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Das Coronavirus erreicht den Cyberspace
Aus SRF 4 News aktuell vom 20.03.2020.
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Sorge vor verstopften Netzen Netflix und Co.: Internet ächzt unter den erhöhten Datenströmen

Der Shutdown führt zu Stau auf der Datenautobahn. Der Streaming-Gigant Netflix lässt Werktätige auf die Überholspur.

Medizin gegen den Lagerkoller ist dieser Tage gefragt. Netflix, der beliebte US-Streamingdienst für Serien und Filme, ist eine davon. Der Vorteil: Man muss gar nicht erst aus dem Haus, auch Hamsterkäufe sind ausgeschlossen. Niemand braucht sich um die letzte Blu Ray im Regal zu streiten.

Und auch viele Eltern dürften für einmal nicht unglücklich zu sein, wenn sich die Sprösslinge vor dem Tablet und TV selber beschäftigen. Das spart Zeit zum Arbeiten in der Selbst-Quarantäne – und Nerven. Denn ohne Schule und Sportverein mangelt es auch Kindern und Jugendlichen an Beschäftigungsmöglichkeiten.

Spaziergänger im menschenleeren Brüssel
Legende: In der «Quarantänestation Europa» sitzen derzeit Abermillionen Menschen in ihren eigenen vier Wänden. Das belastet die Netzkapazitäten. Reuters

Kein Wunder, erfreuen sich Streamingdienste in der Coronakrise grösster Beliebtheit. Analysten rechnen damit, dass rivalisierende Anbieter wie Hulu, Netflix und Amazon Millionen neuer Abonnenten anlocken. Ein Wachstum von 20 Prozent scheint dieses Jahr möglich.

Die Schattenseite: das Internet ächzt unter den erhöhten Datenströmen. SRF-Digitalredaktor Peter Buchmann illustriert: «Wenn man eine Stunde Netflix auf dem TV in HD-Qualität schaut, geht in der Zeit die gleiche Datenmenge übers Netz wie, wenn man 2000 E-Books herunterlädt.»

EU drängt auf Drosselung

EU-Industriekommissar Thierry Breton warnt vor einem Zusammenbruch der Netze. Er drängte Netflix, die Übertragungsrate seiner Streams in Europa herunterzufahren. Gesagt, getan: Der Marktführer will den von ihm verursachten Datenverkehr um 25 Prozent zurückschrauben, um das Internet während der Epidemie nicht zu überlasten. Auch Youtube folgte dem Aufruf und drosselt die Bildqualität.

Brauchen wir jetzt alle Adleraugen für die bitternötige Zerstreuung in der Isolation? Netflix beschwichtigt. Der Streamingriese verspricht, dass ein Dienst mit «guter Qualität» weiter gewährleistet ist. Dies dürfte im Auge des Betrachters liegen. «Es kann zu Qualitätseinbussen kommen», sagt Buchmann. Auf dem kleineren Bildschirm des Smartphones dürfte man kaum etwas merken. «Auf dem grossen, hochauflösenden Fernseher hingegen schon.»

Orientierung im Datendschungel

Bei einer höheren Bildauflösung gibt es ein schärferes Bild, weil mehr Pixel dargestellt werden. Dafür werden aber auch mehr Daten übertragen. Netflix empfiehlt für HD (High Definition) eine Internet-Geschwindigkeit von fünf Megabit pro Sekunde, während es bei Standard-Auflösung drei Megabit pro Sekunde sind. Einen richtig grossen Sprung gibt es dann aber bei dem noch besseren Utra-HD-Format: Hier empfiehlt Netflix 25 Megabit pro Sekunde. Ultra-HD-Qualität gibt es dabei nur in den teureren Tarifmodellen von Netflix.

Grundsätzlich gilt: Je stärker Videos komprimiert werden, umso kleiner die Datenmenge – aber eben auch die Qualität. Buchmann rechnet damit, dass die Massnahmen von Netflix und Youtube den Datenverkehr spürbar entlasten werden. «Normalerweise sind die Netze abends am stärksten belastet, wenn die Leute zuhause Filme schauen. Also nicht tagsüber, wenn sie arbeiten.»

Wir beobachten einen Netflix-Lunch-Peak. Vermutlich schauen Leute im Home Office über Mittag Netflix.
Autor: Markus BucherTechnologiechef von UPC

Diese Gewohnheiten ändern sich nun in der Coronakrise. Das beobachtet auch der Kabelnetzbetreiber UPC: «Wir beobachten einen Netflix-Lunch-Peak. Vermutlich schauen Leute im Home Office über Mittag Netflix», sagt UPC-Technologiechef Markus Bucher gegenüber SRF News.

Die Netzbelastung durch Home Office nimmt sich dagegen bescheiden aus. Laut den Providern macht es nur ein paar wenige Prozent des gesamten Volumens aus. «Auch Telefonanrufe über Skype verbrauchen bloss einen Bruchteil der Datenmenge, die über Streaming anfällt», erklärt Buchmann.

Bei Videokonferenzen, wie sie etwa Schulen und Universitäten derzeit praktizieren, steige die Belastung der Netze mit der Anzahl der Teilnehmer aber rasant an.

SRF 4 News vom 20.03.2020, 11:33 Uhr; agenturen/imhm;brut

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Zuck  (DaniZH03)
    Das ist leider ein Beispiel, wie EU-Politiker in jedes Mikrofon rein sprechen, welches sich ihnen entgehen streckt.

    Es ist gerade Netflix und Youtube (Google) die Server zu Swisscom, Sunrise, Init7 usw. stellen damit das "Internet" gerade nicht belastet ist. Thierry Breton zeigt damit nur eins: Er ist ein Populist der von "Digitalisierung" keine Ahnung hat.

    Lest es selbst nach: https://openconnect.netflix.com/de_de/
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  • Kommentar von Albert Blättlet  (Albert B.)
    Warum wundern wir uns eigentlich über dieses Problem? Wir haben eine digitale Welt erschaffen in der es darum geht immer schneller und besser zu werden, immer und überall erreichbar zu sein und eben auch Musik, Serien und Filme wo und wann auch immer konsumieren zu können. Eine Jugend ohne Handy......, kaum mehr vorstellbar! Zu erwartet dass die Menschen die mit der heutigen digitalen Welt gross geworden sind nun plötzlich wieder zum Buch greifen wird nun wohl eines besseren belehrt. Leider!
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  • Kommentar von Martin Egger  (Martin Egger)
    Jetzt wissen es auch die Letzten: wir "brauchen" 5G nur zur Unterhaltung, weil man angeblich hohe Bild-Auflösung braucht, um Videos zu geniessen.
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