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Zum Tod von John le Carré und seinen Anfängen in Bern
Aus SRF 4 News aktuell vom 14.12.2020.
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Tod des Spionage-Autoren So fand John le Carré seine zweite Seele in Bern

Schriftsteller John le Carré ist tot. Den Draht zur Welt der Spionage entdeckte er 1947 beim Deutsch-Studium in Bern.

John le Carré. Das ist «Der Spion, der aus der Kälte kam». Das ist «Der ewige Gärtner», der Agent in eigener Sache. David John Moore Cornwell hatte keine entspannte Kindheit. Die Mutter verliess die Familie, als er fünf war. Der Vater, ein notorischer Betrüger und Hochstapler, sass immer wieder im Gefängnis.

John und sein Bruder wurden ins Internat gesteckt. Mit 16 beschloss er abzuhauen. Das war 1947. Er wollte Deutsch lernen. Im Internat hatte er einige Kurse besucht. Nach Deutschland konnte er nicht, der Krieg war eben erst vorbei. Also beschloss er, in die Schweiz zu reisen – nach Bern.

Bern – für eine neue Sprache als zweite Seele

Wie John le Carré, wie er sich später nannte, in einem Interview 2010 mit Radio SRF sagte: «Ich hatte in meiner Public School in England einen guten Deutschlehrer und fand heraus, dass meine Zunge die deutsche Sprache sehr sympathisch fand. Ich liebte auch die deutsche Literatur, sofern ich sie kannte. Karl der Grosse sagte, eine zweite Sprache zu besitzen sei wie eine zweite Seele. Ich wollte eine zweite Seele, und sie sollte für mich Deutsch sein.»

John le Carré mit seinem damals neuesten Roman «Verräter wie wir» (Our Kind of Traitor) am 26. September 2010 im Hotel Bellevue in Bern.
Legende: John le Carré mit seinem damals neuesten Roman «Verräter wie wir» (Our Kind of Traitor) am 26. September 2010 im Hotel Bellevue in Bern. Keystone/Archiv

John le Carré blieb zwei Jahre in Bern, studierte Germanistik und neue Sprachen, schrieb seine ersten Kurzgeschichten und Gedichte und übernahm für die britische Botschaft kleinere Botengänge. Das weckte sein Interesse am Geheimdienst. 1950 trat er dem Nachrichtendienst der britischen Armee bei.

Zuerst MI5, dann MI6 und schliesslich die Literatur

Er studierte, schrieb Geschichten und trat 1952 dem berühmten MI5 bei. Für den britischen Inlandsgeheimdienst spionierte er ultralinke Gruppen aus. Man hegte den Verdacht, sowjetische Agenten würden in Oxford unter den Studenten Spione rekrutieren.

1960 wechselte er zum Auslandsgeheimdienst MI6. In dieser Zeit schrieb er seine ersten Romane, und 1964 wusste er, wie sein Leben weiter verlaufen sollte: «Und endlich habe ich entdeckt, dass ich nicht Spion war, der später Schriftsteller wurde, sondern dass ich ein Schriftsteller bin, der für kurze Zeit Spion war.»

Der britische Schriftsteller John le Carré am 26. September 2010 im Hotel Bellevue in Bern.
Legende: Der britische Schriftsteller John le Carré am 26. September 2010 im Hotel Bellevue in Bern. Keystone/Archiv
Und ich entdeckte, dass ich ein Schriftsteller bin, der für kurze Zeit Spion war.
Autor: John le Carré

Fortan schrieb John unter dem Künstlernamen John le Carré wie besessen. Seine Bücher drehten sich bis in die 1989er-Jahre vor allem um den Kalten Krieg, die Ost-West-Beziehungen – um Männer, die sich für das Individuum und gegen Institutionen entscheiden.

Mit «Federball» aktuell bis zum Schluss

Seinen berühmten Roman «Der Spion, der aus der Kälte kam» schrieb er in nur einer Woche. Er wurde ein Bestseller und natürlich verfilmt. John le Carré wurde international gefeiert. Er hatte das Genre des anspruchsvollen Spionageromans vollendet.

Mit 87 wollte John le Carré mit dem Romanschreiben eigentlich aufhören. Der Brexit und Trump liessen ihn dieses Vorhaben gleich wieder vergessen. 2019 erschien «Federball». Da geht es um Populismus, Datenmissbrauch und Fake News.

SRF 4 News, 14.12-2020, 08:15 Uhr

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