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Teurer Kaffee aus Thailand Wenn Elefantenkot Kaffeebohnen veredelt

Edel-Kaffeebohnen, die aus dem Kot von Katzen herausgefischt werden, kennt man. Ähnliches gibt's aus Elefanten-Dung.

Elefanten-Kaffee
Legende: Black Ivory: Ein Trunk mit Noten von Elefantenfutter - etwas Banane, ein bisschen Gras und Schokolade. SRF/Karin Wenger

Im Maetaeng Elefantenpark ausserhalb von Chiang Mai streicht Elefantenbesitzer und Geschäftsmann Boontha Chailert mit der Hand über Kaffeebohnen, die an der Sonne trocknen. Die Kaffeekirschen waren den Elefanten verfüttert und danach aus ihrem Dung gefischt worden. Ein aufwändiger und verlustreicher Prozess.

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Legende: Im Elefantenpark Maetaeng: Kaffeekirschen fressen, verdauen – und malen. SRF/Karin Wenger

Von ungefähr 100 Kilogram verfütterten Kaffeebohnen bleiben nur 30 Kilogramm übrig. Denn die Elefanten lieben es, ihren Dung überall zu verteilen, im hohen Gras und im Wasser. Dann sind die Bohnen weg.

1000 Franken pro Kilogramm

Doch das Geschäft lohnt sich. Chailert verkauft das Kilo Kaffee zu 1000 Franken. Beim Verdauungsprozess werden die Bitterstoffe des Kaffees durch die Fermentierung abgemildert, ein exquisiter Kaffee entsteht.

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Legende: Boontha Chailert: Die Kaffeebohnen-Gewinnung mit Elefanten ist aufwendig, aber sehr lohnenswert. SRF/Karin Wenger

Kanadier: Von der Katze zum Dickhäuter

Blake Dinkin war der Erste, der vor über zehn Jahre auf die Idee gekommen war, Elefanten Kaffeekirschen zu verfüttern. Sein Original heisst Black Ivory Kaffee und ist in wenigen Luxushotels erhältlich. Im Anantara, einem Fünfstern Hotel, mahlt der unternehmerische und leidenschaftliche Kanadier die Kaffeebohnen per Hand und bereitet den Kaffee in einer aufwändigen Zeremonie am Tisch zu.

Elefanten-Kaffee
Legende: Der Kanadier Blake Dinkin hat sich dem Elefanten-Kaffee verschrieben. Eine kostspieliger Genuss. SRF/Karin Wenger

Früher hatte er Civet-Katzen Kaffee aus Äthiopien verkauft. Doch Tiermissbrauch und Krankheiten unter den Katzen waren keine gute PR. Dinkin suchte nach anderen Tiermägen, um Kaffeebohnen zu fermentieren und entschied sich schliesslich für Elefanten.

«Das erste Mal als ich einen Kaffee mit ihren Bohnen trank, schmeckte dieser nach Dung und Elefant. Ich wusste, dass das erst der Anfang eines langen Experiments war», erzählt Dinkin.

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Legende: Elefantendung – ein wertvoller Rohstoff bei richtiger Fütterung. SRF/Karin Wenger

Dinkin arbeitete mit Elefanten in Kanada, Indonesien und seit einigen Jahren nun im Norden Thailands. 25 bis 30 Elefanten sollen in den kommenden Monaten 150 Kilogram der Edelbohnen für Dinkin produzieren.

Ein Erlebnis will Dinkin für die Kaffeegeniesser kreieren. Der Kaffee schmeckt nicht mehr nach Dung, sondern mehr nach Elefantenfutter. «Etwas Banane, ein bisschen Grasgeschmack, Schokolade, weder bitter noch verbrannt, ein bisschen wie Tee und sicher einzigartig», beschreibt Dinkin das Erlebnis. Kostenpunkt für eine Portion, also zwei Tassen Black Ivory Kaffee: 45 Franken.

Es müssen nicht immer Elefanten sein

Im Ristr8to, dem angesagtesten Café von Chiang Mai, hält Besitzer Arnon Thitipraset wenig vom Elefantendungkaffee. Früher habe er den Black Ivory Kaffee in einer Show in Japan benutzt. Aber es gebe keinen Beweis, dass er besser ist als andere. Für ihn sei das alles ein Marketing-Gag, eine gute Geschichte.

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Legende: Der Thailänder Arnon Thitipraset ist mit seiner Latte-Kunst reich geworden. Elefanten braucht er dazu nicht. SRF/Karin Wenger

Der 32-jährige Thailänder mit den prägnantenTattoos wurde im letzten Jahr Weltmeister in der Latte-Kunst. Er lernte sie in Australien und besitzt heute drei Cafés in Chiang Mai. Arnon war es, der die Kaffeekultur in der Stadt zu neuen Höhenflügen brachte.

«Grossmutter Mokka» oder «Satan Latte»?

Für ihn sind dabei nicht die Bohnen das wichtigste, sondern der Barista. Dieser müsse verstehen, welche Bohne und welcher Latte zu welchem Kunden passt. Im Ristr8to heissen die verschiedenen Kaffees «Grossmutter Mokka» oder «Satan Latte» und werden in Totenkopfgläsern oder mit Milchschaumverzierungen serviert.

Elefanten-Kaffee
Legende: Traum aus Milchschaum im Café Ristr8to in Chiang Mai. SRF

Anders als Black-Ivory-Tüftler Dinkin wurde Arnon bereits reich mit seiner Latte-Kunst. Vor dem Café steht sein Porsche. Der Thailänder hofft, dass sich die Touristen in Zukunft nicht nur an die Tempel der Stadt erinnern, sondern an mildere und strengere Noten, versteckt unter Milchschaum.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Yann Amsler (Trigger Wigger)
    Die Katzen werden für Kopi Luwak katastrophal gehalten und gequält. Bei den Elefanten wird es ähnlich sein.
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  • Kommentar von Franz NANNI (igwena ndlovu)
    Ich habe eigenen Kaffee.. wenn er gepflueckt wird, wird die Frucht gequetscht und muss dann in Wasser ein bis 2 Tage fermentiert werden.. anschliessend das rottige Fruchtfleisch abwaschen.. und die Bohne trocknen, dann muss noch die harte Schale entfernt werden, bei uns von Hand mit einem Pickelstiel.. ja und dann wirft man ihn in die Luft damit die Hullenteile wegfliegen und schon hat man die gruene Bohne.. Nochmals Trocknen und Roesten fertig... glauben Sie immer noch er sei teuer?
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