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Panorama Wenn Arbeit tötet: Japan zählt seine Stress-Suizide

«Karoshi» heisst das in Japan. Und nur da gibt es ein Wort dafür: den Tod durch Überarbeitung. Zum ersten Mal hat Japans Regierung ein Weissbuch zur Verträglichkeit der Arbeitswelt erstellt. Nun ist 2015 die Stress-Suizid-Rate mehr als 20 Mal höher als bisher geschätzt.

Ein Arbeiter steht in dämmrigem Gegenlicht auf einem Dach und hält eine Schlinge in der Hand.
Legende: Viele japanische Arbeitnehmer leisten Überstunden bis an den Rand der Erschöpfung. Reuters

Meist sterben die Opfer in Folge chronischer Erschöpfung an Hirn- oder Herzschlag. Der japanische Volksmund nennt das dann «Karoshi». Die Selbsttötung aus Verzweiflung über den Arbeitsplatz gehört hier nicht dazu.

Suizid-Rate schnellt in die Höhe

Dennoch hat sich Japans Regierung erstmals dazu durchgerungen, diese Zahlen nicht bloss zu schätzen, sondern mit einer breiten Untersuchung faktisch zu erheben.

Bisher anerkannte das Arbeitsministerium offiziell 93 Fälle von Selbstmord oder versuchtem Suizid in Folge von Überarbeitung. Das war allerdings eine Schätzung. Nach den von der Polizei bestätigten Zahlen der Untersuchung kam es aber im vergangenen Steuerjahr zu 2159 Selbsttötungen, bei denen unter anderem Probleme am Arbeitsplatz eine Rolle gespielt haben sollen. Das Steuerjahr endet in Japan jeweils im März.

Malochen bis zum Umfallen

Die Diskrepanz veranschauliche, dass die vom Arbeitsministerium anerkannten Fälle wohl lediglich die Spitze des Eisbergs sind, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Wie es zu solch hohen Suizid-Raten kommt, wird deutlich, wenn man andere Zahlen der Untersuchung in den Blick nimmt.

Demnach gaben 23 Prozent der befragten Unternehmen an, dass manche ihrer Mitarbeiter auf mehr als 80 Überstunden im Monat kommen.

Die Daten basieren auf Antworten von 1743 der 10'000 zwischen Dezember 2015 und Januar 2016 befragten Unternehmen. Zudem wurden die Angaben von rund 20'000 Mitarbeitenden ausgewertet.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von W. Ineichen (win)
    Arbeit ist lebensgefährlich.
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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Es ist durchaus richtig, nicht etwa mit Fingern auf japanische Arbeitsbedingungen zu zeigen. Denn hier wie dort beutet sich die Gesellschaft in verschiedener Hinsicht durch die Gangart der freien, deregulierten (Wirtschaft fast ohne ethische Regeln) aus. Dienstleister und Kunden, zu denen wir oft wechselseitig gehören, schaukeln einander mit überhöhten Erwartungen (zu) hoch. Dies macht das Leben innerlich enger, droht es gar zu strangulieren. Weniger wäre mehr: Eine gesündere Gesellschaft.
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  • Kommentar von Hans Hämmerli (Hans Hämmerli)
    Dank der rechten Mehrheit im Nationalrat (fdp, svp, lega), die sich mehr für die Arbeitgeber als die Arbeitnehmer einsetzt, werden wir bald auch ähnliche Zustände haben. Alle bürgerlichen Parteien nehmen grosszügige Spenden von grossen Unternehmen an. Klar dass dafür eine Gegenleistung erwartet wird.
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