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Allreal lässt Wohnungskäufer im Regen stehen
Aus Kassensturz vom 21.09.2021.
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Sanierungsfall nach Baupfusch Allreal lässt Wohnungskäufer im Regen stehen

Eine Überbauung von Allreal ist nach elf Jahren bereits ein Sanierungsfall. Die Kosten gehen in die Millionen.

«In meinem Fall kostet mich das 150'000 Franken», erzählt Wohnungsbesitzer Martin Weber. Eine Eigentümerin in der gleichen Überbauung sagt dazu: «Ich wollte mit 65 Jahren in Rente gehen, jetzt wurde mir ein Strich durch die Rechnung gemacht.» Die Wohnung hätte den beiden im Alter eine Sicherheit geben sollen, stattdessen müssen sie ihr Erspartes für eine ausserplanmässige Sanierung ausgeben.

Der Fehler begann bereits beim Bau

Von 2006 bis 2008 baute der Generalunternehmer Allreal eine Grossliegenschaft im Kanton Zürich. Die rund 80 Wohnungen verkaufte Allreal in den Folgejahren an private Käufer. Die neuen Eigentümer freuten sich, eine baufertige Wohnung zu erwerben, da gerade bei einer neuen Wohnung in den nächsten Jahren keine grösseren Erneuerungsarbeiten zu erwarten sind. Doch da irrten sie sich gewaltig. Bereits 2011 meldeten einzelne Eigentümer morsche Fensterrahmen. Die ersten Schäden wurden stillschweigend im Auftrag von Allreal behoben.

Nach einigen Jahren tauchten weitere Schäden bei der Fensterkonstruktion an der Aussenfassade auf. Diverse Gutachten im Auftrag der Eigentümer hielten die Schäden fest. Sie kamen zum Schluss, dass Wasser in die Fassade geflossen war. Dadurch faulten die Fensterholzrahmen, bis ganze Teile der Konstruktion wegbrachen. Die Eigentümer forderten Allreal auf, die Sanierungskosten zu übernehmen, denn hier wurde offensichtlich gepfuscht. Der Generalunternehmer wies die Schuld von sich und berief sich auf die abgelaufene Frist. Mängel müssen gemäss Gesetz innerhalb von fünf Jahren gemeldet werden. Verpasst man als Bauherr diese Frist, kann keine Haftung mehr geltend gemacht werden.

Unsachgemässe Abdichtungen

«Kassensturz» bittet Bauexperte Othmar Helbling, sich die Schäden anzusehen. Er kommt zum gleichen Schluss wie diverse Gutachter zuvor: Die Fensterrahmen hätten mit einer fest montierten Abdeckung vor Witterung geschützt werden müssen, damit kein Wasser in die Holzkonstruktion eindringen kann.

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Othmar Helbling, Baufachmann: «Der Schaden konnte entstehen, weil hier diverses vernachlässigt wurde.»
Aus Kassensturz vom 20.09.2021.
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Stossend findet der Bauexperte auch, dass Allreal von den Schäden an einigen Wohnungen schon lange Kenntnis hatte. «Ein Bauprofi hätte erkannt, dass dies ein systemantischer Fehler ist. Er hätte sämtliche Balkonfenster am Gebäude kontrollieren sollen.» Für Othmar Helbling ist klar: Allreal als Generalunternehmer trägt hier die Verantwortung.

Allreal stütz sich aber weiterhin auf die Gesetzgebung und lehnt jede Haftung ab. Sie schreibt «Kassensturz» auf Anfrage: «Die Montage der Fenster erfolgten nach den damals geltenden Regeln der Baukunst und den entsprechenden Normen.»

Eine Unternehmung, die null Kulanz zeigt, ist meiner Meinung nach absolut nicht kundenfreundlich. Mit einer solchen Firma möchte ich nichts mehr zu tun haben.
Autor: Wohnungsbesitzerin

Frust bei den Eigentümern

Bei den Eigentümern sitzt der Frust tief. «Allreal mogelt sich mit Ausreden durch», kommentiert eine Wohnungsbesitzerin. Ein weiterer findet klare Worte: «Eine Unternehmung, die null Kulanz zeigt, ist meiner Meinung nach absolut nicht kundenfreundlich. Mit einer solchen Firma möchte ich nichts mehr zu tun haben.»

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Studiogespräch mit Hubert Stöckli, Professor für Vertragsrecht
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Kassensturz, 21.09.21, 21:05 Uhr

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Tamara Frei  (Ninanu)
    Ich habe vor 3 Jahren ebenfalls eine Wohnung gekauft. Zum Glück ist es bei uns nicht so dramatisch wie im Fall hier, aber ich frage mich schon, ob es noch Baufirmen gibt, bei denen man nicht solche Probleme riskiert. Wo gearbeitet wird passieren Fehler, ja, aber es wird bis zum letzten Moment alles abgestritten und keine Verantwortung übernommen. Die Firmen kassieren ein und wollen danach nicht mehr verantwortlich sein. Bedeutet für mich, Anwalt beigezogen und gehe damit vor Gericht.
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  • Kommentar von Peter Barmettler  (Baro)
    Wir haben auch ein aktuellen Fall mit Feuchtigkeit hinter der Fassade kurz vor Ablauf 5-Jahresgarantie. Es liegt auf der Hand, dass die Lösung nicht vor Ablauf der Frist gefunden wird, wie können wir als Eigentümer die Frist unterbrechen oder Garantieverlängerung beantragen, damit es nicht soweit kommt, wie im Film?
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    1. Antwort von Tamara Frei  (Ninanu)
      Gemäss meine Abklärungen kann die Frist nur mit einer Klage unterbrochen werden, vorausgesetzt die Rügefrist wurde eingehalten, sonst wird es bereits schwierig. Eine Garantieverlängerung kann nur mit der Baufirma vereinbart werden und die werden vermutlich nicht darauf eingehen, da es ja zu ihren Ungunsten ist, wenn Sie länger Zeit haben zu beweisen dass ein Mangel vorliegt.
  • Kommentar von Nico Wick  (nicofoto)
    Unsere 7 Mehrfamilienhäuser wurden von Implenia erstellt und ab 2009 an die Eigentümer übergeben. 2011 erste Reparaturen wegen falsch eingebauten Fenstern. 2013 gleichgelagerte Schäden an einer weiteren Fassade. 2018 wurde klar, dass die Westfassade sämtlicher Häuser einer Totalsanierung bedurften. Kostenpunkt: bis ca. 100'000.-/Fassade.
    Dass die Verwaltung tatenlos zusah und die Eigentümer nie über den Sachverhalt aufklärte, ist der eigentliche Skandal. Und abenfalls ein Thema!
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