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Verzögerte Übertragungen Wer sieht das Tor zuerst?

Collage: Granit Xhaka greift an, schiesst ein Tor und jubelt
Legende: Ablauf verschoben: Im digitalen Zeitalter herrschen verschiedene Geschwindigkeiten bei der Übertragung. Keystone

Als 1990 der deutsche Nationalspieler Andreas Brehme im Finale gegen Argentinien in der 85. Minute den Elfmeter versenkte, da jubelte bloss eine Sekunde nach den Fans im Stadion ganz Deutschland – und das gleichzeitig.

Im Zeitalter des analogen Fernsehens war die Verzögerung des Fernsehbildes vernachlässigbar. Heute erreicht das Signal die Zuschauer vor dem TV-Gerät zwischen 5 und 13 Sekunden später, die Fans vor dem Computer oder Smartphone hinken sogar mehr als 30 Sekunden hinterher. Während also die einen im Schweizer Spiel gegen Serbien immer noch gespannt den Angriff von Granit Xhaka verfolgten, schauten die anderen schon zu, wie er den Doppeladler machte.

Zeitverzögerung der verschiedenen Übetragungsarten

Verteilung von Signalen entscheidend

Für diese Verschiebung gibt es verschiedene Gründe. Nachdem das komprimierte Signal fast ohne Verzögerung aus Russland in der Schweiz eingetroffen ist, wird es bei der SRG in Zürich entpackt und angereichert: Die Bewegtbilder mit Grafiken, der Ton mit der Stimme des Kommentators. Dann wird der Videostream komprimiert und neu verpackt an die verschiedenen Anbieter weitergereicht. Das alles braucht Zeit – ein wenig zumindest.

Denn den grössten Einfluss auf die Geschwindigkeit habe die Art, wie die Provider das Signal auf ihren Netzen übertragen, sagt Alfred Thaqi, Teamleiter des Technischen Koordinationszentrums der SRG. Am schnellsten ist die Verbreitung über eine Antenne (DVB-T, +5 Sekunden), gefolgt vom Empfang über einen Satelliten (DVB-S2, +6 Sekunden).

Deutlich langsamer sind das klassische Kabelnetz (DVB-C, +11 Sekunden, z.B. UPC Cablecom) und die IP-basierten Kabelnetze (+13 Sekunden, z.B. Swisscom). Weit abgeschlagen folgt das Internet (+30 bis 60 Sekunden, z.B. SRF Player). Weil dieser Verbreitungskanal sehr störungsanfällig ist, benutzen die Endgeräte einen Puffer, der einen Ausfall von mehreren Sekunden überbrücken kann. Beim Füllen dieses Speichers geht wertvolle Zeit verloren.

Der Röhrenfernseher wäre am schnellsten...

Ungeschlagen wäre immer noch das analoge Fernsehsignal aus den 90er Jahren. Wäre, denn in der Schweiz wurden die alten Sendeanlagen 2015 abgeschaltet. Den unscharfen Bildern aus den klobigen Röhrenfernsehern trauert wohl niemand nach. Und die Verzögerung ist eben der Preis, den wir im digitalen Zeitalter bezahlen müssen – für bessere Bildqualität und viel mehr Flexibilität.

Sendebezug: SRF 4 News, 03.07.2018, 16:00 Uhr

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