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Stuten leiden für Schweinefleisch
Aus Kassensturz vom 01.02.2022.
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Tierleid stoppen Schluss mit Stutenblut in der CH-Schweinezucht

Der Präsident der Schweinezüchter reagiert auf den Bericht von SRF «Kassensturz»: «Wir wollen auf das umstrittene Hormonpräparat verzichten.»

Nach dem «Kassensturz»-Beitrag über die qualvolle Hormon-Gewinnung bei Pferden für die Schweinezucht, reagiert der Verband der Schweizer Schweinezüchter Suisseporcs. Das natürliche Hormon PMSG soll in der Schweiz nicht mehr zum Einsatz kommen. Im «Kassensturz»-Interview sagt Zentralpräsident Meinrad Pfister: «Aufgrund dieses Berichts werden wir am 16. Februar dem Zentralvorstand vorschlagen, zuhanden von Suisse Garantie einen Antrag zu stellen. Nämlich, dass das unter diesen Umständen gewonnen Hormon nicht mehr eingesetzt wird.»

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Studiogespräch mit Meinrad Pfister, Zentralpräsident Suisseporcs
Aus Kassensturz vom 01.02.2022.
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Der Hintergrund: Auf isländischen Blutfarmen werden trächtigen Stuten mit dicken Kanülen literweise Blut aus den Halsvenen abgenommen. Damit kommt man an ein Hormon, das nur während der Trächtigkeit im Stutenblut zu finden ist.

Wirtschaftlichkeit vs. Tierwohl

Aus dem Hormon PMSG (Pregnant Mare Serum Gonadotropin), wird ein Präparat hergestellt, das Nutztiere schneller und gleichzeitig empfängnisbereit macht. So kommen Jungtiere gleichzeitig zur Welt, können gleichzeitig zum Mäster und später zum Metzger verfrachtet werden. In der Schweiz kommt das Präparat ausschliesslich in der Schweinezucht zum Einsatz, da hier nur ein entsprechendes Mittel zugelassen ist.

Stellungnahme Agroscope / SNG Avenches

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«Agroscope hat die Bilder aus Island gesehen und zuhanden des Tierschutzbunds Zürich eine Expertise erstellt. Der Tierschutzbund Zürich, als Auftraggeber der Expertise, hat seine Meinung unter anderem auf dieses Dokument von Agroscope abgestützt. Sie kommt im Beitrag klar zum Ausdruck. Vor der Kamera hat Agroscope deshalb auf eine zusätzliche Stellungnahme verzichtet.»

Bereits 2015 berichtete «Kassensturz» über PMSG und die Quälerei von Stuten. Damals konzentrierte sich die Produktion noch hauptsächlich auf die Länder Uruguay und Argentinien. In der Zwischenzeit haben die entsprechenden Firmen ihre Produktion nach Island verlagert.

Geplante Vervierfachung der Produktion

Präparate-Herstellerin MSD schreibt dazu «Kassensturz», dass das Tierwohl für MSD einen hohen Stellenwert habe. Deswegen sei eine Untersuchung durchgeführt worden und man habe sich von den Blutfarmen getrennt, die die Tierschutz-Standards nicht einhielten, schreibt MSD: «Bei diesen Betrieben hat es sich um Einzelfälle gehandelt, die nicht repräsentativ für den Gesamtbestand sind, wie uns unser Lieferant versichert hat.»

«Aktuell sind es rund 100 Blutfarmen mit 5000 Blutstuten auf Island, aber die Produktion soll um das Vierfache erhöht werden», sagt Sabrina Gurtner vom Tierschutzbund Zürich. Sie beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema.

