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Heftige Unwetter im Kanton Nidwalden
Aus SRF News vom 11.07.2021.
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Unwetter in der Schweiz «Hochwassergefahr wird sich diese Woche noch verschärfen»

Die Schweizer Seen und auch Flüsse sind randvoll, die Einsatzkräfte haben zum Beispiel im Berner Marzili erste Massnahmen ergriffen. An diesem Wochenende war Engelberg im Kanton Obwalden nach heftigen Gewittern über mehrere Stunden von der Aussenwelt abgeschnitten. Seit rund sechs Wochen plagen uns immer wieder Unwetter. Und laut SRF-Meteorologin Daniela Schmuki ist auch in dieser Woche keine Entspannung in Sicht.

Daniela Schmuki

Daniela Schmuki

SRF Meteorologin

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Daniela Schmuki ist Umweltnaturwissenschaftlerin ETH mit Vertiefung Atmosphäre und Physik. Nach je einem Praktikum bei Meteo Schweiz und Meteotest arbeitet sie seit dem Sommer 2007 als Meteorologin bei SRF Meteo. Zudem ist sie Instruktorin für Flugwetter bei Lufthansa Aviation Training.

SRF News: Wie prekär ist die Lage in den Schweizer Gewässern momentan?

Daniela Schmuki: Es ist schon sehr viel Niederschlag gefallen und die Pegelstände sind hoch. Die Hydrologinnen und Hydrologen des Bundesamts für Umwelt (Bafu) haben für den Brienzer- und Thunersee, den Vierwaldstättersee und den Zürichsee bereits die Gefahrenstufe 3 von 5 ausgerufen. Diese Seen sind also randvoll. Die Schleusen seien aber offen, damit möglichst viel Wasser abfliessen kann. Entsprechend sind auch die Pegelstände der Flüsse aktuell sehr hoch.

Das Bafu hat für den Brienzer- und Thunersee, den Vierwaldstättersee und den Zürichsee die Gefahrenstufe 3 von 5 ausgerufen

Ist auch mit weiteren Erdrutschen und Murgängen zu rechnen?

Wegen des vielen Niederschlags in den letzten Wochen und Tagen sind auch die Böden gesättigt. Der Grundwasserspiegel ist hoch. Das heisst, dass die Böden das zusätzliche Wasser nicht mehr gut aufnehmen können und es kommt sofort in den Abfluss. Auch die Pegel kleinerer und mittlerer Bäche und Flüsse können also schnell anschwellen.

Die Situation ist wirklich sehr ungünstig und dadurch auch unberechenbar.

Mit den gesättigten Böden besteht natürlich gerade in steilem Gelände die Gefahr von Erdrutschen und Murgängen. Die Situation ist wirklich sehr ungünstig und dadurch auch unberechenbar. Wenn weiterer Regen dazu kommt, kann es schnell zu viel Regen sein.

Ist die Situation in der ganzen Schweiz ähnlich oder gibt es Regionen, wo die Lage prekärer ist?

Die Voralpenseen sind im Moment am stärksten gefüllt, da ist die Situation sicher am heikelsten. Aber auch im Süden sind die Böden nass. Also auch dort besteht Erdrutsch- und Murganggefahr. Die Hydrologen haben mir aber gesagt, dass die Seen im Süden noch Potenzial hätten. Da seien die Pegel noch nicht so hoch.

Wie geht es nun weiter, wird sich die Lage wieder beruhigen?

Nächste Woche erwarten uns leider die nächsten Unwetter, und zwar am Montagabend in der Nacht auf Dienstag. Da ziehen teilweise heftige Gewitter auf, es droht Hagel, Sturm und erneut Starkregen. Nach diesen heftigen Gewittern ziehen sich die Regenfälle vor allem in den Dienstag hinein. Da kommen regional grosse Regenmengen zusammen.

Wir können noch nicht sagen, welche Region am meisten Niederschlag abbekommt.

Auch am Mittwoch, Donnerstag und Freitag geht es zeitweise nass weiter. Es kommt also noch weiterer Regen dazu, vielleicht Ende Woche noch in grösseren Mengen. Da ist noch ziemlich unsicher, wie sich da die Situation entwickelt. Weil ein Tief über dem Alpenraum zieht und je nach genauer Position andere Regionen betroffen sind. So können wir im Moment noch nicht sagen, welche Region am meisten Niederschlag bekommt. Im Süden ist es wahrscheinlich der Dienstag, wo mit den heftigsten Gewittern und den grössten Regenmengen zu rechnen ist. Die Hochwassergefahr aber auch die Gefahr von Erdrutschen und Murgängen wird sich diese Woche also noch verschärfen.

