi, Richard Strauss oder Arnold Schönberg. Sie galt als eine der weltweit bekanntesten Opernstars, wurde aber auch als Jazz-Interpretin geschätzt.

Humanitäres Engagement

In einer Erklärung ihrer beiden Geschwister James Norman und Elaine Sturkey hiess es, sie seien stolz auf die musikalischen Leistungen Jessye Normans. «Wir sind ebenso stolz auf ihr humanitäres Engagement im Kampf gegen Hunger, Obdachlosigkeit, für Ausbildung der Jugend sowie Kunst- und Kulturbildung.»

Die Metropolitan Opera (Met) in New York, an der sie in rund 80 Aufführungen mitwirkte, teilte mit, man trauere um Norman – «eine der grossen Sopranistinnen des vergangenen halben Jahrhunderts.»

«Einer der grössten Künstler auf unserer Bühne»

Met-Generaldirektor Peter Gelb sagte: «Jessye Norman war einer der grössten Künstler, die je auf unserer Bühne gesungen haben». Ihr Vermächtnis werde für immer weiterleben.

Die Met zum Tod von Jessye Norman

Norman habe das Publikum mit ihrem schönen Ton, ihrer aussergewöhnlichen Kraft und ihrem musikalischen Feingefühl begeistert. Die heutige Vorstellung von «Porgy and Bess» sei Norman gewidmet.

Operndiva Renee Fleming zum Tod ihrer Kollegin

Auch zahlreiche Kollegen und Stars betrauerten den Tod der Sängerin. «Was ein betroffen und traurig machender Verlust heute», schrieb die Operndiva Renee Fleming per Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Sänger Rufus Wainwright kommentierte: «Die Welt hat eine der grossartigsten Stimmen verloren, die wir je hatten und gehört haben. Sie hat sich für uns ausgeschüttet. Ruhe in Frieden, liebste Jessye Norman.»

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Anna-Maria Locher  (Wellensittich)
    RIP JESSIE...war eine aussergewöhnliche Künstlerin! Eine äusserst wunderschöne Stimme, Musikalität und Ausstrahlung. Sie hinterlässt in der Musikwelt eine ganz grosse Lücke...aber ihre Stimme wird ewig in uns und auf der ganze Welt weiterklingen.
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  • Kommentar von Juha Stump  (Juha Stump)
    Ihre Stimme ist nicht für immer verloren, es gibt ja zum Glück unzählige Aufnahmen von ihr. Bei dieser Gelegenheit ist wieder einmal an Marian Anderson zu erinnern, die eine ebenso gute und klangvolle Stimme hatte, aber in einer Zeit lebte, in der es Schwarzen zum grössten Teil sogar verboten war, auf Opernbühnen zu singen. Auch dank ihrer Pionierarbeit wurde später der Weg für Sängerinnen wie Felicia Weathers oder eben auch Jessye Norman gebahnt.
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  • Kommentar von Ilse König  (königin)
    Sie kann mit Stolz behaupten, grossartige Spuren hinterlassen zu haben. Diese Lücke wird auch bleiben, war sie, wie andere Künstler auch, einmalig. R.I.P.
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