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Tsunami in Indonesien Weshalb wurden die Menschen von der Welle überrascht?

Die betroffene Region verfügt über ein Frühwarnsystem. Dennoch werden Vorwürfe laut, die Alarmierung habe versagt.

Legende: Video Das Tsunami-Frühwarnsystem abspielen. Laufzeit 03:57 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.10.2018.

Worum geht es? Wie viele Menschen dem Erdbeben und dem Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi zum Opfer gefallen sind, ist derzeit noch unklar. Die Behörden rechnen mit über Tausend Toten. Die Zerstörungen entlang der Küste sind enorm. Dabei verfügt die Region eigentlich über ein Frühwarnsystem. Drei Tage nach der Katastrophe werden nun Vorwürfe laut, die Alarmierung habe versagt oder sei zu früh wieder abgestellt worden.

Was steckt hinter den Vorwürfen? «Das Frühwarnsystem hat wie geplant und vorgesehen funktioniert», widerspricht Jörn Lauterjung vom Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Er hat das System mitentwickelt. Fünf Minuten nach dem Erdbeben sei eine Warnmeldung vom Warnzentrum in der Hauptstadt Jakarta aus an die lokalen Behörden, an Radio- und TV-Stationen und die staatlichen Katastrophenschutzbehörden versendet worden.

So funktioniert das Frühwarnsystem

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Das GITEWS (German-Indonesian Tsunami Early Warning System) wurde nach der Tsunami-Katastrophe von Ende 2004 ins Leben gerufen. Es funktioniert auf der Basis von Daten, die von über 300 Instrumenten in Indonesien aufgezeichnet werden. Darunter sind auch 160 Schwingungsmesser. Diese Daten werden ausgewertet, um die Stärke und das Epizentrum eines Bebens festzustellen. Auf der Basis werden innerhalb weniger Minuten Modelle berechnet, die Aussagen darüber ermöglichen, ob, wann und wo ein Tsunami in welcher Höhe erwartet wird und – wenn nötig – Warnungen herausgegeben.

Diese Meldung warnte vor dem Eintreffen einer Tsunamiwelle von 0,5 bis 3 Metern Höhe im Küstenort Palu. Und wurde bereits 34 Minuten später wieder zurückgezogen. Warum zahlreiche Menschen an der Küste trotzdem von der Welle überrascht wurden, ist dem Potsdamer Forscher nicht bekannt. Es könnte aber an der Arbeitsteilung liegen, so Lauterjung. Das Warnzentrum werde vom geophysikalischen Dienst Indonesiens betrieben. Die Kommunikation der Warnmeldungen vor Ort obliege jedoch den örtlichen Katastrophenschutzbehörden. «Diese betreiben auch alle möglichen Warnanlagen wie Sirenen oder sonstige Lautsprecherdurchsagen.»

Jörn Lauterjung

Jörn Lauterjung

Wissenschaftler

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Lauterjung arbeitet am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam. Dort leitet er die Daten-, Informations- und IT-Dienste und ist Co-Direktor des Zentralasiatischen Instituts für angewandte Geowissenschaften (ZAIAG).

Welche Lehren kann man daraus ziehen? Aus der Sicht von Lauterjung ist es jetzt wichtig, dass die Ausbildung der Bevölkerung fortgesetzt wird. Sie sollte zum Beispiel auch auf natürliche Warnsignale wie das Erdbeben selbst oder den Einsturz von Gebäuden reagieren und selbstständig handeln lernen. «Und wir müssen weiterhin die Leute trainieren und darin unterrichten, wie sie sich verhalten sollen, wenn eine Warnmeldung eintrifft», so Lauterjung.

Tsunami Indonesien

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Traurig, dass soviel Kriminalität vorhanden ist. Die Menschen haben alles verloren und Plünderer bereichern sich an dieser Katastrophe. In Japan war das, in diesem Ausmaß, nicht der Fall.:((
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  • Kommentar von Patrik Müller (P.Müller)
    Auf der anderen Seite: Hat man in der CH auch schon einmal 1:1 Vom Alarm bis zur Evakuation geübt, wie das läuft wenn einmal eine richtige volle Staumauer bricht? Und ich meine 1:1 nicht theoretisch... Und das nach einem Erdbeben der Stärke 7 oder so? Keine Ahnung wieviel Kommunikation da bei uns noch läufen würde.
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  • Kommentar von Sascha Freitag (SF)
    Wenn man selbständig handeln den Menschen noch beibringen muss, dann haben die noch sehr sehr viel Arbeit vor sich. Da wird das beste System auf lange Zeit nicht funktionieren.
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