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Amman - Verkehrschaos wegen Bevölkerungswachstum
Aus Rendez-vous vom 30.07.2019.
abspielen. Laufzeit 05:32 Minuten.
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Verkehrschaos in Jordanien Der Traum von der Velospur

In Amman ist Stadtplanung etwas für Optimisten. Immerhin soll nun beim öffentlichen Verkehr ein bisschen Ordnung einkehren.

Die meisten regen sich über die Grossbaustelle an der eh schon ständig verstopften Königin-Rania-Strasse in der jordanischen Hauptstadt Amman nur auf. Aber Ali Attari freut sich enorm darüber: «Jetzt gibt es kein Zurück mehr!», sagt der 30-jährige jordanische Forscher und Berater für die Planung öffentlicher Verkehrsmittel.

Blick auf einen Kreisel in Amman.
Legende: Eine fertiggebaute Haltestelle für den Bus Rapid Transit am Press Circle in Amman. In Stosszeiten soll hier alle zwei Minuten ein Bus fahren. SRF/Susanne Brunner

Endlich werden die Spuren für das Bus Rapid Transit System gebaut. Zu Stosszeiten soll ein Bus im Zwei-Minuten-Takt verkehren. Die Bauarbeiten sollten längst fertig sein. «Kaum war eine Haltestelle gebaut, stoppten sie die Bauarbeiten für fünf Jahre,» sagt Attari. Aber jetzt geht's wieder vorwärts, ab 2021 soll der Schnellbus freie Bahn haben.

Niemand kennt die Routen der Busse

Stau, Verkehrschaos, und Wildwuchs im Bereich öffentliche Verkehrsmittel: In Amman ist von Verkehrsplanung nicht viel zu sehen. «Es gibt keine Karte mit Busrouten, keine Fahrpläne, und auch keine fixen Billettpreise», sagt Verkehrsplaner Attari. Er hat – abgesehen von einem Studienaufenthalt in den USA – sein ganzes Leben in Amman verbracht. Kein Mensch wisse genau, wohin die rund 80 Buslinien fahren oder wo ein Bus anhalte.

Baustelle an einer Strasse in Amman.
Legende: Baustelle für den BRT (Bus Rapid Transit) in Amman: Komfortable Schnellbusse sollen dereinst auf einer eigens für sie reservierten Spur durch die 4-Millionen-Stadt fahren. SRF/Susanne Brunner

Fast 90 Prozent der Stadtbevölkerung sind deshalb im Privatauto oder mit Taxis unterwegs. Den ÖV brauche nur, wer keine andere Wahl habe. Attari half mit, eine inoffizielle ÖV-Karte von Amman zu erstellen. Freiwillige nahmen GPS-Daten von Busrouten mit ihren Handys auf, eine private Firma erstellte daraus eine Karte. Geld vom Staat gab's dafür nicht. Subventionen gebe es nur für ein paar Busse zu abgelegenen Universitäten.

Hunderte illegale Schulbusse

In einer schwarzen Rauchwolke knattert ein Minivan voller Kinder vorbei – gebaut für den Gütertransport, umfunktioniert zum Schulbus. «Manchmal laden sie bis zu 40 Schüler», sagt Attari. Platz hätten aber maximal zehn. In Jordanien gebe es rund 3000 solche meist illegale Anbieter von Schultransporten. Die Regierung finanziert keine regulären Schulbusse für öffentliche Schulen.

Attari versucht deshalb im Rahmen eines Projektes der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, das Chaos zu regulieren, ohne Verlust dieser wichtigen Dienstleistung für Schulkinder. In einer Stadt, die so schnell gewachsen ist wie Amman, ist jeder Meter auf dem Weg zu diesem Ziel ein Stolperstein. Buchstäblich.

Verkehrsplaner Ali Attari.
Legende: Verkehrsplaner Ali Attari auf einem der vielen Trottoirs, die in Amman im Nichts enden. SRF/Susanne Brunner

«Es hört hier einfach auf», sagt Attari und zeigt aufs Trottoir. Blockiert von parkierten Autos und grossen Zierbäumen, mündet es oberhalb der fertigen Station für den Schnellbus planlos in ein Feld. Der Verkehrsplaner seufzt.

«Die Stadt hat 4.3 Millionen Einwohner, sie wächst weiter. Und wenn wir nichts machen, auch im Bereich von Trottoirs und Velospuren, dann wird der Verkehr immer schlimmer», sagt Attari. Velospuren?! In einer so hügligen und verstopften Stadt wie Amman? «Das ist vielleicht etwas optimistisch», gibt der junge Verkehrsplaner zu. Aber heute gebe es ja auch E-Bikes. «Warum also nicht auch Velospuren?»

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4 Kommentare

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  • Kommentar von m. mitulla  (m.mitulla)
    Jordanien hat sehr viele Syrische Flüchtlinge aufgenommen und kämpft nicht nur mit Verkehrsproblemen. Heute drängen viele Palästinensischen Flüchtlinge nach Jordanien. Wasser ist ein rares und teures Gut, weil von den Jordanquellen zu viel Wasser abgezweigt wird . Schulen stossen ebenso an ihre Grenzen wie das Gesundheitswesen. Jordanien sollte mehr unter die Arme gegriffen werden.
  • Kommentar von Fahad Mueller  (ProudMuslim)
    In solchen Ländern nützen Busse eh nichts. Man nimmt das Taxi, weil es sehr billig ist. War im Iran und niemand fuhr mit Bussen oder nur wenige wenige. Zb bis is Stadtzentrum dauerte es von meiner Position 1h und es hat gerade mal etwa 1Fr gekostet also nichts. In Jordanien ist es auch nicht anderes. Im ganzen Nahen Ostren ist es billig.
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Für sie schon, für die Einheimischen weniger.
    2. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      Daruk baut man ja ein Schnellbusnetz und dem chaos die Spitze zu brechen und um weniger Autos zu haben