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Stephanie Krämer, Professorin für Tierschutz, Uni Giessen: «Es gibt aus meiner Sicht keinen rechtfertigenden Grund, der dieses Verhalten irgendwie entschuldigen könnte.»
Aus Kassensturz vom 01.02.2022.
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Dass das nicht immer ungefährlich ist, zeigen Video-Aufnahmen. Blutfarmer bedrängen die Tierschützer auf ihren Recherchefahrten auf Island. Sie verfolgen die Tierschützer, rammen ihre Autos und wollen sie in den Strassengraben drängen. «Wir hatten das Gefühl, wir werden als Bedrohung für ihr Geschäft wahrgenommen», sagt Sabrina Gurtner.

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Sabrina Gurtner, Projektleiterin Tierschutzbund Zürich: «Wir hatten das Gefühl, dass wir von diesen Blutfarmern als Bedrohung wahrgenommen wurden, ich denke die hatten Angst um ihr Geschäft.»
Aus Kassensturz vom 01.02.2022.
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Stellungnahme MSD Animal Health GmbH (Hormonpräparat-Produzent)

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MSD Animal Health GmbH produziert P.G.600, das einzige eingesetzte PMSG-Präparat in der Schweiz.

«Das Plasma wird nur von Lieferanten in Europa bezogen, die Experten in der Blutplasmagewinnung sind. Bei der Plasmagewinnung muss immer ein Tierarzt anwesend sein. Zudem wird bei jeder Plasmagewinnung eine Bewertung der Tiergesundheit und des Tierschutzes durchgeführt.

Wir nehmen alle Anliegen und Hinweise, die den Tierschutz betreffen sehr ernst, da sie für MSD Animal Health von grösster Bedeutung sind. Wir haben mit unseren Lieferanten vertragliche Anforderungen, um sicherzustellen, dass die Tierschutzstandards eingehalten werden und arbeiten mit unseren Lieferanten in Fragen der Gesundheit und des Wohlergehens von Tieren zusammen. Wir haben unserem Lieferanten verdeutlicht, welch hohen Stellenwert Tierwohl für uns hat.

Unser Lieferant hat bestätigt, dass er eine interne Untersuchung der Vorfälle durchgeführt hat. Diese hat zur Beendigung der Verträge mit den betroffenen Betrieben geführt. Bei diesen Betrieben hat es sich um Einzelfälle gehandelt, die nicht repräsentativ für den Gesamtbestand sind, wie uns unser Lieferant versichert hat.

Ausserdem bestätigte unser Lieferant, dass er einen Aktionsplan hat, um sicherzustellen, dass die Tierschutzstandards eingehalten werden. Dieser Aktionsplan sieht die Einführung neuer Verfahren vor, darunter eine intensivere Überwachung, eine Anpassung der Kriterien für die Auswahl von Stuten, eine Überprüfung der Betriebsstätten sowie überarbeitete Richtlinien, um die verhaltensbedingten Besonderheiten von Stuten stärker zu berücksichtigen.

Wir werden die Situation weiter verfolgen und prüfen und gegebenenfalls entsprechende Massnahmen ergreifen.»

Alternative Methoden

Immerhin: der Einsatz vom PMSG in der Schweinezucht ist in der Schweiz zurückgegangen. So wie es Suisseporcs-Präsident Meinrad Pfister 2015 im «Kassensturz» versprach. Waren es 2015 noch rund 10 Prozent aller Muttersauen, die PMSG gespritzt bekamen, sind es heute noch rund 1 bis 2 Prozent. Ausschliesslich zu medizinischen Zwecken, wie mehrere Organisationen anmerken. Das heisst aber: PMSG wird nach wie vor in der Schweinezucht eingesetzt.

Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel die Biozucht. Dort ist der Einsatz von PMSG verboten. Und es gibt alternative Methoden: synthetische Mittel oder zootechnische Methoden (Eber-Haltung). Diese sind zwar nicht ganz so effizient, aber für das Tierwohl wesentlich unbedenklicher.