Das Gespräch führte Noemi Bertet.

SRF 4 News, 11.7.2021, 14 Uhr;

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31 Kommentare

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  • Kommentar von willy schütz  (barbill45)
    seit jahrzehnten verändert die menschheit auf der ganzen welt die natur. vieles wurde schon verändert und will noch verändert werden. einmal ist genug und nun rächt sich die natur!!! wir werden noch schlimmeres erdulden müssen wie z.b. lebendsmittel knappheit.
    1. Antwort von Philipp Reinhard  (Fippu)
      Ich gebe Ihnen teilweise Recht, jedoch sehe ich hier den Zusammenhang nicht. In Sachen Hochwasserschutz können wir sicher froh sein hat der Mensch Flussbette tiefer gemacht, Schleusen gebaut etc...
    2. Antwort von Steven Baumgartl  (Steven B.)
      @Fippu - Leider kann ich bei diesem Argument nicht zustimmen - der Mensch hat Flüsse begradigt, Talsperren gebaut und vieles mehr, er hat damit die Natur beeinflusst und das in einem immensen Umfang. Irgendwann fällt immer wieder etwas auf einen zurück, was man versäumt hat zu korrigieren oder besser zu machen...
    3. Antwort von Rolf Bombach  (RGB)
      Die Schweiz würde problemlos mit der Hälfte der heutigen Menge an Lebensmitteln auskommen. Bei steigender Volksgesundheit.
    4. Antwort von Claudia Esser  (Lilly.lombarte)
      @barbill, ich stimme Ihnen das voll und ganz zu.Der Mensch ist das unbelehrbarste Wesen auf deîesem Planeten.Nie gelernt aus der Vergangenheit,im Gegenteil: immer Mehr,Weiter,Schneller hoch hinaus.Die Quittung wird uns alle noch erschrecken... Danke für Ihren Kommentar
    5. Antwort von Claudine Blum  (Maisie)
      Und trotz alledem werden - wie soeben wieder geschehen - Initiativen, die etwas für den Umweltschutz erreichen wollen, weiterhin munter abgelehnt in unserer privilegierten Schweiz... tja, blinde Wirtschaftsgläubigkeit rächt sich halt, aber daraus lernen wir offenbar weiterhin nichts.
  • Kommentar von Gabor Riedo  (gaborri)
    Bin gerade in Ostösterreich in der Gegend um Wien. Dort dürstet man nach Wasser. Seit Wochen kein nennenswerter Niederschlag und über eine längere Zeit Temperaturen von mehr 30°C. Ich mag es doch lieber ein wenig kühler und nässer. Die Frage stellt sich, warum, das nasse Wetter nicht nach Osten abzieht und dort die dürre Natur wieder ergrünen lässt.
  • Kommentar von Köbi Leu  (Köbi Löwe)
    Das mit dem Notrecht kommt schon noch. Es gibt Dinge, für die man nicht das Volk befragen kann. In einem Ernstfall (Krieg) kann das Volk zurecht auch nicht befragt werden. Das bestimmt die Bundesversammlung. Und der Kampf gegen die Klimaerwärmung wird wie Krieg werden. So einfach ist das.
    1. Antwort von Halbeisen Charles  (chh)
      Unsinn. Weil das Klima verrückt spielt, braucht es keine Diktatur. Und vor allem wird nicht due Schweiz das Klima retten. Was zu tun oder nicht zu tun ist, ist auch nicht allgemein verbindlich.
    2. Antwort von Peter Belmi  (P.B.)
      Agency “Wenig bewusst ist uns die Tatsache, dass wir – trotz steigender Temperaturen – erdgeschichtlich gesehen in einem Eiszeitalter leben…. in der langen Klimageschichte war das Warmklima das vorherrschende Klima, sozusagen der „Normalzustand“ der Erde. Dieser Normalzustand mit Temperaturen um 20 bis 25 Grad Celsius zeichnete sich mit bis zu 10 Grad höheren Erdmitteltemperaturen aus. Heute liegt dieser Wert bei 15 Grad Celsius.
    3. Antwort von René Obi  (René Obi)
      Peter Balmi. Stimmt schon, nur... seit der letzten Eiszeit ist die durchschnittliche Temperatur auf die knapp 15 Grad angestiegen und ist seit rund 8000 konstant geblieben. Das erst hat die Entstehung unserer Zivilisation ermöglicht. Seit rund 100 Jahren entlassen wir mit unserem Verhalten mehr Klimagase in die Atmosphäre, als die Natur wieder aufnehmen kann. Mit der Folge, dass es seit ein paar Jahrzehnten immer schneller wärmer wird. Ob das unsere Zivilisation überleben kann ist sehr ungewiss.