Der lange Kampf der Aborigines «Sie haben endlich eine gemeinsame Stimme gefunden»

Die Aborigines wollen mehr Mitspracherecht. Doch die Chancen stünden nicht allzu gut, sagt SRF-Korrespondent Wälterlin.

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Bildlegende: SRF-Korrespondent Urs Wälterlin lebt seit 1992 in der Nähe der australischen Hauptstadt Canberra. SRF

SRF News: Die australischen Aborigines fordern Lösungen statt Symbole. Urs Wälterlin, wie stehen die Chancen, dass diese Forderungen tatsächlich durchkommen?

Urs Wälterlin: An der Versammlung in Uluru fordern die Aborigines-Stammesführer mehr Konkretes und weniger nette Worte. Die Vergangenheit lässt eigentlich wenig Optimismus zu. Unter dem Strich hat sich wenig geändert in den letzten Jahren. So hat vor zwanzig Jahren eine Untersuchungskommission einen ganzen Katalog von Massnahmen vorgeschlagen, um die Situation der Ureinwohner zu verbessern.

Aber neuste Untersuchungen zeigen, die Entwicklung ist alles andere als positiv. In Gesundheit, Ausbildung und Beschäftigung hat sich praktisch nichts verbessert. In vielen Bereichen wurde sogar ein Rückschritt verzeichnet, etwa bei den Inhaftierungsraten – vor allem auch bei jugendlichen Aborigines hat sich die Situation sogar verschlimmert.

Die indigenen Völker fordern einen Vertrag mit Australien. Was soll darin festgehalten sein?

Es gibt noch nichts Konkretes. Doch bei diesem Vertrag orientiert man sich klar am Beispiel von Neuseeland. Dort schlossen die Maori 1840 mit den britischen Besatzern den Vertrag von Waitangi. Dieser hat das Zusammenleben geregelt und den Maori Rechte wie Landbesitz oder Landnutzung zugesichert. Aber von so einem Abkommen sind die australischen Aborigines noch weit entfernt.

Welche Möglichkeiten haben die Aborigines, ihre Anliegen durchzusetzen?

Die grösste Stärke im Moment und vor allem nach dieser Konferenz ist sicher der Zusammenhalt. Denn die Gesetzgebung ist natürlich nach wie vor in der Hand der nicht indigenen Mehrheit. Im Parlament sind Ureinwohner mit ein paar Abgeordneten vertreten, aber das ist mehr oder weniger zufällig. Aborigines haben nicht für sie vorgesehene Parlamentssitze wie etwa die Maori in Neuseeland.

Viel ist in den letzten Jahren in Sachen Gleichberechtigung für Aborigines nicht gegangen. Warum ging es weitere fünfzig Jahre bis die Aborigines-Führer mehr Mitsprache und Anerkennung forderten?

Es gab nie eine gemeinsame Stimme. Das hängt mit der Tatsache zusammen, dass Aborigines nicht einfach «ein Volk» sind. Diese Menschen haben traditionell in relativ kleinen Gruppen gelebt, meist als Nomaden und unter den unterschiedlichsten Bedingungen, was Nahrungsangebot, Kultur und soziales Verhalten angeht. Sie hatten nur sehr wenig Kontakt mit anderen Stämmen und Clans. Bei diesem Treffen beim Urulu haben die Völker zum ersten Mal eine gemeinsame Stimme gefunden, welche ihnen so lange gefehlt hat.

Das Interview führte Brigitte Kramer.

Das wegweisende Referendum vor 50 Jahren

Am 27. Mai 1967 wurden die Aborigines mit einem Referendum mit über 90 Prozent Ja-Stimmen zu gleichwertigen Bürgern erklärt. Zwei Passagen wurden aus der Verfassung eliminiert. Die Aborigines sollten künftig in Volkszählungen mitgezählt werden. Zudem war nun die Hauptstadt Canberra für die Aborigines zuständig und nicht mehr die einzelne Teilstaaten.

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