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Spanische Grippe Die vergessene Tragödie

Am Ende des Ersten Weltkriegs sterben weltweit über 50 Millionen Menschen an der Grippe. Auch in der Schweiz gibt es kaum eine Familie, die nicht betroffen ist. Die «Spanische Grippe» rafft vor allem junge Menschen in kurzer Zeit dahin.

Legende: Video Vergessene Tragödie abspielen. Laufzeit 07:29 Minuten.
Aus Schweiz aktuell vom 17.10.2018.

1918 ist vielleicht das schwerste Jahr in der Geschichte der Schweiz. Tausende von Menschen erkranken an der Grippe. Es trifft fast jede Familie – in Städten genauso wie in Dörfern auf dem Land. Alleine die Bewohner des Kantons Basel-Stadt melden den Behörden mehr als 35'000 Erkrankungen.

Grafik mit Kurve, die im Juli 1918 ansteigt und im Oktober 1918 eine noch höhere Anzahl von Kranken zeigt.
Legende: Basel wird von zwei Grippewellen überrollt Die Grippe schlägt in Basel-Stadt zweimal heftig zu. Zunächst im Juli 1918 und dann noch einmal - und diesmal stärker - im Oktober. SRF

Der Historiker Andreas Tscherrig blättert im Staatsarchiv Basel durch hundertjährige Zeitungen. Fast in jeder Ausgabe stösst er auf Todesanzeigen. Es zeigt sich: Viele Opfer sind nicht älter als 30. «Die Grippe überrollt Basel-Stadt in zwei Wellen. Zuerst im Juli und dann – als die Leute glauben, nun sei alles überstanden – noch heftiger im Oktober», erzählt Tscherrig. Innert knapp zwei Jahren werden 760 Grippetote registriert.

Alter Foliant mit zwei Todesanzeigen auf einer Zeitungsseite
Legende: Viele Tote unter 30 Jahren In den Jahren 1918 und 1919 sind die Zeitungen im Kanton Basel-Stadt voller Todesanzeigen. Die meisten Grippeopfer sind jung. Ihre Abwehrkräfte sind schwach. SRF

Die Ansteckung ist kaum aufzuhalten. Die Behörden raten von Krankenbesuchen ab und drucken Plakate mit dem Hinweis, man solle beim Husten die Hand vor den Mund halten. Tram- und Postbetriebe können ihren Betrieb nicht vollständig aufrecht erhalten. Zu viele Mitarbeiter liegen im Krankenbett.

Altes Plakat mit dem Hinweis, man solle beim Husten die Hand vor den Mund halten.
Legende: Behörde warnt Das Sanitätsdepartement rät von Menschenansammlungen ab und verteilt Plakate mit dem Hinweis, man solle sich vor Tröpfchen schützen. SRF

Mit der Krankheit wird ein Geschäft gemacht. Medikamente, die helfen könnten, kennt man noch nicht, stattdessen werden Zwieback, Stärkungsmittel und sogar Alkohol zur Genesung empfohlen.

Alte Zeitungswerbung für Zwieback
Legende: Zwieback als Heilmittel Mit der Grippe wird ein Geschäft gemacht: Allerlei Mittel gegen sie werden in der Zeitung angepriesen, selbst Zwieback, Alkohol und Tabak soll helfen. SRF

Tragödie in einer schweren Zeit

Die «Spanische Grippe» trifft die Menschen in einer Zeit, in der es ihnen sonst schon schlecht geht. Viele Männer leisten an der Grenze Militärdienst, ihre Familien sind arm, der Verdienst reicht nirgendwo hin. Europa steht am Ende des Krieges, aber der Schweiz geht es so schlecht wie nie zuvor.

Grippe kommt nicht aus Spanien

Die Grippe wird schon nach kurzer Zeit «Spanische Grippe» genannt. Nicht, weil sie aus Spanien kommt, sondern weil Spanien als erstes Land offen darüber berichtet hat. Über den Ursprung der Pandemie spekulieren Wissenschaftler bis heute. Klar ist: Die «Spanische Grippe» forderte weltweit mehr Opfer als der ganze Erste Weltkrieg.

Saal mit vielen Kranken in einfachen Betten, schwarzweiss
Legende: Massive Überforderung In Zürich werden Hunderte von Grippeopfern gepflegt. Die Behörden raten von Krankenbesuchen ab. Gosteli-Stiftung , Link öffnet in einem neuen Fenster

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