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Für eine Hypothek braucht es keine Unterschrift
Aus Espresso vom 25.05.2021.
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Vereinfachter Abschluss Für eine Hypothek braucht es keine Unterschrift

Um einen Hypothekar-Vertrag abzuschliessen, genügt eine mündliche Zusage. Das kann für Kunden teure Folgen haben.

Die langjährige Hypothek eines «Espresso»-Hörers läuft im Juni ab. Er beauftragte deshalb einen Vermittler, ihm ein günstiges Angebot zu suchen. Der Vermittler unterbreitete ihm eine Offerte für eine zehnjährige Festhypothek bei einer Kantonalbank.

«Ich habe dem Vermittler eine kurze E-Mail geschrieben, dass ich mit der Offerte einverstanden bin.» Dass er damit bereits die Hypothek abgeschlossen hat, war ihm zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst.

Weil er wissen wollte, ob er vor der Pensionierung noch einen Teil der Hypothek zurückzahlen sollte, liess er sich bei seiner Hausbank beraten. Diese unterbreitete ihm bei der Gelegenheit ein attraktives Angebot für seine Hypothek. «Ich schrieb dem Vermittler, dass ich sein Angebot nicht mehr in Anspruch nehmen möchte», erzählt der Hörer.

«Dann kam postwenden die Antwort, dass ich die Hypothek bereits rechtsgültig abgeschlossen hätte.» Aus dem Vertrag könne er nur aussteigen, wenn er eine Vorfälligkeitsentschädigung von mehreren tausend Franken bezahlen würde.

Immer wieder Fälle beim Bankenombudsman

Marco Franchetti ist Schweizer Bankenombudsman. Er sagt, auch bei ihm würden ab und zu Fälle landen, bei denen Kundinnen und Kunden – ohne es zu wissen – eine Hypothek abgeschlossen hätten. «Da das Gesetz keine besondere Form für eine Hypothek vorsieht, kann sie auch mündlich abgeschlossen werden. Es braucht dafür keine Unterschrift.»

Mündliche Abschlüsse kämen vor allem vor, wenn eine ablaufende Hypothek verlängert werden müsse, sagt Franchetti. Meist würde der Berater oder Beraterin den Kunden anrufen und ihm ein neues Angebot unterbreiten. Wer dazu ja sagt, hat bereits eine Hypothek abgeschlossen. Darum sei es wichtig, dass sich die Kunden nicht unter Druck setzen liessen und ganz klar sagen würden, dass sie noch andere Angebote prüfen würden.

«Wenn es zum Streit kommt, und die Bank behauptet, es sei ein Vertrag zustande gekommen, dann muss sie das auch beweisen», sagt der Ombudsman. Das sei natürlich bei mündlichen Abmachungen schwierig, weil es keine Zeugen gebe. Solche Fälle landen dann beim Ombudsman oder vor Gericht.

Espresso, 25.05.2021, 08:13 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Lily Mathys  (Alle vergeben)
    Es gibt nur wenige Verträge, die nur schriftlich abgeschlossen werden können. Darunter fällt z. B. Die Kündigung einer Mietwohnung. Rest ist nach OR Grundsatz. Da dies anscheinend viele nicht wissen, sollte vielleicht mal gezeigt werden, welche nur schriftlich gehen (f.Private). Das sind nicht sehr viele.
    1. Antwort von Markus Weber  (Markus Weber)
      Nur halb richtig: Der eigentlichen Mietvertrag muss nicht schriftlich sein, sie können einen Mietvertrag auch mündlich abschliessen. Lediglich die Vertragsauflösung (Kündigung) muss bei einem Mietvertrag für eine Wohnung schriftlich erfolgen. Aber dies auch nur zwingend von der Vermieterseite. Als Mieter könnten sie theoretisch auch mündlich kündigen. Das Problem ergibt sich auch der Beweispflicht, daher ist die schriftliche Kündigung zu empfehlen.
  • Kommentar von Patrick Janssens  (patrickjanssens)
    Dass der Ombudsmann ein Vollzeitbeschäftigter ist deutet daraufhin dass es ein strukturelles Problem gibt.
    Die Geschäftspraktiken die wir sehen deuten daraufhin, dass um Wachstum zu generieren mehr und mehr zurückgegriffen wird auf Methoden die das Tageslicht scheuen.
  • Kommentar von Markus Weber  (Markus Weber)
    Wow, ich staune über das mangelnde Allgemeinwissen der meisten Kommentarschreibenden hier. Das Vertragsrecht im Obligationenrecht (OR) besteht mehr oder weniger sein 1911!!! Seit dieser Zeit, genügt einzig "die übereinstimmende gegenseitige Willensäusserung" um einen Vertrags abzuschliessen. Eine Schriftlichkeit ist - mit Ausnahme von Kaufverträgen für Immobilien und Grundstücke - für keinen weiteren Bereich vorgeschrieben.
    1. Antwort von Aurel Specker  (Auspec)
      Wie Sie sagen, benötigt es eine gegenseitige KONKRETE Willensäusserung. Diese gab es hier offensichtlich nicht. Der Vermittler hat eine Aussage "ich bin mit der Offerte so einverstanden" falsch als konkrete Willensäusserung zu einem Kauf interpretiert.

      "Ich bin mit der Offerte so einverstanden" heisst lediglich, dass inhaltlich das Angebot passt. Aber NICHT dass man dieses eingeht!

      Sie kaufen ja auch nicht gleich ein Auto, nur weil Sie sagen, "Das ist ein gutes Angebot für dieses Auto."
    2. Antwort von Markus Weber  (Markus Weber)
      @Specker: Selbstverständlich reicht dies für die Interpretation als Zustimmung aus, wenn sie schriftlich (Mail gilt als schriftliche Zustimmung) Antworten, dass sie so mit der Offerte einverstanden sind ohne einen Vorbehalt anzubringen wie z.B. "ich bin grundsätzlich mit der Offerte einverstanden, will mir die Sache aber noch ein paar Tage überlegen." Den zwischen "Dass ist ein gutes Angebot für ein Auto" und "Ich bin mit dem Preis für das Auto einverstanden" besteht ein grosser Unterschied.