«Kassensturz» ist an Ihrer Meinung interessiert

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Sabrina Gurtner, Projektleiterin Tierschutzbund Zürich: «Wir erwarten von der Schweiz, dass sie die EU dazu auffordert, den Import von PMSG zu stoppen.»
Aus Kassensturz vom 01.02.2022.
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BLV beantwortet keine Fragen

Das EU-Parlament beschloss letzten Oktober einen Import- und Produktions-Stopp von PMSG. Ob die Schweiz nachzieht, ist unklar. Das BLV wollte auf entsprechende Fragen von «Kassensturz» nicht eingehen.

Reaktion BLV

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Statement:

«Die gezeigten Bilder sind schockierend. Dem BLV war die Situation in Island nicht bekannt. Wir haben umgehend bei den isländischen Behörden interveniert. Ihnen ist das Problem bekannt. Sie haben uns versichert, die nötigen Schritte zur Verbesserung der Situation zu unternehmen.»

Fragen von «Kassensturz»:

  • Ist dem BLV bekannt, unter welchen Bedingungen den Stuten in Island Blut abgenommen wird?
  • Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage in Sachen PMSG-Präparaten in der Schweiz? (Einsatz, Nutzen, …)
  • PMSG wird nach wie vor in der Schweiz eingesetzt. Hat sich das BLV seit 2015/2016 bemüht, dass PMSG möglichst nicht mehr zum Einsatz kommt bzw. es zu verbieten? Wenn Ja: Wie? Wenn Nein: Wieso nicht?
  • Genaue Zahlen zum Import bzw. der Verwendung von PSMG in der Schweiz fehlen. Wieso wird der Import von Hormon-Präparaten mit PMSG nicht genauer vom BLV, Swissmedic und Zoll erfasst und dokumentiert? (Welche Präparate? Welche Mengen?)
  • Ein Importverbot scheint, laut parlamentarischen Antworten zu 15.4104, mit internationalen Handelsrichtlinien nicht möglich. Hat sich daran etwas geändert?
  • Wieso verbietet das BLV nicht den Einsatz von PMSG? Import wäre so weiterhin möglich, einfach der Einsatz nicht!
  • Das EU-Parlament hat am 20. Oktober 2021 ein Import- und Produktionsverbot für PMSG in der EU beschlossen. Zieht die Schweiz nach? Wenn Ja: Wann? Wenn Nein: Warum nicht?

Kassensturz, 01.02.22, 21:05 Uhr

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42 Kommentare

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Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community
    Vielen Dank fürs Mitdiskutieren. Wir schliessen nun die Kommentarspalte und wünschen Ihnen einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Heuzutage (und schon seit ca. 40 Jahren) stellt mat solche Hormone rekombinant (d.h in Bakterien) her oder allenfalls auch durch chemische Synthese im Reagenzglas. Die Verwendung von Pferdeblut zur Extraktion des Hormons ist ganz sicher nicht mehr zeitgemäss. Hier müssen die staatlichen Stellen schauen, dass man das Machbare auch durchführt.
    1. Antwort von Markus Stenz  (Blochi)
      Herr Gürr, da gebe ich Ihnen recht. Es wäre leicht möglich dieses Glycoprotein recombinant herzustellen (wenn auch nicht in Bakterien).
      Vermutlich gibt es schon Zelllinien welche für die Produktion genutzt werden können oder es wäre ein einfaches Eine solche zu generieren.
  • Kommentar von daniel wismer  (yakman)
    Zuerst einmal ein grosses Lob an SRF.ch: im Gegensatz zum "Schweizer Bauer".ch kann man hier über dieses schockierende Thema mitdiskutieren. Vielen Dank !
    Da wundern sich die Bauern und Metzger noch, dass immer mehr vegan und vegetarisch gegessen wird. Jeder cm Tierwohl, jede natürliche und artgerechte Haltung muss dieser Industrielandwirtschaft abgerungen werden. Ich hoffe sehr, dass Herr und Frau Schweizer dieser Landwirtschaftspolitik an der Urne endlich eine Ende setzen !