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Legende: Audio Die Menschen fanden im äthiopischen Hochgebirge alles zum Leben abspielen. Laufzeit 09:47 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 09.08.2019.
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Sensationsfund in Äthiopien Steinzeitmenschen im Gletschergebirge

Schon vor zehntausenden Jahren lebten steinzeitliche Jäger im Hochgebirge Äthiopiens. Sie ernährten sich von Maulwurfsratten.

In den äthiopischen Bale Mountains ist ein internationales Forchungsteam auf die bislang ältesten Spuren einer Hochgebirgssiedlung gestossen. Demnach bewohnten steinzeitliche Jäger bereits vor über 40'000 Jahren zumindest zeitweise einen Felsunterstand (Fincha Habera genannt) auf fast 3500 Metern Höhe.

Bitterkalte Nächte

Damals war das rund 4000 Meter hohe Plateau der Bale Mountains vergletschert, es war deutlich kälter als heute. «In den Höhlen unterhalb des Plateaus machten die steinzeitlichen Menschen Feuer und konnten so die bitterkalten Nächte überstehen», sagt der Paläo-Ökologe Heinz Veit von der Universität Bern, der an dem Projekt beteiligt war. Entsprechend fanden die Forscher in den Höhlen auch Holzkohlereste.

Flüsschen, dahinter Felsenvorsprünge.
Legende: In diesen Höhlen unterhalb des Bale-Hochplateaus wurden die Überreste der Urzeit-Menschen gefunden. unibe

Die Datierung dieser Funde liess darauf schliessen, dass die Höhlen in einem Zeitraum von vor 47'000 bis vor 31'000 Jahren wiederholt bewohnt wurde. Ob sich steinzeitliche Siedler dort permanent aufhielten, sei jedoch noch unklar, so Veit. Sicher aber ist, dass die Höhlen nicht bloss als kurzfristige Raststätten von umherziehenden Jägern genutzt wurden. «Wahrscheinlich waren die Höhlen saisonal besiedelt – über mehrere Monate im Jahr während der Trockenzeit.»

Essen, Wasser, Werkzeuge

Die archäologischen Funde verrieten, dass die Jäger aus den örtlichen Vorkommen von Obsidian (vulkanisches Gesteinsglas) Werkzeuge herstellten. Die Menschen ernährten sich von den dort lebenden Riesenmaulwurfsratten. «Von der Grösse her kann man sich diese Tiere ähnlich wie Murmeltiere vorstellen», sagt Veit.

Eine Maulwurfsratte blickt aus einer Bodenhöhle
Legende: Die Steinzeitmenschen ernährten sich von Maulwurfsratten, zeigen die archäologischen Funde. Diese Tiere leben auch heute noch zu Tausenden in der Gegend. Imago

Die Maulwurfsratten finde man auf dem Hochplateau der Bale Mountains auch heute noch zu Tausenden. Neben der Tatsache, dass es in der Gegend vor 40'000 Jahren für die Jäger genügend zu essen gab und sie für ihre Werkzeuge geeignetes Gestein fanden, war durch die damals vorherrschende Vergletscherung genügend Wasser vorhanden.

Aber warum die Menschen in der unwirtlichen Höhe lebten, haben die Forscher noch nicht herausgefunden. Denn auch das tropische Tiefland war vor 30'000 bis 40'000 Jahren feucht und damit fruchtbar. «Vom Klima her hatten die Menschen damals keinen Grund, dort hinaufzugehen», stellt Professor Veit fest.

Er vermutet deshalb, dass die Menschen aus Neugierde im Hochgebirge lebten – schliesslich habe sich der Mensch schon früh über die ganze Erde ausgebreitet, von den trockensten Wüsten bis in die Arktis.

Afrikanische Moränen untersucht

Veit und zwei weitere Berner Forscher waren Teil des internationalen archäologischen Untersuchungsteams. Sie befassten sich mit der Rekonstruktion der damaligen Umwelt- und Klimabedingungen in der Umgebung der Fundstelle. Dafür analysierten und datierten sie unter anderem Gesteinsproben von Gletschermoränen aus mehreren Tälern der Bale Mountains.

Karges Gebirgstal.
Legende: Das Wasana-Tal in den Bale Mountains wurde von Gletschern geformt. unibe

Das Leben in grosser Höhe ist herausfordernd und bedeutet Stress für den menschlichen Körper. Aus diesem Grund war man lange davon ausgegangen, dass Menschen erst vor relativ kurzer Zeit begannen, in Höhen über 2500 Metern über Meer zu siedeln. Allerdings weisen verschiedene archäologische Funde der letzten Jahre darauf hin, dass die Besiedlung des Hochgebirges schon früher begann als bisher angenommen.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Winzeler  (Wernher)
    Diese Erkenntnisse sind sicher sehr interessant - jedenfalls für die Forschenden. Doch die Frage sei erlaubt: was bringt das unserer Menschheit? Wäre Forschung in unsere ungewisse Zukunft vielleicht doch sinnvoller? (Vor Allem mit öffentlichen Geldern.)
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  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Erfahrung zeigt das Migration meist nicht aus Neugierde sondern aus Notwendigkeit geschieht. Es wird wohl auch im Tiefland Menschen gegeben haben, oder auch andere Tiere, welche das Leben dort für die Migranten ungemütlich machten.
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  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Fakt ist, dass es auf fast allen Erdteilen solche Gesellschaften gab und gibt. Südamerika, Peru, Bolivien, Mexico deren Hauptstädte sind auf 2000 - 3600 m angesiedelt. (weitere Mongolei, Iran, Türkei)
    Dort oben ist es frisch und weit kühler im Sommer. Kriege sind deutlich seltener. Wasser ist von guter Qualität. Der Körper hat weniger Probleme als man glaubt. Dazu reichen wenige Monate.
    Ich bin sicher, dass in Äthiopien die Menschen durchaus auch Ziegen gehalten haben auf dieser Höhe.
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    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Die Forscher enthalten sich jeweils aus gutem Grund Spekulationen. Solange nicht Überreste von Ziegen mit diesem Alter gefunden werden, muss man fairerweise davon ausgehen, dass es Jäger waren und nicht Hirten. Ausserdem sind die Zivilisationen die Sie nennen viel jünger, und das ist ja gerade das Besondere an diesem Fund.
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    2. Antwort von Peter Mueller  (Elbrus)
      @Reuteler Dann ist das Wort Siedlung aber viel zu hoch gegriffen, wenn Sie das auf Jäger reduzieren wollen. Fakt ist, dass meine Beispiel teilweise 10'000 vor Christus alt sind und auf ganz anderen Kontinenten was wichtig ist. Dass ein einzelner Mensch (Jäger) auf 4000 m überleben kann ist jetzt wirklich keine Kunst. Felle und Häute gab es schon damals und dass reicht um einen Schlafsack auch bei -15 Grad zu ersetzen.
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