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Legende: Video Der grosse Durst der Avocado – Verteilkampf ums Wasser abspielen. Laufzeit 07:29 Minuten.
Aus Kassensturz vom 09.04.2019.
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Verteilkampf ums Wasser Die Schattenseite des Avocado-Booms

In den Anbaugebieten in Chile graben die grossen Avocado-Produzenten den Kleinbauern und der Bevölkerung das Wasser ab.

In der Region Petorca in Chile – gemeinsam mit Peru das wichtigste Herkunftsland von Avocados in der Schweiz – hat sich die Anbaufläche für Avocados in den letzten 30 Jahren verzehnfacht. Neue Plantagen sind vor allem an Berghängen am Rande des Tals entstanden. Dort ist Land billig und die Bäume sind besser vor Frost geschützt.

Produzenten zweigen Wasser ab

Aber die Avocados in der Höhe sind für die Menschen im Tal ein Ärgernis. Sie grüben den Bewohnern buchstäblich das Wasser ab, erklärt Rodrigo Mundaca von der Organisation Modatima, die sich für faire Wasserverteilung einsetzt: «Die Grossproduzenten erhielten das Recht, Wasser aus dem Fluss abzuzweigen. Sie haben es auf die Hänge umgeleitet, um ihr Business zu machen: Avocados für den Export.»

Karte von Chile
Legende: Petorca (rot) ist ein wichtiges Herkunftsland für unsere Avocados. SRF

Die Folgen im Tal sind weit herum sichtbar: Ausgetrocknete Flüsse, versiegende Brunnen. Wie jener, von dem Kleinbauer Ricardo Sangüesa Wasser bezog. Der Gemeinschaftsbrunnen versorgte einst siebzig Bauernfamilien, heute ist er nahezu leer: «Ich habe viel kleinere Erträge. Oft nur noch ganz kleine Avocados, die viel weniger einbringen und sich nicht für den Export eignen.»

Avocados im Test: Keine Pestizide gefunden

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Avocados im Test: Keine Pestizide gefunden

Gemeinsam mit der Westschweizer Konsumentensendung «A Bon Entendeur» hat «Kassensturz» acht ganze Avocados und zwei Convenience-Produkte mit geschnittenen Avocado-Stücken aus dem Detailhandel auf Pestizide testen lassen. In den vorgeschnittenen Produkten fand das Labor lediglich Spuren eines Pestizids. In den ganzen Früchten hat es gar keine Rückstände nachgewiesen.

Details zum Test

Wasser ist in Chile eine Ware. Der Staat vergibt Rechte zum Bezug von Wasser, die gehandelt werden können. Auf Grund der Trockenheit sind diese Rechte ein teures Gut. Grossproduzenten können sich das leisten. «Ein öffentliches Gut wird so für private Interessen missbraucht», sagt Rodrigo Mundaca von Modatima.

Derweil sind viele Bewohner auf rationierte Wasserlieferungen angewiesen. Der Bürgermeister der Stadt Petorca, Gustavo Valdenegro, beklagt: «Avocados bewässern sie mit 100 bis 120 Liter pro Tag. Die Menschen hier müssen mit Lieferungen von 50 Litern pro Tag auskommen. Ist das gerecht?»

Einen Avocadobaum bewässern sie mit 100 bis 120 Liter pro Tag. Die Menschen hier müssen mit Lieferungen von 50 Litern pro Tag auskommen. Ist das gerecht?
Autor: Gustavo ValdenegroBürgermeister Petorca

Regenmangel verschärft den Verteilkampf

Das Thema Wasserverbrauch ist bei den grossen Exportfirmen heikel. Keine erlaubte den Reportern von RTS Dreharbeiten. Der Exportverband sagt, zu oft hätten ausländische Medien falsch berichtet.

Grossproduzenten betonen, der klimabedingte Regenmangel der letzten Jahre sei verantwortlich für die Dürre. Den Reportern zeigt man eine Vorzeigeplantage, jene von Produzent Guillermo Correa.

Legende: Video Bauer Ricardo Sangüesa kämpft mit viel kleineren Erträgen abspielen. Laufzeit 00:40 Minuten.
Aus Kassensturz vom 09.04.2019.

Lokale Behörden wehren sich

Dank moderner Bewässerung spare er Wasser und könne einen Teil davon der Bevölkerung zurückgeben. Er wehrt sich gegen Kritik an den Grossproduzenten: «Alle müssen Mass halten, die Grossen und die Kleinen. Wir Grossproduzenten stehlen kein Wasser, wir werden laufend kontrolliert.»

Doch in manchen Fällen geraten die Avocado-Produzenten sehr wohl in Konflikt mit den Behörden. Der Bürgermeister von Petorca zeigt Fimaufnahmen, wie er eine unterirdische Wasserleitung entfernen lässt, die er nicht bewilligt hat. Sie gehört gemäss Behörden Guillermo Correa, dem Vorzeige-Produzenten, der vorgibt Wasser fair zu teilen. Fragen dazu mag er nicht beantworten.

Fakt ist: Der Verteilkampf um das Wasser tobt, weil zu wenig Wasser in Flüsse und Brunnen gelangt – und zu viel an den Hängen zu wertvollen Avocados für den Export veredelt wird.

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Helena Müller (Helena Müller)
    Ich persönlich mag Avocados. In Israel haben wir sie direkt von den Bäumen geholt. Ich kaufe vielleicht pro Monat eine. Doch: unsere Gier nach "dem grossen Fressen" könnte sich locker auf die Hälfte reduzieren. Das würde u.a. auch den Arzt in Vielem sparen...
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Konsumiere schon seit weit über 30 Jahren keine ausländischen Früchte mehr, schon gar nicht exotische, nichtmal Bananen, Orangen oder Zitronen und lebe immer noch. Das Angebot hierzulande ist genügend gross, selbst Kiwis tragen üppig. Und an der Hauswand gedeihen neben Aprikosen und Reben sogar Zitronen, Bananen und Oliven im Topf, die ich dann zum Überwintern in den Keller nehme. Diese Pflanzen gedeihen auch auf Balkonen, halt kleinere Früchte, aber dafür eigene.
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Äpfel, Birnen Kirschen, Erdbeeren, Pflaumen, Zwetschgen, Aprikosen, Pfirsiche, Trauben, wir haben alles hier. Warum nur müssen wir uns noch zusätzlich exotische Früchte um den Erdball karren lassen? Kommt dazu, dass die noch unreif geerntet werden und dann bei uns angekommen geschmacklich um Welten schlechter sind als im Herkunftsland.
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    1. Antwort von Martin Tschanz (tinu83)
      Vermutlich nicht zuletzt wegen des Super-Food-Trends ... Aber wenn ich beobachte wie die grosse Menge ohne Liste und scheinbar völlig planlos durch Migros und Coop rennt und sich keiner mehr die Zeit nimmt überhaupt etwas zu hinterfragen .... ja dann ....
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