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Unwetter in der Schweiz Tiere nach Hochwasser aus Naturschutzgebiet verschwunden

  • Wegen des Hochwassers am Neuenburgersee sind einige Tierarten aus der Grande Cariçaie, dem grössten zusammenhängenden Feuchtgebiet der Schweiz, verschwunden.
  • Viele Insekten ertranken und Vögel flogen weg an andere Orte.
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Aus dem Archiv: Der Neuenburgersee ist verschmutzt
Aus Tagesschau vom 23.07.2021.
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Die Grande Cariçaie erstreckt sich über einen 40 KiIometer langen Streifen entlang des Südostufers des Neuenburgersees und umfasst acht Naturschutzgebiete mit insgesamt rund 3000 Hektaren. Normalerweise bewegen sich Spaziergänger auf Besucherwegen durch das Schutzgebiet, das aus Mooren, feuchten Wäldern und Flachwasserzonen besteht.

Drastischer Rückgang bei Libellen, Heuschrecken und Grillen

«Heute sieht die Grande Cariçaie wie ein mit Schilf bewachsener See aus. Wir fahren in Kanus oder mit Stiefeln dorthin, die uns bis zur Brust reichen», sagte Antoine Gander, Biologe des Vereins Grande Cariçaie, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Erste Beobachtungen zeigten einen drastischen Rückgang der Zahl der Libellen, Heuschrecken und Grillen. Die seltene und stark gefährdete Zwerglibelle zum Beispiel sei aus ihrem üblichen Verbreitungsgebiet fast vollständig verschwunden, erklärte der Experte. Nur wenige Eier überlebten das Hochwasser.

Die Glänzende Glattschnecke hat versucht, sich auf Pflanzenstängel zu flüchten. Dann ertrank sie.
Autor: Antoine Gander Biologe

Ein weiteres Opfer ist die sehr seltene und auf wenige Standorte beschränkte Glänzende Glattschnecke, die Sümpfe und Feuchtwiesen bevorzugt. «Tagelange Überschwemmungen überlebt sie nicht. Zuerst hat sie versucht, sich auf Pflanzenstängel zu flüchten», sagte Gander. «Dann ertrank sie.»

Vögel verloren ihre Eier in den Fluten

Die Zahl der Vögel ist stark zurückgegangen. «Haubentaucher, Rohrammer und Teichrohrsänger sind dorthin geflüchtet, wo sie mehr Nahrung finden können. Sie können weit weg sein, bis zu hundert Kilometer, eher aber in den umliegenden Teichen», sagte Christophe Sahli, Ornithologe des Vereins Grande Cariçaie.

Auch einige Bruten wurden vernichtet. Enten und andere Bodenbrüter haben oft ihre Eier verloren. «Glücklicherweise war die erste Brut der im Sumpf lebenden Singvögel durch», sagte der Experte. Hingegen wird der in der Schweiz besonders seltene Purpurreiher in diesem Jahr wahrscheinlich keine Küken aufziehen, da seine Nester überflutet wurden. Im Reservat leben zwischen fünf und zehn Paare.

Die Natur wird sich wieder regenerieren

Die Folgen der Überschwemmungen für das Schutzgebiet im Detail abzuschätzen, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig. Sie dürften aber vorübergehender Natur sein. Die Biologen erwarten, dass die Vögel, die weggezogen sind, im nächsten Jahr wieder zurückkehren und dass Insekten die überschwemmten Flächen wieder besiedeln werden.

Das Hochwasser 2015 hat den Populationen der prioritären Arten nicht geschadet
Autor: Antoine Gander Biologe

Die Natur sei widerstandsfähig und sehr gut darin, sich zu regenerieren. Ein Hochwasser könne auch etwas Positives sein und die Ausbreitung bestimmter Arten an anderen Orte beschleunigen. «Das Hochwasser vom Mai 2015 lag zwar 30 bis 40 Zentimeter tiefer, hat aber den Populationen der prioritären Arten nicht geschadet», erinnert sich Biologe Gander.

In der Grande Cariçaie lebt rund ein Viertel der Tier- und Pflanzenarten der Schweiz, darunter zahlreiche seltene und bedrohte Arten. Die vier Kantone Waadt, Freiburg, Neuenburg und Bern teilen sich diesen natürlichen Reichtum.

SRF 4 News, 29.7.2021, 16 Uhr;

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10 Kommentare

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Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    Das Artensterben weltweit hat vor allem einen Grund: den Menschen. Durch sein Verhalten gefährdet er Tiere, Pflanzen, sogar ganze Landschaften. Vögel und Insekten, kleine Säugetiere, Amphibien und Reptilien – in der Schweiz sind immer mehr Tierarten vom Aussterben bedroht. „Das liegt zum einen an Umweltschäden und -belastungen. Lebensräume für Bauten, Verdichtung auf Äckern, Städte und Aglomerationen rauben ihnen den Lebensraum.Der Klimawandel mit Unwettern, Überschwemmungen verschlimmert alles
  • Kommentar von Alois Keller  (eyko)
    So viele Tiere wie Insekten sind dem Hochwassern zum Opfer gefallen. Das tut weh. Ob die die Natur in Zukunft so widerstandsfähig bleibt mit dem Klimawandel sei dahin gestellt. Der Mensch verwüstet die Erde im wahrsten Sinne des Wortes. Die Abholzung von Wäldern, Überdüngung, zu starke Beweidung, Übernutzung durch die Landwirtschaft, falsche Bewässerungsmethoden gehören zu den wichtigsten Ursachen, für die der Mensch verantwortlich ist. Die Natur zeigt uns fast tagtäglich die rote Karte.
  • Kommentar von Martin Bigler  (alimar)
    Antwort an huwist: Im GIS ersichtlich, rechtswidrig wird im Neeracherried 18‘000 m2 Moorboden abgebaut und mit Fremdmaterial der Boden verdichtet.Siehe neueste, hochauflösende Fotos im GIS. Was Sie ansprechen ist etwas anderes: ‚Umfahrung Neeracherried‘ so steht es in allen Zeitungen - in Wahrheit sind neue Strassen geplant im Neeracherried, BLN-Gebiet 1404 - eine Umfahrung sieht anders aus.