Biologicals Teure Hoffnungsträger der Medizin

Medikamente aus dem Genlabor haben Diagnose und Therapie vieler schwerer Leiden revolutioniert.

Forscherin hält Pipetten Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Biologicals werden in Hightech-Genlabors aus organischen Zellen gewonnen. imago

Krebs, Rheuma, Diabetes, Bluterkrankungen, Schuppenflechte – was sich in den letzten Jahren bei der Diagnose und Behandlung dieser Leiden getan hat, ist bemerkenswert. Ärzte sprechen gar von einer Revolution. Zu verdanken sind die Fortschritte den so genannten Biologicals, potenten Medikamenten aus dem Genlabor.

Komplex und einzigartig

Biologicals sind Arzneimittel, die in Hightech-Labors mit aufwändigen Verfahren in lebenden Zellen (Hamster- oder Hefezellen, Bakterien oder menschlichem Zellmaterial) hergestellt werden. Erste Präparate wurden in den 1980er Jahren zugelassen. Bekannteste Vertreter: Insuline, Interferone oder das im Radsport zu zweifelhaftem Ruhm gelangte Epo, das zur Behandlung der Blutarmut bei Dialysepatienten verwendet wird.

Von anderen Medikamenten unterscheiden sich Biologicals durch ihre Molekülgrösse und ihre Einzigartigkeit: Während sich für chemisch hergestellte Arzneien eine eindeutige Formel und Produktionsweise festhalten lässt, lassen sich die komplexen Biologicals nicht exakt charakterisieren. Je nach Zelllinie und Herstellungsverfahren kann das Genprodukt zudem etwas anders ausfallen.

Kommunikation stören statt Ursachen bekämpfen

Biologicals bekämpfen das Übel nicht an der Wurzel. Stattdessen beeinflussen sie spezifische Prozesse im Körper, die für das Ausbrechen einer Krankheit verantwortlich sind. Dafür wird gezielt die Produktion von bestimmten Botenstoffen gehemmt oder gefördert.

Der Vorteil: Biologicals wirken sehr schnell und sehr oft. Da der tiefer liegende Grund der Erkrankung nicht gelöst ist, müssen sie jedoch fortlaufend eingenommen werden.

Der Nachteil: Der Eingriff in das Botensystem ist nicht ohne Risiken. Biologicals, die das Immunsystem dämpfen, machen die Patienten anfälliger für neue oder schlummernde Infektionen. Allergien oder Autoimmunerkrankungen sind möglich, längerfristige Effekte erst wenig erforscht. Und da die Biological-Moleküle recht gross sind, können sie mitunter auch vom Immunsystem erkannt und bekämpft werden, was die Wirkung zunichte macht.

Im Alltag das grösste Problem: Die Anwendung. Da die Eiweissmoleküle im Magen zersetzt würden, lassen sich Biologicals nicht in Tablettenform verabreichen. Stattdessen müssen sie unter die Haut gespritzt oder per Infusion verabreicht werden. Auf Dauer keine angenehme Sache.

Kosten verhindern breitere Anwendung

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Die Therapie mit Biologicals ist wirksam, aber teuer. Sehr teuer. Die Entwicklung und Herstellung der massgeschneiderten Eiweissmoleküle ist technisch anspruchsvoll und mit mehr als 5'000 Einzelschritten ungleich aufwändiger als bei chemisch-synthetischen Medikamenten.

Nachahmerprodukte können nur beschränkt zu tieferen Preisen beitragen, da sich Biologicals nicht einfach kopieren lassen.

Die pragmatische Lösung der Ärzteschaft: Zu Biologicals wird in der Regel erst gegriffen, wenn mit den günstigeren Basistherapien kein genügender Erfolg erzielt wird.

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