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Streaming-Dienste haben für die Musikbranche auch Vorteile
Aus Espresso vom 18.09.2020.
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Schweizer Musiktag Macht Streaming die Musik kaputt?

Spotify, Apple Music und Co. machen Schweizer Musikern das Leben schwer. Die Streamingdienste haben aber auch Vorteile.

Immer mehr Menschen hören Musik über Streamingdienste, anstatt Tonträger zu kaufen oder die Musik digital zu erwerben. Bands und Sängerinnen beschweren sich über die niedrigen Entschädigungen durch Dienste wie Spotify, Apple Music oder Deezer. Soll man als Konsumentin oder Konsument also besser CDs kaufen? So einfach ist es nicht, sagt der Präsident der unabhängigen Musiklabels und -produzenten in der Schweiz, Andreas Ryser.

So funktionieren Streaming-Dienste

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Konsumenten lösen bei Diensten wie Spotify, Apple Music, Deezer, Youtube oder Amazon ein Abonnement und zahlen monatlich einen Betrag. Dafür dürfen sie dann über das Internet unbegrenzt Musik hören. Zum Teil gibt es auch Gratisdienste, die durch Werbung finanziert werden.

Von den Abo-Gebühren und Werbeeinnahmen ziehen die Anbieter einen Anteil für sich ab, der Rest wird nach einem relativ komplizierten Schlüssel an die Künstler verteilt. Der ausbezahlte Betrag pro gestreamtem Musikstück ist von Land zu Land und teils sogar regional unterschiedlich, er ist auch je nach Abonnement bzw. Gratisdienst verschieden und wird jeden Monat neu berechnet.

In der Schweiz gibt es pro Stream rund 0,4 Rappen. Das heisst, wird ein Musikstück eine Million Mal gehört, verdienen die Künstler 4000 Franken. Für den gleichen Betrag müssten sie etwa 1000 CDs verkaufen.

Es sei ein Systemwechsel passiert, so Andreas Ryser im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso». Früher war es egal, wieviel Mal Musik gehört wurde, solange sie nur gekauft wurde. Heute erhalten Künstler nur Geld, wenn Musik gehört wird. Die Hörer «mieten» die Musik, anstatt sie zu kaufen. «Das ist eine komplette Veränderung», so Andreas Ryser.

Patent Ochsner verdienen 560 Franken im Monat

Nun sind Künstler im Vorteil, deren Musik viel und über Jahre gehört wird. Das Newsportal «Watson» hat eine Liste veröffentlicht mit den 50 Schweizer Musikern, die auf Spotify am meisten gehört werden. Berechnet man die Einnahmen annäherungsweise mit 0,4 Rappen pro Stream, sind die Unterschiede gross: Patent Ochsner verdient auf Spotify gerade einmal 560 Franken pro Monat, die Sängerin Ilira dagegen erhielt den stattlichen Betrag von gegen 20'000 Franken.

Generell kommt man mit Nischen-Musik oder auch klassischer Musik, wo ein Stück auch einmal eine Viertelstunde dauert, mit Streaming auf keinen grünen Zweig, so Andreas Ryser. Hier seien Künstlerinnen und Künstler darauf angewiesen, dass die Fans physische Tonträger kaufen – häufig seien diese dann auch an Konzerten erhältlich.

Schweizer schaffen es kaum in globale Playlists

Ein reelles Problem für Schweizer Interpreten auf globalen Streaming-Plattformen sei, dass sie vernachlässigt werden, so Andreas Ryser. Es gibt Playlists, wo je nach Stil und Thema Musikstücke von verschiedensten Künstlern nebeneinander gestellt werden. Schweizer Künstler schaffen es nur in Ausnahmefällen auf solche Playlists. Spotify beispielsweise habe niemanden, der sich um die Schweizer Musikszene kümmert: «So ist es schwierig, eine gewisse Reichweite zu erzielen.»

Doch er als Chef eines Musiklabels sehe durch die Streamingdienste vor allem Vorteile, auch für die Künstler, so Andreas Ryser. Insbesondere Spotify biete viele Vorteile: «Wir bekommen viele Informationen über die Hörerinnen und Hörer – wir wissen beispielsweise, wo sie herkommen und was sie hören.»

Für Konzerte ist Spotify ein Glücksfall

Für die Planung einer Tournee sei das wichtig. Ebenso, dass man über Spotify auch gezielt Werbung für Konzerte an die User verschicken könne. Zudem könnten Bands laut Andreas Ryser durch Streaming auch sparen, sie müssten weniger CDs produzieren und in die Läden verteilen, was sehr teuer sein kann.

Für die Zukunft des Streamings gibt sich Andreas Ryser denn auch optimistisch. Spotify zum Beispiel habe weltweit «erst» 270 Millionen Nutzerinnen und Nutzer, nur die Hälfte davon habe ein Abonnement. Da gebe es noch viel Luft nach oben, und so auch viele mögliche Einnahmen für Künstlerinnen und Künstler.

Espresso, 18.09.2020, 8:13 Uhr

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Holzer  (Peter Holzer)
    Es wird auch immer wieder suggeriert, das das Angebot die Nachfrage steuert, was logischerweise komplett falsch ist! Spotify existiert nur weil der Konsument es will und nicht umgekehrt.

    Wenn meine Dienstleistung (Musik) genutzt wird, so möchte ich nichts weiter als dafür fair bezahlt zu werden. So wie auch der Verkäufer, Pöstler, Fotograf und die Dame am Postschalter.

    Wer denkt das Flatrate-Model (in jeder Branche) führe nicht zu Problemen, der ist nicht ehrlich zu sich selbst.
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  • Kommentar von Peter Holzer  (Peter Holzer)
    Wir alle sollten lernen unser Verhalten etwas kritischer und ehrlicher zu bewerten. Die Musiker sind immer ein einfaches Ziel, da man hauptsächlich die Berühmtheiten kennt die in Saus und Braus leben und das „Erstellen“ von Musik nicht als seriöse Arbeit angesehen wird.

    Die Spirale dreht sich aber weiter und die Technik kenner wissen, das z.B. durch immer besser werdende 3D Drucker auch bald unzählige physische Produkte digital verfügbar sein werden und Jobs wegfallen. Monatsabo für CAD Daten
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  • Kommentar von Peter Holzer  (Peter Holzer)
    Die Aussagen hier zu diesem Thema zeigen wunderbar die diskrepanz zwischen „ich will alles sofort in unbegrenzter Anzahl zum kleinsten Preis“ und dem Verständnis und Wertschöpfung von geleisteter Arbeit.

    Man nimmt 2-3 bekannte Schweizer Musiker und vergleicht sie mit allen anderen und „rechnet ab“. Dazu hat man noch das romantische Bild des Musikers der ja eigentlich nicht arbeitet, sondern den ganzen Tag aus Spass etwas auf seiner akustischen Gitarre herumklimmpert. 2020 oder 1969?
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